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US-Militär: 400 Milliarden Taschengeld

Seit dem 11. September 2001 sorgen die Kriegsfalken in Washington dafür, daß die Rüstungsausgaben der USA in bis anhin kaum bekannte Höhen schnellen. Die Verteidigungsbudgets kommen einer "großangelegten Kriegserklärung gegen die staatlichen Sozial- und Krankenversicherungen gleich". Der dies sagt, ist ein Pentagon-Insider: Franklin Spinney arbeitet seit 1997 für das ‚Office of Program Analysis and Evaluation' im amerikanischen Verteidigungsministerium. Mit seinem ‚Spinney-Report' dokumentierte er, wie das nationale Budget der Vereinigten Staaten durch hemmungslose Kriegsausgaben vernichtet wird.

Die Macht des militärisch-industriellen Komplexes, vor der schon Präsident Eisenhower eindringlich gewarnt hatte, ist heute einflußreicher denn je. Und seine Lobbyisten auf dem ‚Capitol Hill' sorgen dafür, daß der US-Kongreß die Rüstungsausgaben Jahr für Jahr gutheißt.

"Um die Vorgänge im Pentagon verstehen zu können, muß man erkennen, daß unsere Geschäftsprüfungskommission gar nicht in der Lage ist, das Rechnungsjahr des Pentagon zu prüfen", erklärte Spinney in einem Interview. Selbstverständlich werde jedes Jahr eine Revision durchgeführt, doch der Generalinspektor müsse in seinem Bericht regelmäßig darauf hinweisen, daß man die gesetzlich vorgeschriebenen Revisionsbestimmungen nicht habe anwenden können, weil die Geschäftsbücher des Verteidigungsministeriums nicht ausgeglichen wären. Spinney bringt es auf den Punkt: "Wir können dem Volk nicht sagen, wie das Geld ausgegeben wurde."
Besonders augenfällig ist dies bei der amtlichen Prüfung finanzieller Transaktionen. "Bei einer der letzten Revisionen wurden Transaktionen im Wert von sieben Billionen Dollar unter die Lupe genommen", führte Spinney aus. "Für vier Billionen - das sind viertausend Milliarden- fehlten jegliche Belege!"
Am 4. Juni 2002 sprach Franklin Spinney vor dem zuständigen Kongreßausschuß, als über das Rüstungsbudget für 2003 debattiert wurde: "Die geplanten Militärausgaben sind größer als im Kalten Krieg, wo Amerika von einer atomar hochgerüsteten sowjetischen Supermacht bedroht wurde und nicht von einem kriminellen Terroristennetz, das von einem fanatischen antiamerikanischen saudischen Millionär finanziert wird."
Und weiter: "Gemäß Zahlen des ‚Internationalen Institutes für strategische Studien' stehen die Vereinigten Staaten als einsamer Koloß in der Welt, der im Fiskaljahr 2003 gleichviel Geld für die Rüstung ausgeben will wie die nachfolgenden zwanzig größten Nationen zusammen. Die kombinierten Verteidigungsbudgets der drei Mächte der ‚Achse des Bösen' - Iran, Irak und Nordkorea - betragen weniger als zwölf Milliarden Dollar, oder nur ungefähr drei Prozent der budgetierten US-Militärausgaben."
Doch der Kongreß hatte für Spinneys Warnungen kein Gehör. Für das Jahr 2004 bewilligten die Parlamentarier dem Pentagon gar ein absolutes Rekord-Taschengeld von 401,3 Milliarden Dollar. - Weshalb wir diesen Betrag als Taschengeld bezeichnen? Weil man beim Taschengeld bekanntlich niemandem Rechenschaft schuldig ist, was man damit macht…

ben


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