Im Mai 2001 empfahl die Entwicklungsgruppe für die Nationale Energiepolitik von Vizepräsident Dick Cheney, der amerikanische Präsident möge "der Energiesicherheit Priorität in Handel und Außenpolitik einräumen". Dieser Cheney-Report wurde zur Blaupause von Bushs Außenpolitik.
Beim voraussichtlichen Anstieg des amerikanischen Ölverbrauchs um die Hälfte in den nächsten 25 Jahren, werden die USA immer stärker von Importöl abhängig. Die Kontrolle über die weltweit größten Erdölvorräte im Nahen Osten muß deshalb oberste Priorität haben. Denn wer nach Belieben den Ölhahn auf- und zudrehen kann, hält auch die wirtschaftliche Macht globaler Konkurrenten in der Hand, beispielsweise China. Nicht ohne Grund erklärte Präsident Bush im Juni 2002 in seiner West-Point-Rede, die USA würden den Auftritt "gleichrangiger Wettbewerber" auf der Welt nicht dulden.
Die neokonservativen Planer hinter Bush arbeiteten deshalb einen Fünf-Jahres-Plan aus, der die Entfernung der drei größten Stolpersteine der amerikanischen Ölinteressen in Nahost vorsieht: die "Terrorregimes" im Irak, im Iran und von Syrien. Der erste Schritt wurde bereits unternommen - und nagelte die US-Armee im Irak fest. Einen weiteren Krieg gegen den Iran oder Syrien können sich die Amerikaner eigentlich nicht leisten.
Aber vielleicht könnte die Atommacht Israel dazu verleitet werden. Denn Israel wähnt sich bis heute von Syrien, dem Iran und dem Irak in seiner Existenz bedroht. So hetzen denn die Regierung Sharons und die neokonservativen jüdischen Vordenker in Washington einmütig gegen die "terroristischen Mullahs im Iran". Die Destabilisierung dieser drei arabischen Staaten und die daraus resultierende "Balkanisierung des Nahen Ostens" (in Anlehnung an den Bilderberger-Plan von 1979) ist übrigens seit 1982 erklärtes Ziel der israelischen Außenpolitik.
Wenn der Wille, das Geld oder die Zahl der Soldaten nicht ausreichen für einen offenen militärischen Konflikt, dann haben eben Terrorismus und Intrigen das erwünschte Resultat zu erbringen. In diesem Licht muß auch die Ermordung des libanesischen Führers al-Hariri gesehen werden. Die westliche Welt beschuldigt Syrien, obwohl nicht einmal die von der UNO eingesetzte Untersuchungskommission stichhaltige Beweise dafür vorbringen kann (was die Massenmedien natürlich geflissentlich verschweigen). Statt dessen berichteten verschiedene arabische Medien Mitte November 2005, Ermittler der vom Berliner Oberstaatsanwalt Mehlis geleiteten Kommission hätten einem inhaftierten Terroristen zehn Millionen Dollar für falsche Beschuldigungen gegen Syrien geboten.
Dabei gibt es genug Fakten, die beim Hariri-Mord auf die Handschrift einer anderen Macht im Nahen Osten hinweisen: Israel. Aber eben, nicht die Regierung Sharon soll weg, sondern das syrische Regime.
Wenn es nach Sharon geht, sollten mit Syriens Präsident Assad auch gleich noch die Palästinenser verschwinden. Doch das ist reines Wunschdenken, hatte man doch schon vor einem halben Jahrhundert erfolglos versucht, alle Palästinenser aus Palästina zu vertreiben. Also sperrt der findige Sharon die Palästinenser eben in einem von sieben Meter hohen Betonmauern umzäunten Ghetto ein. Und Präsident Bush stellt sich blind, taub und stumm. Schließlich braucht er die Unterstützung der Israelis für seine Pläne im Nahen Osten.
Doch diese Vogel-Strauss-Taktik der USA könnte böse ins Auge gehen. Denn gewisse Kreise der israelischen Politik, zu denen sich auch Sharon zählt, träumen von Erez Israel. Die Macht jenes ‚Groß-Israel' "soll vom Nil bis zum Euphrat reichen", wie es der Vater des Zionismus 1904 so poetisch formuliert hatte. Dumm für die Amerikaner ist nur, daß in diesem Gebiet auch alle arabischen Ölvorkommen liegen.
Mehr
zur Geschichte des Erdöls erfahren Sie hier.