Die Vereinigten Staaten von Amerika
haben sich entschieden, ihre Interessen rücksichtslos
und mit Gewalt durchzusetzen. Nichts darf sich der
‚Pax Americana' in den Weg stellen. Schon vor dem
Irakkrieg hatte der stellvertretende US-Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz in einem Essay geschrieben: "Unsere
Freunde werden beschützt werden, unsere Feinde bestraft.
Und diejenigen, die ihre Unterstützung verweigern,
werden es bedauern, so gehandelt zu haben."
Diese imperialistische Großmacht-Politik wurde in
den Köpfen rechtsgerichteter Strategen geboren, die
heute als ‚Neokonservative' bekannt sind. Man nennt
sie so, weil viele von ihnen im politischen Spektrum
einst ganz links standen. Die neokonservativen Gründerväter,
zumeist jüdische Intellektuelle aus New York, hatten
sich in den Dreißiger Jahren von Stalin losgesagt
und waren zu Trotzki übergelaufen. Doch mit der Zeit
drifteten sie immer mehr nach rechts ab, und aus den
einstigen Trotzkisten wurden stramme Antikommunisten.
Bis zum 11. September 2001 wurden die neokonservativen
Ansichten kaum ernst genommen - heute bestimmen sie
die amerikanische Politik. Etwa dreißig Neokonservative
sitzen in der Bush-Administration an Schlüsselstellen
der Macht. Sie treten für eine rücksichtslose Durchsetzung
der US-Hegemonialpolitik ein und sind durchwegs stark
pro-israelisch eingestellt.
Die wichtigste neokonservative Denkfabrik ist das
‚American Enterprise Institute'. Sein Stratege Michael
Ledeen machte kürzlich keinen Hehl aus der neokonservativen
Philosophie: "Stabilität ist ein Auftrag, der Amerikas
nicht würdig ist. Wir möchten keine Stabilität im
Iran, im Irak, in Syrien, im Libanon, ja sogar in
Saudi-Arabien möchten wir keine Stabilität; was wir
wollen, ist Wandel. Kreative Zerstörung ist unser
Mittel, ob es nun unsere Gesellschaft betrifft oder
das Ausland."
Merke: Auch die amerikanische
Gesellschaft ist das Ziel "kreativer Zerstörung",
was sich in der Meinungsdiktatur der ‚Political Correctness'
und einer schleichenden Entchristianisierung seit
Jahren niederschlägt. Außenpolitisch soll eine Neuordnung
des Nahen Ostens erzwungen werden, von der Israel
mindestens soviel profitieren wird wie die USA - nicht
nur politisch. So hatte man beispielsweise im April
2003 zwischen Washington und Tel Aviv bereits Pläne
zur Errichtung einer Pipeline besprochen, um das Öl
des eroberten Irak nach Israel zu pumpen (so die Londoner
Zeitung ‚The Observer' vom 20. April 2003). Der Irakkrieg
werde "sich ausbreiten auf eine Reihe von Staaten.
Er wird dem Zusammenprall der Zivilisationen gleichen,
den jeder zu vermeiden hoffte", prophezeiten die beiden
neokonservativen Kommentatoren William Kristol und
Robert Kagan vom ‚Weekly Standard'.
Der jüdische Intellektuelle Norman
Podhoretz forderte in seiner Eigenschaft als Herausgeber
des neokonservativen ‚Commentary'-Magazins gar "den
Vierten Weltkrieg - einen Krieg gegen den militanten
Islam". Unterstützt werden diese neokonservativen
Ansichten von den über 60 Millionen fundamentalistischen
Christen Amerikas. Sie sehen im Staat Israel eine
Manifestation des göttlichen Willens und sind davon
überzeugt, daß im Nahen Osten erst ein globaler Weltenbrand
entflammen muß - die Schlacht von Armageddon -, bevor
Jesus Christus wiederkehren und die Gläubigen in den
Himmel entrücken kann (vgl. weiteren Artikel in ZS
39). Diese christliche Verblendung machen sich die
zionistischen Strategen natürlich zunutze. In der
‚Weltwoche' vom 24. April 2003 charakterisierte Martin
Kilian die Allianz solch ungleicher Partner mit treffenden
Worten: "Die Koalition der weltläufigen und gebildeten
Neokonservativen mit den meist südstaatlichen Fundamentalisten
fußte auf einem zynischen kleinen Schwindel: Gott
mußte her, obschon auch eminente Neokonservative von
seinem Tod überzeugt waren - laut Leo Strauss eine
jener ‚nicht harmlosen Wahrheiten', welche die Philosophen
besser totschwiegen. ‚Wenn Gott nicht existiert und
Religion eine Illusion ist, ohne die eine Mehrheit
der Menschen nicht leben kann, soll man die Menschen
an die Lüge der Religion glauben lassen', hatte Kristol
in einem Essay über Freud geschrieben." Derweil üben
die Neokonservativen in den amerikanischen Massenmedien
immer größeren Einfluß aus. Rupert Murdochs TV-Sender
‚Fox News' gehört ebenso dazu, wie das von Murdoch
finanzierte Wochenblatt ‚The Weekly Standard', dessen
Chef William Kristol ist. Er war seinerzeit Stabschef
von George Bushs sen. Vizepräsidenten Dan Quayle.
Kristols Vater Irving hatte einst die neokonservative
Bewegung mitgegründet. ‚Commentary' und ‚Public Interest'
sind ebenfalls neokonservative Publikationen, ganz
zu Schweigen von vielen Leitartikeln im ‚Wall Street
Journal' und anderen großen Zeitungen, die beispielsweise
von Kommentatoren wie Charles Krauthammer oder Robert
Kagan verfaßt werden.
Einer der mächtigsten Neokonservativen
ist Paul Wolfowitz, stellvertretender US-Verteidigungsminister.
Seine rechte Hand ist der Neokonservative Douglas
Feith, der den Pentagon-Planungsrat leitet. Der als
‚Fürst der Finsternis' bekannte Neokonservative Richard
Perle mußte am 26. März 2003 von seinem Vorsitz im
‚Defense Policy Board' (Rat für Verteidigungspolitik)
des Pentagon zurücktreten, weil er für eine knappe
Million Dollar Prämie seinen Einfluß in der Verwaltung
einsetzen wollte, damit eine chinesische Firma einen
bankrotten US-Konzern mit Verbindungen ins Pentagon
hätte kaufen können. Kriegstreiber Perle bleibt jedoch
nach wie vor einflußreichstes Mitglied in diesem Pentagon-Gremium.
Die meisten von Perles Ratskollegen sind wie er selbst
an diversen Rüstungsfirmen beteiligt, die sehr gut
an der von ihm und seinen Kollegen entworfenen Kriegspolitik
der USA verdienen. Einer dieser ‚Kriegsfalken' ist
beispielsweise der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey.
Als Nummer Zwei der amerikanischen Zivilverwaltung
im Irak soll Woolsey unter dem zionistischen Ex-General
und Waffenhändler Jay Garner die Wünsche der USA und
Israels durchsetzen. Garner selbst wurde Anfang Mai
2003 durch L. Paul Bremer als Leiter der zivilen Übergangsverwaltung
ausgewechselt, der lange Jahre für die Beraterfirma
von Ex-Außenminister Kissinger gearbeitet hatte. Auch
Richard Perle dient seit Jahrzehnten den Interessen
Israels: So verriet er beispielsweise in den siebziger
Jahren Details aus einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates
an die israelische Botschaft in Washington. Perle
und Wolfowitz' Stellvertreter Douglas Feith waren
es auch, die 1996 dem israelischen Ministerpräsidenten
Netanjahu rieten, sich über die Osloer Verträge hinwegzusetzen
und die besetzten Gebiete keinesfalls an die Palästinenser
zurückzugeben. Zwei weitere nennenswerte Neokonservative
in der US-Verwaltung sind John Bolton, ein Unterstaatssekretär
im Außenministerium, und Lewis Libby, der Stabschef
von Vizepräsident Cheney.
Selbst Kabinettsmitglieder stellen sich öffentlich
hinter die Philosophie der Neokonservativen: Vizepräsident
Dick Cheney ebenso wie Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld, der übrigens in den 80er Jahren höchstpersönlich
amerikanische Chemiewaffen-Komponenten an Saddam Hussein
verkauft hatte. Die zwei Minister unterzeichneten
nämlich die Grundsatzerklärung des ‚Project For The
New American Century' (PNAC).
Diese neokonservative Denkfabrik wurde 1997 von William
Kristol und Robert Kagan gegründet und fordert seit
1998 einen Krieg mit dem Irak. Nur Stunden nach den
Anschlägen vom 11. September 2001 erhielt der amerikanische
Präsident denn auch einen Brief des PNAC, worin behauptet
wurde, es sei "möglich, daß die irakische Regierung
Hilfe für den kürzlichen Angriff auf die USA geleistet
habe". Bereits vier Tage später, am 15. September,
plädierte auch Paul Wolfowitz für einen Militärschlag
gegen den Irak - Beweise für eine tatsächliche Verwicklung
des Irak in die Anschläge gibt es bis heute nicht.
Interessant ist ein PNAC-Strategiepapier vom September
2000. Darin wird die massive Aufstockung der amerikanischen
Rüstungsausgaben gefordert. Allerdings sei dies kaum
durchsetzbar, orakelten die Autoren, außer es komme
zu einem Schock, der vergleichbar mit Pearl Harbor
wäre. Ein Jahr später gingen die Wünsche der Neokonservativen
mit 9-11 schneller und umfassender in Erfüllung, als
man es für möglich halten sollte. Denn seit jenem
schicksalsschweren Tag bestimmen sie weitgehend das
Handeln von Präsident Bush. "Scheinbar ist dies alles
gut für Israel. Amerika kontrolliert die Welt, wir
kontrollieren Amerika", schrieb der israelische Friedensaktivist
Uri Avnery nach dem Sturz des irakischen Regimes.
"Niemals zuvor haben die Juden einen solch ungeheuerlichen
Einfluß auf das Zentrum der Weltmacht ausgeübt. Diese
Tendenz macht mich unruhig."
ben
P.S.:
Avnerys ganzer Aufsatz und weitere ausführliche Informationen
zu diesem Thema finden Sie in verschiedenen News-Artikeln
auf unserer Homepage.
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2003 ZeitenSchrift