Die amerikanische Gruppierung GATA (‚Gold
Anti-Trust Action Committee') reichte im Februar 2002 beim
Distriktgericht in Boston eine Klage gegen das US-Schatzamt,
die US-Notenbank und verschiedene Großbanken ein. Der Vorwurf:
Die US-Regierung habe sich seit 1994 mit führenden Banken
verschworen, den Goldpreis auf niedrigem Niveau stabil zu
halten. Den Banken gehe es dabei um immense Profite, während
die Regierung der ganzen Welt einen starken Dollar vorgaukeln
könne, der längst nicht mehr existiere.
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"Diese Manipulation
scheint drei Ziele zu verfolgen", führt die Klageschrift
weiter aus: "
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"Der Goldpreis darf
nicht steigen, weil dies einem Warnzeichen für die Inflation
der amerikanischen Währung gleichkäme.
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"Der Goldpreis darf
nicht steigen, weil dies die internationale Schwäche des
Dollars verraten würde.
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"Banken und andere
Geldinstitute, die sich selbst mit niedrig verzinsten Goldanleihen
finanzierten und deshalb über zuwenig Gold verfügen, sollen
keine schweren Verluste erleiden. Das wird aber unweigerlich
eintreten, wenn der Goldpreis ansteigt."
Gold wäre nämlich noch immer ein zuverlässiges
Barometer für die Währungsinflation, würde man seinen Preis
nicht künstlich drücken. Denn ein hoher Goldpreis deutet immer
auf instabile Währungen hin. Wenn also die amerikanische Regierung
den Goldpreis kontrollieren kann, argumentierten die GATA-Anwälte,
so kann sie damit auch fälschlicherweise den Wert des Dollar
kontrollieren. Gold ist und bleibt vorerst ein politisches
Metall.
Die beklagten Großbanken hingegen machen bei dieser ‚Goldverschwörung'
um des schnöden Mammons willen mit. Dabei läßt sich das komplizierte
Spiel einfach erklären: Auf dem Papier leihen sich die Geldinstitute
von den nationalen Zentralbanken Gold zu extrem niedrigen
Zinssätzen (ca. 1%). Dieses geliehene Gold verkaufen sie anschließend
auf dem offenen Markt. Der Erlös wird dann in Staatspapieren
oder gar in hochspekulativen Derivatgeschäften investiert,
weil dort am meisten Profit zu machen ist. Gemäß Wall Street-Analysten
steckten die Großbanken Billionenbeträge ins unsichere Börsenkasino.
Im Jahr 2003 besaß allein die Investmentbank ‚J. P. Morgan'
25 Billionen Dollar an Derivaten.
Geht alles gut, streichen die Banken Traumgewinne in Milliardenhöhe
ein. Sollte indes die Börse zusammenbrechen oder auch nur
schon der Goldpreis deutlich ansteigen, so würden Finanzinstitute
wie ‚J. P. Morgan', die Gold für Milliardenbeträge geliehen
haben, bald vor dem Bankrott stehen, warnen Experten. Sie
könnten nämlich die Zinsen auf dem gestiegenen Goldpreis plötzlich
nicht mehr bezahlen.
Die GATA-Klageschrift machte unter anderem geltend, daß in
den Jahren zwischen 1998 und 2001 die Nachfrage für Gold deutlich
größer war als die jährlichen Fördermengen, was automatisch
zu einem höheren Goldpreis hätte führen müssen. Doch das ist
nicht geschehen. Der zu niedrige Goldpreis schwächt nicht
zuletzt jene afrikanischen Nationen, wo Gold in großem Stil
gefördert wird. Deshalb begründete GATA ihren Entschluß zur
Klage mit "Schäden, die durch eine Manipulation des Goldmarktes
entstanden sind". Am 26. März 2002 wies das Gericht die Klage
jedoch ab, weil die Kläger keinen persönlich erlittenen Schaden
geltend machen könnten. Dank diesem Kunstgriff mußte das Gericht
nicht zur hochbrisanten Beweisführung in der Klageschrift
Stellung nehmen, deutete jedoch an, daß ein berechtigter Kläger
- beispielsweise eine Goldmine - mit besseren Chancen rechnen
könnte. Bedenkt man, wer die Beklagten waren, so spricht bereits
diese Bemerkung für den Mut des Richters. GATA klagte nämlich
Politiker wie den ehemaligen US-Finanzminister Lawrence Summers
und Ex-Präsident Bill Clinton ebenso an wie Alan Greenspan,
Chef der amerikanischen Notenbank, und diverse Großbanken,
darunter die ‚Bank für Internationalen Zahlungsausgleich'
(BIZ), ‚J. P. Morgan', ‚Chase Manhattan', ‚Citigroup', ‚Goldman
Sachs und die ‚Deutsche Bank AG'.
Das größte amerikanische Unternehmen im Goldeinzelhandel -
‚Blanchard and Co'. - nahm sich die Urteilsbegründung des
Bostoner Gerichts zu Herzen und klagte ein Jahr später im
Namen aller privaten Goldinvestoren gegen die Investmentbank
‚J. P. Morgan' und die größte kanadische Goldminengesellschaft
‚Barrick Gold Mining Corp'. Der Vorwurf lautete erneut auf
ungesetzliche Manipulation des Goldpreises. Seit 1987 habe
das Kartell auf diese Weise einen unlauteren Profit von 42
Milliarden Dollar gemacht. Im selben Jahr übernahm Alan Greenspan
übrigens das Steuer der ‚Federal Reserve', jenem privaten
Bankenkonsortium, dem der amerikanische Dollar gehört.
Die beklagte ‚Barrick Gold Mining Corp.' verfügt ihrerseits
über enge wirtschaftliche Bande mit dem Bush-Clan. ‚Barrick'
spendete ansehnliche Summen für die politischen Wahlkämpfe
der Bushs und holte Bush senior nach seiner Vertreibung aus
dem Weißen Haus an Bord des Unternehmens.
Leider wurde die ‚Blanchard'-Klage in New Orleans, Mississippi,
eingereicht - in jenem amerikanischen Bundesstaat, der laut
US-Statistik die korruptesten Richter aufweist - obwohl man
ehrlicherweise sagen muß, daß auch jedes andere amerikanische
Gericht es kaum wagen würde, in ein solches Wespennest zu
stechen. Wie vorauszusehen war, schmetterte die Richterin
in New Orleans am 3. September 2003 die Klage ab, "weil es
der Klägerin nicht gelungen ist, ein Klagebegehren vorzutragen,
dem hätte entsprochen werden können". Wenig später warnte
Michael Bolser von GATA: "Wir stehen jetzt vor einer Situation,
die Sir Eddie George, der Präsident der ‚Bank von England',
als Abgrund bezeichnete. Er sprach nicht von einem vorübergehenden
Abgrund; er sprach von der dauerhaften Wertzerstörung des
amerikanischen Dollars."
Benjamin Seiler
© 2004
ZeitenSchrift
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