Was war konkret geschehen? Einer der größten Immobilienfinanzierer (2,85 Milliarden Euro Eigenkapital) hatte total 115 Milliarden Euro (!) in Hypothekarkrediten vergeben und zwar jeweils bis zu 135 Prozent des Schätzwertes einer Immobilie. Die Eigenkapital/Fremdkapitalrelation betrug ganze 2,5 Prozent. Für Rückstellungen bei Kreditausfall waren stolze 0,04 Prozent der Kreditsumme vorgesehen. Nun stiegen plötzlich die Zinsen und die Immobilienpreise fielen. Solange die Leute ihre Raten bezahlten, schien die Welt noch in Ordnung. Doch sobald sie dies nicht mehr konnten (Kunden geringerer Bonität), und als Folge gezwungen waren, ihr Haus in die Zwangsversteigerung zu geben, sah die Situation übel aus. Bei den Zahlen der Northern Rock ist man schneller pleite, als der Computer das ausrechnen kann. Dabei hatte die Bank noch im Januar 2007 die Auszeichnung „Best Financial Borrower“ (bester finanzieller Ausleiher) erhalten!
Daraufhin kam es zum ersten „Bank Run“ in Großbritannien seit dem Jahre 1866. Vor den Filialen der Bank bildeten sich lange Schlangen verängstigter Menschen, die ihre Sparguthaben abheben wollten.
Innerhalb von zwei Tagen wurden zwei Milliarden Pfund abgehoben. Am 14. September 2007 beschloß die Bank of England, eine Liquiditätsspritze von ca. 6,25 Milliarden Euro in das System zu pumpen. Der Ansturm endete jedoch erst, als die britische Regierung die Rückzahlung der Kontoeinlagen garantierte. Inzwischen mußte sie Northern Rock sogar verstaatlichen, da sich kein Käufer fand, der die Bank übernehmen wollte.
Um der Liquiditätskrise entgegenzuwirken, stellten die Zentralbanken der USA, des Euro-Raumes, Großbritanniens und der Schweiz den Banken günstig Geld zur Verfügung. Am 11. März 2008 pumpten sie erneut 200 Milliarden Dollar in den Markt. Die Vertrauenskrise können die Zentralbanken damit aber nicht aus der Welt schaffen.
In einem Artikel des Schweizer Tagesanzeigers vom 29. Februar 2008 können wir lesen, daß sich nach Ansicht von Experten der UBS (Union Bank of Switzerland, die gerade 20 Milliarden Franken aufgrund der Finanzkrise abschreiben mußte[1]) der gesamte Abschreibungsbedarf der Finanzbranche aus der aktuellen Kreditkrise auf mindestens 600 Milliarden Dollar belaufen kann. Dafür benötigen die Banken natürlich weiteres Kapital.
In dem Moment, als die Banken sich mit diesen ABS, MBS und wie die angekauften Forderungen alle heißen, nicht mehr am Geldmarkt refinanzieren konnten, entstand bei ihnen auf einmal eine plötzliche Illiquidität – der Beginn der sogenannten Subprime-Krise. So geschehen im August 2007.[2]
Die Liste dieser Banken liest sich wie das „Who is Who“ der Bankenwelt – die Deutsche Industriebank IKB, Sachsen Landesbank (LB), WestLB, UBS, BayernLB und so weiter. In den USA sind mittlerweile an die hundert Banken Pleite gegangen. Allein „Goldman Sachs befürchtet Zwei-Billionen-Dollar-Schock“ heißt es in der Welt vom 17. November 2007. Weiter steht dort: „Die Hypothekenkrise könnte nach Ansicht der Investmentbank Goldman Sachs weitaus gravierendere Folgen für die US-Wirtschaft haben als zunächst angenommen. So könnten Banken und Hedgefonds, die sich größtenteils über Fremdkapital refinanzierten, wegen der Krise ihre eigene Kreditvergabe um bis zu zwei Billionen Dollar zurückfahren, erklärte der US-Chefvolkswirt von Goldman, Jan Hatzius. ‚Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen können ziemlich dramatisch sein’, so Hatzius.“
Gut – solange die Einäugigen die Blinden kaufen (Fusionen), rettet es das System. Sollten sich, wie im August 2007 geschehen, die Banken untereinander nicht mehr trauen, springt einfach die Notenbank ein und druckt neue Geldscheine, beschafft neue Kredite. Mittlerweile sollen bis heute dadurch 445 Milliarden Euro ohne volkswirtschaftliche Deckung in den Markt gekommen sein.
Wahrscheinlich ist es sogar sehr viel mehr.
Seit Anfang 2007 veröffentlicht die Federal Reserve Bank (FED) auch die Zahlen der Geldmenge M3 nicht mehr. Warum?
Die Geldmenge M3 umfaßt den gesamten Bargeldumlauf, alle Sichteinlagen bei Banken sowie alle inländischen kurzfristigen Termineinlagen bei Banken. Diese Geldmenge M3 ist nun Maßstab dafür, wieviel Geld einer Volkswirtschaft effektiv zum Kauf von Gütern zur Verfügung steht.
Nimmt man diese Zahl und zieht davon die Zahl der Summe der in Preisen ausgedrückten Güter ab, so erhält man eine Zahl für die Inflation. Richtig berechnet, läge diese mittlerweile im zweistelligen Bereich und widerspreche der öffentlichen Statistik über die Inflation. Was soll’s. Wen interessiert es schon, wieviel Geld überhaupt im Umlauf ist, denn immerhin haben wir ja die Möglichkeit, genauso schnell physische Waren herzustellen, wie Papier zu bedrucken.
Oder etwa doch nicht?
Der Finanzminister zahlt, der Steuerzahler haftet. Die IKB war schon einmal mit rund 3 Milliarden Euro an der Börse bewertet. Das Rettungspaket erfordert schon jetzt mehr als 6 Milliarden Euro. Bis fast 2 Milliarden wird wohl der Steuerzahler dafür bluten müssen. Das wurde durch den Finanzminister Steinbrück schon einmal abgesegnet. Nun müssen die Zinsen auch unten bleiben, trotz hoher Inflation, sonst gibt es nicht zu verkraftende Zahlungsausfälle. Ich bin gespannt, wie viele Milliarden an Steuergeldern zur Rettung von Banken noch gezahlt werden müssen. Man wird es nicht groß bemerken, denn zur Ablenkung wird immer ein neues Schwein durchs Dorf getrieben.
Das IKB-Ablenkungsschwein heißt Zumwinkel und die Steuersünder in Liechtenstein. 4,2 Mio. Steuergelder für Hehlerware! Man spricht von ca. 100 Millionen Euro hinterzogener Steuern, die eventuell dem Fiskus durch diese Daten in die Kassen gespült werden könnten. Der Betrag mag hoch erscheinen, im Vergleich zu den Milliarden der Steuerverschwender, die in der Verantwortung auch ganz konkrete Namen tragen, sind es Peanuts.
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Herr Zumwinkel war als Vorstand der Deutschen Post gleichzeitig auch Vorstand einer Bank, nämlich der Postbank. Als Vorstände von Dax-Unternehmen gehören beide zum Establishment. Dort hackt bekanntlich die eine Krähe der anderen kein Auge aus. Warum also diese öffentliche Vorführung von Zumwinkel? Kann es sein, daß das auch etwas mit den Subprimes zu tun hat? Kann es sein, daß Herr Zumwinkel einfach betriebswirtschaftlich ein guter Vorstand sein wollte und nicht massenhaft diese Ramschanleihen kaufte wie die anderen? Wollte er die Post nicht so einfach den Heuschrecken vorwerfen und ausschlachten, wie es Ron Sommer mit der Telekom tat oder Hartmut Mehdorn mit der Bahn noch vorhat? Die Beantwortung dieser Fragen ist für die Öffentlichkeit und unsere Steuergelder jedenfalls hundertfach interessanter als der Skandal um die Liechtensteingelder.
Den vollständigen Artikel finden Sie in unserer Druckausgabe Nr. 58.
[1] April 08: UBS muß gesamthaft 40 Milliarden abschreiben.
[2] Unter bankimplode.com können Sie die Liste der Banken und die Summen einsehen, die von dieser Problematik bis jetzt berührt sind und um die es geht.
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