| Palästina: Zerrissenes ,Heiliges Land’: Zwei Ideologien, die das Leben jedes israelischen Juden prägen | ||||||||||
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Der Traum vom Eisernen Vorhang' Elon plädiert für "eine vollständige Trennung beider Völker" als "einzige Möglichkeit". Anfang 1995 sprach sich Israels Ministerpräsident Rabin für einen Eisernen Vorhang' aus, der Juden und Palästinenser voreinander sichern sollte. Der elektronisch gesicherte Zaun hätte durch Täler und über Berggipfel verlaufen sollen, mit Videoüberwachung an unübersichtlichen Stellen. Bei Tageslicht hätten Helikopter häufig Patrouille fliegen, in der Dunkelheit Hundestaffeln und Soldaten mit Nachtsichtgeräten das Gelände durchkämmen sollen. Da gebrauchte auch der Spiegel das Wort Apartheid'. Aussperrung intellektueller Art erfahren die Studierenden an palästinensischen Universitäten wie Bir-Zeit, Gasa und Nablus. Oft werden die Lehranstalten von der israelischen Besatzungsmacht wochen- oder monatelang geschlossen. "Öffnet die Universitäten, schließt die Gefängnisse", lauten die Aufschriften auf Protestbändern bei Demonstrationen der Ausgesperrten. In ZeitenSchrift Nr. 10 publizierten wir schon jene Aussage des zionistischen Rabbis Stephen Wise, wonach es zwischen Judaismus und Kommunismus keinen Unterschied gebe. Jack Bernstein schreibt, es seine Irreführung der Medien, die die Welt glauben mache, Israel sei ein Bollwerk gegen den Kommunismus. Wahr sei vielmehr, daß Israel das einzige Land im Nahen Osten sei, welches kommunistische Parteien erlaube; es gibt mehrere davon. Gerade die arabischen Länder verböten hingegen kommunistischen Parteien, politisch tätig zu sein (mit Ausnahme von Nordjemen). Etwa ein Drittel der Knesset, also des israelischen Parlaments, gehöre zu einer von Israels kommunistischen, sozialistischen oder anderen marxistisch orientierten Parteien. Die Verbindungen Israel-Rußland sind nur schon durch die Einwanderung eng geknüpft. Bernstein und Schahak schreiben beide, daß die überwiegende Mehrheit aller in Israel ansässigen Juden aus Polens Ostgebieten, Weißrußland, der Ukraine und anderen russischen Teilstaaten eingewandert ist. Selbst als die Sowjetunion noch kommunistische Diktatur war, erlaubten ihre Führer Hunderttausenden von Juden (manche sprechen gar von einer Million), nach Israel auszureisen, während keine andere Bevölkerungsgruppe dieses Recht genoß. Auch jetzt, nach dem Zusammenbruch des altenSowjetregimes, stellen die Russen das größte Kontingent an Einwanderern. Sie sind so stark, daß ihr Anführer Natan Scharanski eine Partei gründen konnte, die Israel B'Alija, die sich als reine Sachwalterin der neu zugewanderten Russen sieht und die auf Anhieb sieben Sitze in der Knesset gewann. Scharanski prophezeit denn auch, "Wir werden diesen Staat russifizieren." Dennoch ist das Leben für die neuen Russen in Israel kein Zuckerlecken. Sie gehören zu den Unterprivilegierten. "Die Menschen hier sind ungesellig und unfreundlich zu Fremden", beklagt sich Lena Gontscharowa aus Gomel, die sich mit ihrem Freund Eduard in Tel Aviv einen Friseursalon aufgebaut hat. Der Spiegel bemerkt dazu, "in Rußland wurden sie als Juden, in Israel werden sie als Russen beschimpft." Die neu zuziehenden russischen Juden sind materialistisch und überhaupt nicht fromm. Viele von ihnen scheren sich keinen Deut um den Sabbat, und ihre Metzger verkaufen zum Teil auch Schweinefleisch. "Israel ist ihr gelobtes Land, nicht weil es das Land ihrer Väter ist, sondern weil man dort gut leben kann", kommentiert der Spiegel. Anzufügen bleibt natürlich, daß Israel auf keinen Fall im Wortsinne das Land der, Väter' jener Aschkenasim-Juden sein kann. Wie wir schon in ZeitenSchrift Nr. 10 darlegten, stammen die aschkenasischen Juden von den Chasaren ab, deren Geschichte Jack Bernstein (selbst ein aschkenasischer Jude) so erzählt: "Die aschkenasischen Juden, die gegenwärtig 90 Prozent der Juden auf der Welt umfassen, hatten einen ziemlich seltsamen Ursprung. Den Geschichtsschreibern zufolge, darunter viele jüdische, traten die aschkenasischen Juden vor etwa 1'200 Jahren in Erscheinung. Es geschah hierdurch: An der östlichen Ecke Europas lebte ein Volksstamm, bekannt als die Chasaren. Um das Jahr 740 n.Chr. beschlossen der Chasarenkönig und sein Hof, sie sollten für ihr Volk eine Religion annehmen. So wurden Vertreter der drei Hauptreligionen - des Christentums, des Islams und des Judentums - eingeladen, um ihre religiösen Grundsätze vorzustellen. Die Chasaren wählten das Judentum, aber dies geschah nicht aus religiösen Gründen. Falls die Chasaren den Islam gewählt hätten, würden sie die starke christliche Welt erzürnt haben. Wenn sie das Christentum gewählt hätten, würden sie die starke islamische Welt erzürnt haben. Wenn der orthodox-religiöse Rabbi Benni Elon fordert, die Palästinenser müßten freiwillig auf das Land verzichten, auf dem sie seit Jahrhunderten lebten, und der Spiegel' ihn dann kritisch fragt, wie er darauf komme, daß sie ihre angestammte Heimat einfach verlassen sollten, antwortet Elon: |
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Erich Fried
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Zurück zu Jack Bernstein. "Diese polnischen und russischen aschkenasischen Juden praktizierten ihre Geschichte hindurch den Kommunismus/Sozialismus", schreibt er. In den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts habe man daher eine bemerkenswerte Anzahl jener kommunistischen/sozialistischen Juden in Deutschland, auf dem Balkan und schließlich in ganz Europa gefunden. "Wegen ihrer Einmischung in die sozialen und staatlichen Angelegenheiten von Rußland wurden sie die Zielscheibe der Verfolgung durch die Zaren. Deswegen begann die Auswanderung dieser kommunistisch/sozialistisch ausgerichteten Juden. Einige gingen nach Palästina; einige nach Zentral- und Südamerika, und eine große Anzahl von ihnen kam in die USA." Eine von Israels bekanntesten Institutionen, das Kibbuz, entstammt denn auch marxistischem Gedankengut. Ein Kibbuz ist ein landwirtschaftliches, manchmal auch ein industrielles Unternehmen. Jedes der israelischen Kibbuzim, schreibt Bernstein, sei mit einer von Israels marxistischen Parteien verbunden. Gemäß kommunistischem Ideal teilen sich die Mitglieder des Kibbuz alle Dinge gleichmäßig; und erhalten Kleidung, Nahrungsmittel und ein kleines Taschengeld als einzige persönliche Habe. Alle Gewinne des Unternehmens gehen für zukünftige Verwendung auf das Kibbuz-Konto. Das heutige Israel wird gemäß Professor Schahak von den beiden Nachfolgern des historischen Judaismus gleichermaßen beherrscht, wie auch auseinandergerissen: dem Zionismus und der jüdischen Orthodoxie. "Beide sind verschworene Feinde einer offenen Gesellschaft", merkt Schahak an. "Die israelisch-jüdische Gesellschaft steht vor der Wahl zwischen zwei Alternativen. Sie kann zu einem völlig geschlossenen und kriegsähnlichen Ghetto, einem jüdischen Sparta werden, das durch die Arbeit arabischer Heloten (Bezeichnung für die Sklaven Spartas, die Red.) unterstützt und aufrechterhalten wird durch seinen Einfluß im politischen Establishment der USA sowie durch Drohungen, seine Atomwaffen zu gebrauchen - oder es kann zu einer offenen Gesellschaft werden", schreibt Schahak in seinem 1994 erschienenen Buch. "Die zweite Wahl ist verknüpft mit einer aufrichtigen Untersuchung seiner jüdischen Vergangenheit unter dem Zugeständnis, daß jüdischer Chauvinismus und Exklusivismus existiert - und einer ehrlichen Untersuchung der Haltung des Judaismus gegenüber Nichtjuden."
Schahak wird von großer Sorge um sein Heimatland getrieben. "Es ist die Glorifizierung der Unmenschlichkeit, die nicht nur von den Rabbis ausgerufen wird, sondern auch von jenen, welche als die größten und sicherlich einflußreichsten Gelehrten des Judaismus angesehen werden, die wir bekämpfen müssen", fordert er. Es könne kein Zweifel daran bestehen, daß die schrecklichsten Akte der Unterdrückung auf der West-Bank durch jüdischen Religionsfanatismus motiviert würden. "Anders als Stalins gezähmte Gelehrte, sehen sich die Rabbiner - und vielmehr noch die hier angegriffenen Gelehrten, und mit ihnen der ganze Mob gleichwohl schweigender geistiger Normalverbraucher wie Schriftsteller, Journalisten, öffentliche Figuren, welche mehr als jene lügen und irreführen - nicht mit Todesgefahr oder Konzentrationslager konfrontiert, sondern nur mit gesellschaftlichem Druck; sie lügen aus Patriotismus, weil sie glauben, es sei ihre Pflicht, für das zu lügen, was sie als jüdische Interessen ansehen. Sie sind patriotische Lügner, und es ist derselbe Patriotismus, welcher sie zum Schweigen bringt, wenn sie mit der Diskriminierung und Unterdrückung der Palästinenser konfrontiert werden. - Im gegenwärtigen Fall", so Schahak, "sind wir auch mit einer anderen Gruppenloyalität konfrontiert - doch mit einer, die von außerhalb der Gruppe stammt, und welche manchmal noch schädlicher ist. Viele Nichtjuden (einschließlich Kirchenmänner und religiöse Laien, ebenso wie einige Marxisten aller marxistischen Gruppierungen) halten an der seltsamen Meinung fest, daß eine Weise, die Verfolgung der Juden zu sühnen, darin bestehe, nicht gegen das von Juden begangene Übel aufzumucken, sondern bei ihren Notlügen mitzumachen. Schahak hat sein aufrüttelndes Buch mit einer Motivation geschrieben, die wir mit ihm teilen: "Jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhaß wird mächtiger und politisch einflußreicher, wenn sie von der Gesellschaft, die sich ihr hingibt, für selbstverständlich genommen wird. Dies ist besonders dann so, wenn die Diskussion darüber verboten ist, sei es nun offiziell oder durch stillschweigende Übereinstimmung. Wenn Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhaß unter Juden vorherrschen, und - gespiesen durch religiöse Motive - auf Nichtjuden angewandt wird, ist es wie mit dem gegenteiligen Fall von Antisemitismus und dessen religiösen Motiven. Während man heute über letzteres diskutiert, wird nur schon die Existenz des Ersteren allgemein ignoriert, und zwar stärker außerhalb von Israel als im Lande selbst." Es ist daher für das Wohl Israels und aller rechtschaffenen Juden immens wichtig, daß die Welt - ähnlich wie es mit Südafrika geschah - erstens weiß, was aus welchen Motivationen geschieht, und zweitens allen in Palästina lebenden Menschen zu einem menschenwürdigen, achtungsvollen neben- oder besser noch miteinander Leben verhilft. Wir geben das Schlußwort Noa Ben Artzi-Pelossof, der Enkelin des ermordeten Yizhak Rabin: "In meinen Augen ist Israel wie ein gespaltener Körper, die eine Hälfte ist gesund, die andere krebszerfressen. Und dieser Krebs ist die extreme Rechte. Es war der Krebs, der Großvater tötete. Es ist der Krebs, der noch immer versucht, Israel zu töten. Wie können wir uns von dieser Krankheit befreien?" Ursula Seiler Anmerkung: Alle hier gemachten Äußerungen und Tatsachen stammen aus folgenden Zeitungen und Zeitschriften: Neue Zürcher Zeitung, St. Galler Tagblatt, Basler Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel, Fokus, Stern, Time Magazine, Facts, sowie aus den Büchern von Professor Israel Schahak, Jack Bernstein und Noa Ben Artzi-Pelossof (der Enkelin Rabins), Sumaya Farhat-Naser, sowie aus dem Jüdischen Lexikon. Um die Lesbarkeit des Artikels zu erleichtern, verzichten wir darauf, jedes Mal anzugeben, woher ein Zitat stammt. Es wäre uns aber ein Leichtes, die Quelle jederzeit nachzuweisen.
© ZeitenSchrift, CH-6343 Rotkreuz
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