In der «Neuen Zürcher Zeitung» stand am 8. Februar unter dem Titel «Pillen für den Zappelphilipp. Eine Gleichung mit mehreren Unbekannten», dass man weder die «Störung ADHS» noch die Wirkung von Ritalin genau verstehe. Niemand wisse, was Ritalin im sich entwickelnden Gehirn bewirke, und das häufig beobachtete verzögerte Längenwachstum sei nicht geklärt. Zudem habe eine Untersuchung mit Ritalin an Ratten Veränderungen im Gehirn gezeigt, die einer Vorstufe der Parkinson-Krankheit glichen. Trotz all dieser beunruhigenden Hinweise sieht die Schweizerische Arzneimittelkontrollbehörde Swissmedic laut «Neuer Zürcher Zeitung» «keinerlei Grund zur Sorge».
Der Wirkstoff von Ritalin, Methylphenidat, gehört pharmakologisch zur Gruppe der Amphetamine. Wie alle Amphetamine erhöht Ritalin die Konzentration und unterdrückt belastende Gefühle wie Selbstzweifel, Konkurrenz, Versagensängste, Einsamkeit und Scham, aber auch positive Emotionen wie Freude, Zuneigung oder Kreativität. Dadurch «funktionieren» die Kinder besser, was in der Fachliteratur als «Zombie-Effekt» oder auto-matenhaftes Verhalten beschrieben wird. Durch dieses Niederhalten der Gefühle wird die Identitätsentwicklung schwer beeinträchtigt, denn unter Ritalin können Kinder nicht lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Dadurch bleiben sie in der Persönlichkeitsentwicklung zurück. Wer gibt ihnen später die verlorenen Jahre zurück?
Soeben wurden weitere erschreckende Tatsachen über Ritalin bekannt. Amerikanische Herzspezialisten melden 25 plötzliche Todesfälle, darunter 19 Kinder, unter der Einnahme von Methylphenidat und anderen Amphetaminen, sowie 54 Fälle nichttödlicher Herzfunktionsstörungen, darunter 26 Kinder (Deutsches Ärzteblatt vom 10. Februar). Die amerikanischen Kardiologen fordern eine «Blackbox-Warnung» für Ritalin, einen umrahmten Warnhinweis am Anfang der Fachinformation in jeder Packung. Solche Warnungen werden nur bei schwerwiegenden Risiken verlangt. Die amerikanische Arzneimittelkontrollbehörde FDA habe den Warnhinweis mit der Begründung abgelehnt, ein ursächlicher Zusammenhang zum Ritalin sei nicht bewiesen. Das sehen die Kardiologen anders. Sie betonen, dass die blutdrucksteigernde Wirkung von Amphetamin seit langem bekannt sei, was eine schlüssige Erklärung für den plötzlichen Herztod liefere.
Der Vorgang wirft die Frage auf, wie sehr wir unseren Behörden noch vertrauen können, wenn es um die Sicherheit und das Leben unserer Kinder geht. Zudem bestehen unter Fachleuten weiterhin erhebliche Zweifel, ob es das ADHS als organische «Störung» überhaupt gibt.
Quelle : Zeit-Fragen Nr.9 vom 27.2.2006
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