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"Die Ganze Welt ist eine Bühne":
Vom Schein zum Sein!

Ein Vergleich von Sir Francis Bacons gelehrten Schriften mit den Borschaften der Stücke Shakespeares bringt an den Tag, dass Sie von ein und demselben erhabenen Geist geschaffen wurden.


„Mensch, erkenne dich selbst und du erkennst Gott“

Worte über dem Eingang des Pallas Athene-Tempels in Delphi


Von Dr. phil. Agnes Aregger


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Niemand weiß, wie William Shakespeare ausgesehen hat. Das Gemälde rechts sieht sehr nach Stallknecht aus, während dasjenige links intellektuell aufgemöbelt wurde.

 

Shakespeare gilt als einer der genialsten und einflußreichsten Dichter aller Zeiten, er ist aber auch das kühne Aushängeschild einer besonders turbulenten Wendezeit in der bewegten Geschichte Englands. Shakespeare war zudem ein überaus kreativer Sprachschöpfer und Sprachbildner, dem das Englische letztlich seinen Aufstieg zur Weltsprache verdankt.

Dieses Universalgenie, das uns in seinen überwältigenden Bühnenbildern das bunte Leben in all seinen Facetten, die menschliche Entwicklung durch all die Laster und Tugenden hindurch und das höchste Ziel allen menschlichen Strebens so nachdrücklich vor Augen führt, kann unmöglich identisch gewesen sein mit dem Roßknecht und Analphabeten aus Stratford-on-Avon, der bis heute von einer breiten Öffentlichkeit als Autor der Shakespeare-Stücke anerkannt wird. Hier handelt es sich um den größten Etikettenschwindel aller Zeiten.[1]

In Tat und Wahrheit verbarg sich hinter dem Pseudonym Shakespeare eine Gruppe von führenden Dichtern und Intellektuellen, allen voran ein turmhoch herausragender Geist namens Francis Bacon (1561–1626). Er verfaßte viele der berühmten Dramen selber und war zugleich auch das Herz und Haupt der ganzen Gruppe. Bacon ist auch der berühmte Autor naturwissenschaftlicher, philosophischer und politischer Schriften von grundlegender Bedeutung bis in die Neuzeit hinein und zeichnet verantwortlich für die „King James-Bibel“, die unter seiner Regie entstand. Bacon und Shakespeare, das sind also die beiden Seiten derselben Medaille. Ein vergleichender Blick in ihre Werke bringt dies an den Tag.

Francis Bacon war einer jener brillanten geistigen Lehrer der Menschheit, die sich im Laufe der Zeitalter immer wieder freiwillig verkörperten, um den Menschen in Zeiten des Umbruchs ein richtungweisendes Vorbild und eine Leuchte auf dem Pfad zu sein. Jene großen „Seelen“, die sich als unsere „älteren Brüder“ betrachten, nehmen dieses Opfer aus Liebe zu uns Menschen auf sich. Sie verfolgen unermüdlich das hohe Ziel, die schlafende Menschheit immer wieder erneut aufzurütteln und an das letztendliche Ziel allen irdischen Lebens und Strebens zu erinnern: die Selbst-Erkenntnis, die einhergeht mit der Gott-Erkenntnis und die zu dauerhaftem Frieden, zu Freiheit und Harmonie führt. Sie wollen uns das Tor zum dauerhaften Goldenen Zeitalter öffnen – zu einem Utopia, das zwar noch nirgendwo existiert, aber dennoch einmal Wirklichkeit werden soll. Denn was der Mensch zu träumen imstande ist, das vermag er auch in die Tat umzusetzen.

Wie Bacon von sich selber schreibt, glaubte er sich

„…zum Dienst an der Menschheit geboren“[2]

Er wußte um seine wahre Mission und bezeichnete seine Werke als „Früchte der Ernte (...), mit der Gott meine Feder und meine Arbeit segnet“.[3]

In seiner Verkörperung als erstgeborener, nicht öffentlich anerkannter Sohn von Königin Elisabeth I. erfüllte er in doppelter Hinsicht eine federführende Mission: Als Bacon schrieb er (vorwiegend in Latein) vor allem für die Adeligen, die Kleriker und die gebildeten Bürgerlichen seiner Zeit und appellierte vor allem an den Verstand. Die in Englisch verfaßten Shakespeare-Stücke richteten sich an alle Menschen, inklusive an die leseunkundigen Schichten der Gesellschaft, und sprachen jedermann direkt auf der Gefühlsebene an. Shakespeare ließ alle möglichen Gestalten und komischen Typen aus dem Volk auftreten, mit denen sich die nicht gebildeten Zuschauer leicht identifizieren konnten. Die brillante Sprache, gewürzt mit Witz und Ironie, trug wesentlich zum großen Erfolg quer durch die ganze englische Gesellschaft bei.

Die Geschichte kennt Bacon als facettenreichen (Natur-) Wissenschaftler,[4] dessen Wissenschaftsverständnis und Vorliebe fürs Experimentieren beinahe modern anmuten, als Philosophen und einflußreichen Politiker des Elisabethanischen Zeitalters, der durch seinen Weitblick und Durchblick, seine feinfühligen Beobachtungen und scharfsinnigen Analysen des menschlichen Verhaltens und der gesellschaftlichen Zustände auffiel, insbesondere in seinen bekannten Essays, die zu einem bleibenden Bestandteil der Weltliteratur geworden sind. Eine weit größere, nachhaltige Wirkung hatte Bacon jedoch als Verfasser bzw. geistiger Mentor der Shakespeare-Stücke, die unter dem hohen Motto standen: It is the „Will of the I AM to shake the spear“ against the human ignorance („Es ist der Wille des Ich-Bin, den Speer gegen die menschliche Unwissenscheit zu schütteln“ – in Anlehnung an Pallas-Athene, die griechische Göttin der Wahrheit und Weisheit.)

Dies erklärt, weshalb sich Bacon und seine Mitarbeiter die Rechte erwarben, den echten Namen eines gewissen Stallknechts im Dienste des königlichen Reitstalls zu erwerben und als tarnenden Schutzschild zu verwenden.

Mit Unwissenheit meint Bacon nicht etwa bloß Analphabetismus und mangelnde äußere Bildung, vielmehr die fehlende innere Bildung und Erkenntnis. Denn es ist letztlich die Unkenntnis der ewigen Gesetze des Lebens, die fehlende Einsicht in die größeren Zusammenhänge, die zu all den unnötigen individuellen und kollektiven Katastrophen führt, damals wie heute. Darin unterscheidet er sich von manchen Humanisten, Renaissance-Menschen und späteren Aufklärern, die den Menschen als solchen ins Zentrum ihres Weltbildes stellten, und nicht den Menschen in seiner Eigenschaft als göttliches Wesen.

Bacon behielt in allem, was er tat, das übergeordnete Ziel im Auge. Und auf dieses Ziel strebte er unermüdlich zu: „Es ist nicht möglich, ein Rennen fehlerfrei zu vollenden, wenn das Ziel selbst nicht richtig aufgestellt ist“, schrieb er einmal. Er war seinem Wesen nach ein Mann des Überblicks, auf dem naturwissenschaftlichen wie auf dem geisteswissenschaftlichen Gebiet, die für ihn ohnehin die beiden Facetten derselben Ursache waren. In seiner Funktion als Dramatiker zeigte er sich als genialer Regisseur des menschlichen Lebens und Zusammenlebens.

Shakespeares Dramen als Volkstheater:
Ein tragender Pfeiler im Elisabethanischen Zeitalter

Unter der Herrschaft von Königin Elisabeth I. erlangte das Theater, das bisher als fragwürdige, von der Obrigkeit mit Argwohn verfolgte Institution gegolten hatte, eine unglaubliche Popularität, die alle gesellschaftlichen Schichten erfaßte – von der Königin bis hin zum gewöhnlichen Volk. Diesen Theaterboom verdankte London der geballten kreativen Kraft und der ungeheuren Produktivität der Shakespearegruppe, die unter der persönlichen Obhut Ihrer theaterfreudigen Majestät stand.

Am Südufer der Themse stand das für seine volkstümlichen Shakespeare-Inszenierungen bekanntgewordene Globe-Theater, ein runder Bau ohne Dach. Wehte die Fahne von dessen Zinne, so wußten die Einwohner Londons, daß sie zu einer Vorstellung geladen waren, und pilgerten in Massen hin. Das Globe-Theater trug seinen Namen zu Recht. Auf diesen Brettern wurde in der Tat Welt-Theater aufgeführt. Und mehr noch: Theater von Weltrang.

Shakespeares Stücke waren beim breiten Volk offensichtlich ebenso beliebt wie am Hof und in gelehrten Kreisen. Wie war das möglich? Als Philanthrop hatte Bacon-Shakespeare ein hohes Bild vom Menschen und seiner Bestimmung. Follow your heart, it’s never wrong[5] („Folge Deinem Herzen, es liegt niemals falsch”), lautete das Motto, das ihm den Zugang zu den Herzen öffnete. Entsprechend rekrutierte er seine Bühnenfiguren aus allen Ständen und den verschiedensten Berufen, auch aus den unteren Volksschichten. Dadurch wurden nicht nur die betreffenden Figuren, sondern auch ihre natürliche Umgangssprache, ihr Slang, mit der Zeit bühnenfähig. Auf diese Weise erweiterte sich das bis anhin eher bescheidene englischsprachige Vokabular maßgeblich.

Zudem prägten Bacon und die intellektuellen Mitglieder seiner Gruppe zahlreiche neue Ausdrücke und Wendungen, die später Eingang in die englische Sprache und damit indirekt auch in die anderen Kultursprachen fanden. Heute ist Englisch mit weitem Abstand die Sprache mit dem größten Vokabular. Dank der starken Verbreitung der Stücke und den vielen späteren Übersetzungen wurde manch ein ursprüngliches Shakespeare-Zitat zu einem geflügelten Wort.

Wer denkt heute schon an Shakespeare, wenn er liest: Etwas ist faul im Staate Dänemark (also im Reich von König Hamlet) – wobei sich Dänemark selbstverständlich durch jeden beliebigen Ländernamen ersetzen läßt. Oder wenn er sich mit dem Spruch: Der Rest ist Schweigen aus der Patsche hilft… Oder wenn er hört: ein Königreich für ein Pferd – was heißt, daß eine wichtige Sache auf dem Spiel steht, nur weil im entscheidenden Moment eine unentbehrliche Nebensache fehlt oder das richtige Werkzeug – das einem zur Hand sein sollte. Kennen wir das nicht alle? Bei König Richard II. ging’s ums Lebendige: Er verlor sein physisches Leben und damit sein äußeres Königreich, weil ihm in der Hitze des Gefechts ein Fluchtpferd fehlte. Die Worte Sein oder Nicht-Sein sind bereits in aller Munde, wenn sie nicht gar zu einem Werbe-Gag geworden sind. Nur lautet hier die Frage, ob sie auch verstanden werden…

Nebst seiner herausragenden sprachschöpferischen Ausdruckskraft verfügte dieser begnadete Dichter auch über die Gabe, durch tiefsinnige Symbole und Bilder die feinen, inneren Saiten des Menschen zu zupfen und zum Schwingen zu bringen. Er kleidete die zeitlosen Urweisheiten in ergreifende Geschichten mit psychologisch und geistig wahrem Gehalt. Den Stoff dazu fand er in geschichtlichen Vorbildern, in Mythen, Sagen und Überlieferungen, aber auch in den Tragikomödien des Alltags.

Das Theater war also in der Shakespeare-Zeit das Volksvergnügen Nummer eins – ähnlich wie die mittelalterlichen Ritter- und Mysterienspiele und die von Gauklern auf dem Jahrmarkt vorgetragenen Moritaten. Natürlich waren die Stücke sprachlich und geistig von unterschiedlichem Niveau – nicht alle stammten schließlich von „Herrn Shakespeare“ persönlich – und hatten für jeden Geschmack etwas zu bieten. Auch Dramen mit viel Tiefgang und verschlüsseltem esoterischem Wissen wurde vermutlich von den meisten Zuschauern im Globe-Theater bloß als Klamauk konsumiert.

Doch gewiß hat auch das einfache Volk die in bunte Szenerien verpackten Grundwahrheiten bis zu einem gewissen Grad mitbekommen, sei es auch nur unbewußt. Und das war gewiß von Bacon-Shakespeare so beabsichtigt.Die Stücke berichteten zwar vordergründig
von Taten, fleischlich, blutig, unnatürlich,
zufälligen Gerichten, blindem Mord;
von Toden, durch Gewalt und List bewirkt;

doch hintergründig steckt weit mehr dahinter. Bacon spricht die „Moral von der Geschichte“ immer wieder klar und deutlich aus: Seine Dramen sind letztlich Lehrstücke und zeugen von
Planen [Plänen], die verfehlt zurückgefallen auf der Erfinder Haupt.

Hier ist also keineswegs blinder Zufall am Werk; vielmehr zeigt Bacon-Shakespeare einen Mechanismus auf, eine Gesetzmäßigkeit, der jeder Menschen gleichermaßen unterstellt ist: Ein jeder ist schlußendlich selbst der (eigenverantwortliche) Regisseur seines Lebensspiels – wenn auch über viele Verkörperungen hinweg. Erkennt er dies jedoch nicht, wird er zur Marionette anderer Kräfte, die so lange mit ihm ihr böses Spiel treiben können, bis er erwacht und das Szepter selber in die Hand nimmt. Ein weiteres Beispiel:
Die ganze Welt ist Bühne
und alle Frauen und Männer bloße Spieler.
sie treten auf und gehen wieder ab,
sein Leben lang spielt einer manche Rollen,
durch sieben Akte hin.
[6]

Die sieben Akte kann der Zuhörer oder Leser vordergründig als Phasen des Lebensalters verstehen (Kindheit, Adoleszenz, junges Erwachsenenalter etc.); der in das esoterische Wissen Eingeweihte konnte mehr daraus herauslesen: Der Mensch entwickelt sich über sieben Zeitalter hinweg, bis er schließlich sein Gottes-Potential voll entfaltet hat und den Ehrentitel „Krone der Schöpfung“ verdient:
Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

Diese Worte legt Bacon seinem Hamlet in den Mund, und diese Gestalt trägt in mancherlei Hinsicht autobiographische Züge des Autors. Das heißt, seinen Worten ist besonderes Gewicht beizumessen. Bacon-Hamlet verweist hier auf einen Grenzbereich, den der unerwachte Mensch mit seinem ach so klugen Verstand und seinen beschränkten Sinnen nicht oder nur annähernd zu erfassen vermag, auf jene vielfältigen Phänomene, die wir uns (noch) nicht in ihrer ganzen Tiefgründigkeit erklären können, die aber dennoch zu den existentiellen Erfahrungen eines jeden Menschen gehören: auf Mystisch-Religiöses im echten, positiven Sinne, aber auch auf Pseudo-Mystisches und die unzähligen Formen des Aberglaubens.

Im England der Elisabethanischen Epoche erlebte der Okkultismus in all seinen Schattierungen eine Hochblüte, der Aberglaube war allgegenwärtig. Sämtliche Schichten des Volkes standen im Bann okkulter Phänomene, allen voran die Königin, gefolgt vom den Adeligen und den gebildeten Kreisen. In seinem Essay Über Weissagungen erwähnt Bacon namentlich auch Elisabeth I. und Heinrich VI.

Das Königshaus ging also in Sachen Aberglauben ausnahmsweise einmal mit „gutem“ Beispiel voran. Elisabeth I. war in einem so hohen Maß abergläubisch, daß sie wichtige Entscheidungen von den Einflüsterungen ihrer Astrologen abhängig machte. Unter Elisabeths Nachfolger, Jakob I. (König ab 1603), wurde es keinesfalls besser. Nur stand der Aberglauben nunmehr unter katholischem Vorzeichen. Der König war von den zwielichtigen Erscheinungen der Geisterwelt so sehr fasziniert, daß er sogar eine Dämonologie verfaßte und in „echt“ katholischer Tradition Hexen verfolgte.

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Das Bild zeigt einige mutmaßliche Autoren der Shakespeare-Stücke. Hinten, unter dem farbigen Strahl „göttlicher Inspiration“ Francis Bacon. Stehend von links: William Camden, Sackville (der Earl of Dorset), John Fletcher. Sitzend von links: Josuah Sylvester, John Selden, Francis Beaumont, Francis Bacon, Ben Johnson, John Donne, Willy Shakspere (gesichtslos – er schrieb ja nicht, sondern lieh nur den Namen). Stehend auf der rechten Seite: Walter Raleigh, Henry Wriothesley, der Earl of Southampton. Sitzend rechts: Robert Cotton, Thomas Dekker.

 

Bacon wußte wie kaum ein anderer um die gravierenden Folgen solcher Praktiken und erhob auch hier seinen Speer gegen den ganzen Unfug. Er kämpfte mit seiner geistigen Waffe, der Feder, gegen die grassierende Unwissenheit – und zwar in seiner Doppelfunktion als Bacon wie auch als Shakespeare.

Hier einige Textstellen aus seinem Essay Über den Aberglauben, die für sich sprechen: „Es wäre besser, überhaupt keine Vorstellung von Gott zu haben, als eine, die seiner unwürdig ist … Der Aberglauben [hat] den Sturz manchen Staates herbeigeführt, weil er ein ‚primum mobile’, eine neue Urkraft darstellt, die verheerend den ganzen Staatskörper überfällt. Beim Aberglauben gibt das [unwissende] Volk den Ton an, und in diesem Punkte folgen Weise den Toren nach, und in verkehrter Reihenfolge passen sich die Vernunftgründe hinterher der Praxis an … Die Ursachen des Aberglaubens sind: gefällige und den Sinnen schmeichelnde Kirchengebräuche und Gepränge, Übermaß an äußerlicher und scheinheiliger Frömmigkeit, übertriebene Ehrfurcht vor Überlieferungen, die die Kirche nur belasten, die dem eigenen Ehrgeiz und Gewinnstreben dienenden Kunstgriffe der vornehmen Geistlichkeit, die übergroße Begünstigung frommer Einfalt, dem Tor zu sonderbaren Neuerungen, das Bestreben, göttliche Dinge aus menschlichen Gesichtspunkten zu erklären, was nur Verirrung von Begriffen hervorruft, und schließlich barbarische, namentlich mit Elend und Ungemach verbundene Zeitalter.“

Diesen analytischen Überlegungen zum Themenkomplex Religion/Aberglauben stellt Bacon-Shakespeare als Dramatiker und Regisseur ein warnendes Exempel gegenüber, das dem Zuschauer bzw. dem Leser unter die Haut geht: in Form seiner bekannten (1606 entstandenen) Tragödie Macbeth, die sich in Schottland abspielt. Der Stoff ist nicht etwa aus der Luft gegriffen – das ist bei Shakespeare ohnehin nie der Fall –, sondern knüpft an wahre historische Begebenheiten aus dem 11. Jahrhundert an. Damit Sie sich als Leser ein Bild machen können, worum es hier geht, kurz ein paar wesentliche Angaben zum Inhalt der Tragödie:

Getrieben von Neid und krankhaftem Ehrgeiz glaubt Macbeth zu Unrecht, Anspruch auf den schottischen Thron zu haben. Er läßt sich auf die dunklen Kräfte ein und sucht Rat bei den Hexen – die Bacon tatsächlich auf der Bühne auftreten läßt. Macbeth schenkt ihren schmeichelhaften Prophezeiungen, die ihm die Krone in Aussicht stellen, Glauben und gerät dadurch immer mehr in ihren Sog. Zunächst erfüllen sich die Prophezeiungen der Hexen tatsächlich – Macbeth fallen zwei Titel zu –, denn – und das ist das Hinterhältige:
Oft, uns in eignes Elend zu verlocken,
erzählen Wahrheit uns die dunklen Schergen,
verlocken uns durch schuldlos Spielwerk, uns,
dem tiefsten Abgrund zu verraten.
(I/3)

Auch wenn Macbeth vorgibt, die Hexen nicht ernst zu nehmen, erfüllt er dennoch Schritt für Schritt ihre dritte Voraussage, indem er sie für bare Münze nimmt. Schließlich schreckt er vor nichts mehr zurück und verschafft sich den Zugang zum ersehnten Thron mit roher Gewalt: Er bringt den rechtmäßigen König meuchlings um – und außer ihm auch noch Verwandte und „Freunde“ – wird zum Thronräuber und stürzt sich und das ganze Volk ins Verderben.

Der Meuchelmörder Macbeth weiß bereits im 1. Akt der Tragödie um die unvermeidlichen Folgen seines Tuns, wenn er sich auf die finsteren Kräfte einläßt. Aber er tut es trotzdem:
So setz ich [hin]weg mich
übers künft’ge Leben. –
Doch immer wird bei solcher Tat uns schon

Vergeltung hier: daß wie wir ihn gegeben,
den blut’gen Unterricht, er, kaum gelernt,
zurückschlägt, zu bestrafen den Erfinder.
Dies Recht, mit unabweislich fester Hand,
setzt unsern selbstgemischten, gift’gen Kelch
an unsre eigenen Lippen
[7] (I/7)

Und damit es ja jeder versteht, hält Bacon die Moral von der Geschichte am Ende des Dramas in allgemeiner Form fest:
Keiner trau dem Gaukelspiel der Hölle,
die uns mit doppelsinn’ger Rede äfft,
die Wort nur hält dem Ohr mit Glücksverheißung
und es in Wahrheit bricht.
(V/7)

Mysterienspiele – ein kurzer historischer Rückblick

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Dieses Bildnis Bacons weist mit dem Zepter (rechts) auf seine königliche Herkunft hin und mit den Büchern auf sein geistiges Werk, das die Zeit überdauerte.

 

Die Welt wurde von jeher als Bühne verstanden, und die Bühne als Abbild der Welt. Die gezeigten Spiele waren in der Regel belehrend und unterhaltsam zugleich. Sie vermittelten dem Publikum die geistig-religiösen Werte und Botschaften der betreffenden Kulturepoche, eingekleidet in die Szenerie und das Kolorit der Zeit.

Das war zu Bacon-Shakespeares Zeit nicht anders. Die geistigen Gesetze, die er vermittelte, sind wie kostbare Perlen in sein Werk eingebettet, teils offen an den Tag gelegt und teils verborgen im schützenden Gewand eines Bildes oder einer erzählten Geschichte. Die entscheidende Botschaft ist letztlich immer wieder dieselbe:
Mensch, erkenne dich selbst, und du erkennst Gott.

(…)

Der vorliegende Text ist nur das erste Drittel einer faszinierenden Abhandlung über die Philosophie hinter den Werken Shakespeares und über jenes Einweihungswissen, das Sir Francis Bacon in jenen Schriften weitergegeben hatte, die unter seinem echten Namen publiziert wurden. Den vollständigen Text finden Sie in unserer Druckausgabe Nr. 60.

Hier gelangen Sie zur Artikelübersicht der Ausgabe 60.

Warum der Analphabet und Stallknecht Will Shakspere nicht Autor der Shakespeare-Werke gewesen sein kann – und wer sich tatsächlich alles hinter diesem Pseudonym verbarg, lesen Sie in einem literarischen Krimi, der um so spannender ist, weil er der Wirklichkeit entspricht! Sie finden ihn in unserer Ausgabe Nr. 59.

Einen spannenden Artikel über das bewegte Leben von Sir Francis Bacon und seinem Bruder finden Sie in unserer Ausgabe Nr. 59.


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[1] Mehr über diesen einmaligen mysteriösen Fall, diesen wahrlich königlichen Krimi und all die damit einhergehenden Ungereimtheiten, können Sie in der letzten Ausgabe der Zeitenschrift (Nr. 59) nachlesen.

[2] Bacon. Aus der Vorrede zur „Erklärung der Natur“.

[3] In einem Schreiben an den Herzog von Buckingham, dem Bacon seine Essays widmete.

[4] In seiner Instauratio magna (Große Wiederherstellung) – das Werk blieb ein Torso – strebte er nichts Geringeres als eine Erneuerung der gesamten Wissenschaft in all ihren Teilgebieten an und setzte diese theoretische Vorstellung in seinem literarischen Werk Das neue Atlantis in Form einer konkreten Zukunftsvision um.

[5] Bekannte Aussage Shakespeares.

[6] Wie es euch gefällt, II/7, 140-144

[7] Auch in Hamlet sterben der Thronräuber und Hamlets Gegenspieler an „Gift, gemischt von eigner Hand“.Ähnlich wie in Hamlet fällt auch in Macbeth dem rechtmäßigen Kronprinzen die Aufgabe zu, die ausgleichende Gerechtigkeit wieder herzustellen, indem er den Usurpator (Thronräuber) in der Hitze des Gefechts ins Jenseits befördert. Nun kann im Land wieder Frieden und Ruhe einkehren.


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