Von Ursula Seiler
Es war an einem Montagnachmittag, als Karin mich anrief. Irgendwann
im Laufe unseres munteren Gesprächs erwähnte sie einen Mann, der
"eine super Sache" mache. Sie selbst habe die "super Sache" schon
bei sich machen lassen, und sie könne sie mir nur sehr empfehlen.
Ich horche auf, denn Karin ist einer jener Menschen, die einem
immer gute Dinge bringen, die Hand und Fuß haben, die funktionieren.
Ich beschließe, bei diesem Mann schon bald einen Termin auszumachen.
Seine Praxis wirkt gepflegt - eine einladende Mischung zwischen
einer gewissen Gediegenheit (Intarsienmöbel), wie sie zur wohlsituierten
Bevölkerung der zentralschweizerischen Steueroase Zug paßt (Boris
Becker ist seit gut einem Jahr auch hier angemeldet), und einer
spirituellen Atmosphäre (Elementarwesen, Pflanzen, bildschöne
Blumensträuße und eine große, alles überstrahlende Marienstatue),
die darauf schließen lassen, daß dieser Mann sich nicht nur mit
Körpern, sondern auch mit dem Geist befaßt.
Klaus Zumkehr ist Deutscher aus dem Raum Aachen, doch er trägt
ein rotes Polohemd mit Schweizerkreuz und eine ebensolche Armbanduhr.
Ich muß zugeben, daß dies (zynische Leute würden es vielleicht
Anbiederung nennen) mir durchaus mein schweizerisches Herz erwärmt!
Alles, was ich von Zumkehrs Arbeit weiß, ist, daß er ‚irgendwas'
am Atlas macht, dem obersten Halswirbel, dem Träger des Kopfes,
an dem die ganze Wirbelsäule hängt. Ich erzähle ihm, daß ich schon
von Atlaslogie gehört hätte und selbst nach einem schweren Sturz
einige Male zur Craniosakraltherapie gegangen sei; jedoch damit
aufgehört hätte, weil jene Therapeutin mir jedes Mal versicherte,
man werde mich niemals wiederherstellen können.
"Von Atlaslogie distanziere ich mich deutlich", bemerkt Zumkehr
sehr bestimmt. Das, was er mache, habe weder mit der Atlaslogie,
noch mit der Vitalogie irgend etwas zu tun. Nanu, denke ich, und
meine Spannung wächst. Zumkehr holt einen Schädel und die ersten
zwei Halswirbel aus dem Schrank. Er legt den Atlas, den obersten
Halswirbel in die vom Skelett dafür geschaffene Kuhle (siehe Bilder
Seite 63). Die speziellen Knochenformationen beidseitig des Schädelloches,
Condyli occipitales genannt, die in den oberen konkaven
Gelenkflächen des Atlas liegen, ergeben zusammen mit dem Atlas
die Kopfgelenke (Atlantookzipitalgelenke). "Dies ist die
richtige Lage des Atlas", erläutert Zumkehr und zeigt, wie die
beiden Stiloide des Schädels zusammen mit dem Zapfen (Dence) des
zweiten Halswirbels (Axis) den Atlas perfekt an seiner Stelle
fixieren.
Dann nimmt er beide vom Schädelende weg und legt den Atlaswirbel
geradezu grotesk schräg hin - so daß einer der beiden seitlichen
Fortsätze des Atlas vor und der andere hinter die kleinen Knöchelchen,
Stiloide genannt, zu liegen kommt (siehe Bild). Das Schädelloch
wird dadurch seitlich angeschnitten und im Durchmesser verringert.
"In dieser Lage befindet sich der Atlas bei praktisch allen Menschen",
erläutert Zumkehr. Ich bin geschockt.
"Das heißt, wir werden wohl schon mit einem vollkommen ausgerenkten
Atlas geboren. Bei manchen Menschen verschiebt er sich dann durch
Schleuder- oder Sturztraumas noch stärker, wodurch der Druck auf
die Nervenbahnen noch intensiver wird. Mit fatalen Folgen für
die Nervenbahnen, das Rückenmark, Arterien und Gefäße."
Die Verengung des Schädelloches (Foramen magnum) kann übrigens
mittels der Kernspintomographie sichtbar gemacht werden. Sie ist
also kein Phantasieprodukt. Meist wird die Verengung jedoch fehlinterpretiert
- als Folge von Wucherungen, die man dann womöglich noch herausfräsen
müßte...
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Bei einem
Schleudertrauma ist der Atlas noch stärker verschoben
(C) als sonst. (B). Zum Vergleich: Lage eines gerichteten
Atlas (A). |
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Zu den auftretenden Beeinträchtigungen bei einem ausgerenkten Atlas
gehören:
Ein Dauerdruck auf die am Schädelloch austretende craniale Fortsetzung
des Rückenmarks, die in diesem Bereich austretenden Hirnnerven und
andere Nervenbahnen sowie das übrige Rückenmark, das am Oberrand
des Atlas beginnt. Dadurch wird der vom Hirn zum Körper und zurück
fließende Nervenimpuls reduziert, verfälscht oder gar deformiert.
Das Zentralnervensystem, die ‚Elektronik' des Menschen, wird dadurch
stark beeinträchtigt. Dasselbe geschieht mit den übrigen acht Hirnnerven.
Der freie Fluß der Zerebrospinalflüssigkeit, wovon beim erwachsenen
Menschen in den Räumen des Rückenmarks ständig um die 125 bis 150
Milliliter zirkulieren, werden durch den Dauerdruck auf das Rückenmark
ebenfalls behindert, was wiederum zu schweren Störungen führen kann.
Die Arterien vertebralis, die durch die Ösen der beiden seitlichen
Fortsätze des Atlas verlaufen als auch andere hier verlaufende Arterien
und Gefäße, sowie möglicherweise auch die Halsschlagader können
durch den luxierten Atlas zum Teil stark eingeschnürt werden. Dies
kann zu Durchblutungsstörungen im Bereich der cranialen Fortsetzung
des Rückenmarks, des Kleinhirns und des ganzen Kopfes und als weitere
Folge zu Schwindel führen, was wiederum Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit
des Hirns, des Zentralnervensystems (ZNS), des Hormonsystems etc.
und auf die Psyche des Menschen hat. Jede einzelne Zelle der Trillionen
von Zellen des menschlichen Organismus wird vom Gehirn aus über
das Zentralnervensystem gesteuert und unterhalten. Eine Luxation
des Atlas stört den Daten-Informationsfluß, genannt Nervimpuls,
gravierend.
Durch Leiden
zur Lösung
Das Wissen um die katastrophale Fehlstellung des Atlaswirbels ist
noch sehr jung, und einmal mehr ging dieser bahnbrechenden Erkenntnis
ein jahrzehntelanger Leidensweg voraus: René-Claudius Schümperli,
geboren am 16. Februar 1940 in der Nähe von Zürich, erlitt in seiner
militärischen Ausbildungszeit mit zwanzig Jahren einen Unfall, der
nicht nur seinen Halswirbel, sondern auch sein Leben zertrümmern
sollte. Beim Nahkampf wurde er Kopf voran in den harten Boden gerammt,
verlor das Bewußtsein, und als er wieder erwachte, brannte Feuer
in seinem Nacken und tobte Chaos in seinem Kopf. Kein Arzt erkannte,
daß sein Atlaswirbel gebrochen war. 36 Jahre lang funktionierte
er nur noch "wie ein Roboter, meine Persönlichkeit war verändert,
mein Verhalten ebenso". Immer wieder litt er unter starken Schmerzen
im ganzen Körper, totaler Erschöpfung, Problemen mit dem Herzen,
starkem Nervenfieber, Druckschmerzen hinter den Augen, rasenden
Kopfschmerzen u.v.m.
Nachdem die behandelnden Ärzte ihm Badekuren, Wickel, Massagen und
unzählige Medikamente verordnet hatten, sich die Schmerzen aber
nicht legen wollten, übergab man ihn der Psychiatrie, nach dem Motto
- wenn alle herkömmlichen Methoden nicht halfen, mußte seine Pein
wohl Einbildung sein. Alsbald wurde ihm denn auch die Invalidenrente
gestrichen. Nur sein Arbeitgeber hielt noch zu ihm, versetzte ihn
ins Wallis. Seine Stelle als Betriebsleiter mußte er wegen seiner
starken Beschwerden jedoch bald aufgeben, arbeitete dann vorübergehend
als Kellner, als Bügelgeber am Skilift und Hilfsarbeiter.
"Schlußendlich hielt ich mich eine Zeitlang mit Kleinkrediten über
Wasser. Hoch verschuldet und krank, erbarmte sich dann der Himmel
meiner. Ich fand eine Stelle als Kurtaxenkassier in einem Ferienort.
Während 17 Jahren verdiente ich meinen Lebensunterhalt, indem ich
von Haustür zu Haustür ging, um für den Verkehrsverein die Kurtaxe
zu kassieren: eine unangenehme und oft demütigende Arbeit, aber
ich war von den Unfallfolgen dermaßen geschädigt, daß ich zu nichts
anderem fähig war." Die Arbeit erlaubte ihm, Pausen zu machen, wann
er sie benötigte, und über eintausendmal in einen Badeort zu fahren,
um Linderung für seine Beschwerden zu finden (die Sie auch im ‚Schleudertrauma'-Kasten
finden, der in der Druckausgabe publiziert ist).
Trotz alledem verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends
- sosehr, daß er 1986 an Selbstmord dachte. Sein Hausarzt riet ihm,
zu einem Vitalogen zu gehen. Die Vitalogie erschien ihm zunächst
als Rettungsanker, entpuppte sich aber nach einiger Zeit als Fehlkonzept.
Wie die Atlaslogie geht sie davon aus, daß der Atlaswirbel nur um
Hundertstel Millimeter verschoben sei, was im Fachjargon Subluxation
genannt wird. Obwohl sich Schümperli selbst zum Vitalogen hatte
ausbilden lassen, wurde ihm mehr und mehr bewußt, daß damit etwas
nicht stimmen konnte. Bei ihm wie auch seinen Patienten kamen die
Beschwerden nach jeder Anwendung wieder. Es konnte sich also im
besten Fall um eine Symptombekämpfung, nicht aber um eine Beseitigung
der Ursachen handeln.
Anders die Methode, die Schümperli dann Anfang der Neunziger Jahre
entwickeln sollte, und die sich Atlasprofilax nennt. Sie
muß nur ein einziges Mal an jedem Menschen durchgeführt werden
- und dessen Atlaswirbel verbleibt für den Rest seines Lebens in
der richtigen, ursprünglich vom Körper vorgesehenen Lage, selbst
nach einem neuerlichen Unfall oder Sturz.
Wie genau er zu seinen Erkenntnissen kam - dazu gibt Schümperli
sich wortkarg. Natürlich war er getrieben vom Forscherdrang des
Leidenden, der alles tun würde, um sich Linderung, sprich ein normales
Leben zu verschaffen. In der Vitalogie hatte er sich zusätzlich
intensiv in die anatomischen Gegebenheiten der ganzen Nackenregion
eingearbeitet. Sein ‚Heureka' erlebte er im Jahre 1993, als er erstmals
zweifelsfrei feststellte, daß der Atlas nicht subluxiert - also
nur um hundertstel Millimeter - schief lag, sondern vollständig
luxiert war - sprich, sich in einer krassen Fehlstellung befand.
Von der Erkenntnis bis zum ersten Praktizieren seiner Methode, bemerkt
er, war der "Weg noch weit und steinig". Am 25. Juni 1996 war es
dann aber soweit: Erstmals wandte er seine neu entwickelte Methode
an mehreren langjährigen Patienten seiner Praxis an - natürlich
mit deren vollem Einverständnis. Und siehe da: Der Atlas glitt mühelos
und praktisch schmerzfrei in seine richtige Lage, wo er von den
Stiloiden und dem zweiten Halswirbel dann auch an Ort gehalten wird!
Eine der eindrücklichsten Erfahrungen, die Klaus Zumkehr machte,
nachdem sein Atlas vor gut eineinhalb Jahren von Schümperli selbst
korrigiert worden war, lag darin, daß die übrigen Wirbel bei ihm
seit einem halben Jahr stabil in ihrer natürlichen Lage bleiben.
Vorher mußten sie vier- bis fünfmal jährlich wieder eingerenkt werden.
"Wirbel renken nicht aufgrund gewisser Gefühlsmuster aus", erklärt
Zumkehr. "Wirbel renken ursächlich aufgrund eines ausgerenkten Atlas
aus, denn die Wirbelsäule muß die extreme Schiefstellung des Atlas
(15 bis 40° in der Rotation) bis zum Iliosakralgelenk kompensieren,
woraus u.a. diverse Fehlhaltungen und Beckenschiefstände resultieren.
Dies wiederum stört das hochsensible statische Gleichgewicht innerhalb
der Wirbelsäule massiv.
"Die unnatürlichen emotionalen Muster sind eine Folge dieser Schiefstellungen,
nicht die Ursache", betont Zumkehr. "Generell kann gesagt werden,
daß traditionelle Wirbelsäuletherapien wesentlich schneller und
vor allem dauerhaft zum Erfolg führen, wenn der Atlas in seiner
natürlichen Position fixiert ist und die Aufhängung der Wirbelsäule
damit im Lot ist und auch bleibt."
Meine eigene Erfahrung ist, daß ich nach vielen Jahren zum ersten
Mal wieder ohne (pflanzliche) Schlafmittel ein- und durchschlafen
kann. Schädel- und Nackenschmerzen, Migräne und Nachtschweißanfälle,
die alle eine Folge meines Sturztraumas waren, sind vollkommen verschwunden;
neu habe ich manchmal Schmerzen in der Schultermuskulatur, die jedoch
durch die regelmäßigen Massagen allmählich verschwinden und eine
Folge des ‚Geraderückens' des Rückens sind. Beim Meditieren erreiche
ich viel schneller eine tiefe Versenkung, was mir nach dem Sturztrauma
überhaupt nicht mehr möglich war. Der ganze Körper ist von einer
wunderbaren Lebendigkeit erfüllt, die bis in die Fingerspitzen spürbar
ist, und sich manchmal wie prickelnder Champagner anfühlt.
Wenn Sie mehr über die Atlas-Profilax-Methode und entsprechende
Kontaktadressen erfahren möchten, lesen Sie den vollständigen
Artikel in unserer Ausgabe Nr.
45.
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