(vorherige Seite) (nächste Seite)
Haiders Stationen in den Tod
Führt man sich die Abläufe der Todesnacht, so wie sie von den Medien dargestellt (oder ignoriert) werden, Punkt für Punkt zu Gemüte, wird der an sich schon mysteriöse Unfall nicht plausibler. Im Gegenteil.
Velden am Wörthersee, kurz nach 21.00 Uhr
Jörg Haider erscheint auf einem Fest in der Nobeldiskothek „Le Cabaret“, wo das neue Kärntner Szenemagazin Blitzlicht Revue präsentiert wird. Hier muss Haider, nach Obduktionsbefund vom 15. Oktober (1.8 Promille im Blut), wenn er nicht schon als Bierleiche hereingetragen wurde, die Alkoholika der Festivität im Alleingang abgeräumt haben. Schon um 1,3 Promille zu erreichen, muss ein 70Kilo-Mann – so die Berechnung von Bundesrichter Dr. Spiegel beim Verkehrsgerichtstag 1989 – im Durchschnitt etwa 19 (neunzehn) Schnäpse oder 13 (dreizehn) 0,3Liter-Gläser Bier stemmen.
|
Velden, 0.30 Uhr
Haider wirkt nicht müde, als er die Veranstaltung verlässt. Im schwarzen VW Phaeton macht er sich mit seinem Chauffeur Friedrich Schlager auf den Weg nach Klagenfurt.
Klagenfurt, gegen 0.45 Uhr
Vor der Landesregierung lässt Haider seinen Fahrer aussteigen und setzt sich selbst hinter das Steuer seines Dienstwagens, um zu seinem Anwesen ins Bärental zu fahren. (Es ist kein Grund ersichtlich, warum der Politiker sich bei der gemutmaßten Alkoholmenge im Blut nicht gemütlich chauffieren hätte lassen sollen.)
Lambichl, 01.14Uhr
Der BZÖ-Chef schließt kurz vor Lambichl auf den PKW einer anonymn Fahrerin auf, welche die einzige Zeugin dieser letzten Minuten zu sein scheint.
(Die Medien werden am nächsten Tag berichten, dass zu dieser Zeit dichter Nebel geherrscht habe, was definitiv nicht stimmt. Die ersten Unfallbilder belegen, dass die Sicht zunächst vollkommen klar war. Nebel zieht erst im Laufe der Nacht ein. Auch ist die Straße trocken und nicht nass, wie vereinzelt gemeldet wird.)
Video vom Unfallort
Lambichl, 01.15 Uhr
Haider überholt die Fahrerin, gerät dann der Zeugenaussage zufolge, als er sich schon wieder auf der rechten Fahrspur eingeordnet hat, von der Fahrbahn ab auf den Randstreifen, um in einer „Staubwolke“ zu verschwinden.
(1. Als erstes führten die Medien den Unfall auf den Überholvorgang, begleitend auf die zu hohe Geschwindigkeit des Landeshauptmanns zurück. Max Lang, Experte des österreichischen ADAC, ÖAMTC, hielt sehr schnell dagegen, dass es sich nicht um einen typischen Überholunfall handele, da Haider den Überholvorgang erfolgreich abgeschlossen und sich wieder korrekt eingeordnet hatte bevor sein Wagen ohne Schlingern und sichtbares Gegenlenken schnurstracks geradeaus von der Straße fuhr. Auch die Geschwindigkeit von 140 km/h ist nicht unstrittig: Haider fuhr mit seinem Wagen auf den PKW der „Zeugin“ auf und musste entsprechend Geschwindigkeit reduzieren. Interessanterweise scheint die ungenannte Frau zunächst auch keine überhöhte Geschwindigkeit Haiders zu Protokoll gegeben zu haben. Zumindest berichteten Polizei und Medien nichts entsprechendes. Die hohe Geschwindigkeitsanzeige in der Bordelektrik des verunglückten Wagens kann – wenn die amtliche Todesstreckenanalyse stimmt – durchaus auch darauf zurückgeführt werden, dass dieser ein Stück des Weges geflogen ist. Dabei dürften die Räder durchgedreht und der Motor hochtourig ohne Widerstand an den Reifen eine verfälschte Geschwindigkeit angezeigt haben.
Lambichl, 01.18 Uhr
Die Pkw-Lenkerin alarmiert „nach mehreren vergeblichen Versuchen durchzukommen“ Polizei und Rettung in Klagenfurt.
Lambichl, 01.26 Uhr
Nach acht Minuten sind Notärztin und Sanitäter zur Stelle, um den verunglückten Fahrer zu stabilisieren. Aber noch im Wagen erliegt Jörg Haider seinen Verletzungen. Die Ärzte stellen fest, dass die Halswirbelsäule komplett gebrochen ist, der linke Oberarm nahezu abgetrennt.
|
© 2008 ZeitenSchrift
|
||