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Tibetkrise, Teil 2

Die seltsamen Freunde des Dalai Lama Im Westen ist das Image des Dalai Lama so hochgespielt worden, dass Viele ihn fast wie einen Gott betrachten. Uns geht es hier nicht um das geistliche Leben des Dalai Lama, aber der Hinweis sei gestattet, dass er die meiste Zeit seines Lebens mit Reisen zugebracht hat. Die Kreise, in denen sich der Dalai Lama bewegt, kann man nur als »recht konservativ« bezeichnen. Heute ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass Gestapochef Heinrich Himmler und andere führende Nazis in den 1930er Jahren Tibet als heilige Stätte des verlorenen Atlantis und als Ursprung der »reinen nordischen Rasse« verehrten. Im Alter von elf Jahrem und bereits zum Dalai Lama auserkoren, war der jetzige Dalai Lama mit Heinrich Harrer befreundet, einem Mitglied der NSDAP und Offizier in Heinrich Himmlers berüchtigter SS. Weit entfernt von dem unschuldigen Bild, das der bekannte Hollywood-Film mit Brad Pitt von ihm zeichnet, war Harrer, als er den elfjährigen Dalai Lama traf, Elite-Mitglied der SS. Er wurde zu einem der Lehrer des Dalai Lama »über die Außenwelt«. Nur der Dalai Lama kennt den Inhalt von Harrers Privatstunden, beide blieben jedoch Freunde, bis Harrer 2006 im hohen Alter von 93 Jahren starb. Natürlich sagt die Freundschaft zur einer bestimmten Einzelperson noch nichts über den Charakter eines Menschen aus, aber im Lichte späterer Freundschaften ist sie doch interessant. Zusammen mit Margret Thatcher und Präsident George H. W. Bush senior - der ehemalige Botschafter in Peking und Direktor des CIA - verlangte der Dalai Lama im April 1999 von der britischen Regierung die Freilassung Augusto Pinochets, des faschistischen Diktators von Chile und langfristigen CIA-Klienten, der damals England besuchte. Der Dalai Lama drängte darauf, dass Pinochet nicht gezwungen werden sollte, nach Spanien zu gehen, wo ein Haftbefehl gegen ihn wegen Menschenrechtsverletzungen vorlag. Außerdem ist bekannt, dass der Dalai Lama enge Verbindungen zu Miguel Serrano unterhielt, dem Chef der chilenischen Nationalsozialistischen Partei, die den sogenannten esoterischen Hitlerismus vertritt. Lässt man den Anspruch des Dalai Lama auf Göttlichkeit hier einmal außer Acht: Unbestritten bleibt, dass er seit seiner Flucht ins indische Exil 1959 ständig von verschiedenen amerikanischen und westlichen Geheimdiensten und deren sogenannten NGOs umgeben ist und von ihnen finanziert wird. Hier ist von Belang, welche Pläne seine Freunde in Washington hegen. Die NED ist wieder am Werk. Wie Michael Parenti in seinem Buch Friendly Feudalism: The Tibet Myth,anmerkt, »unterstützte die CIA in den 1950er- und 1960er-Jahren das Anliegen der Tibeter aktiv mit Waffen, militärischer Ausbildung, Geld, Luftunterstützung und jeder nur möglichen Hilfe«. Die in Amerika beheimatete American Society for a Free Asia, eine CIA-Frontorganisation, vertrat den tibetischen Widerstand in der Öffentlichkeit; Thubtan Norbu, der ältere Bruder des Dalai Lama, spielte eine aktive Rolle bei dieser Organisation. Der zweitälteste Bruder, Gyalo Thondup, baute mit Hilfe der CIA 1951 eine Geheimdienstorganisation auf. Daraus entstand später eine von der CIA ausgebildete Guerillaeinheit, deren Rekruten nach Parentis Angaben mit dem Fallschirm über Tibet abge set zt wurden. Laut amerikanischen Geheimdienstdokumenten, die in den 1990er-Jahren freigegeben wurden, »ließ die CIA der tibetischen Exilbewegung pro Jahr 1,7 Mio. $ für antichinesische Operationen zukommen, inklusive einer jährlichen Unterstützung von 180.000 $ für den Dalai Lama«. Mit der Hilfe der CIA floh der Dalai Lama ins indische Dharamsala, wo er seitdem lebt. Er erhält auch heute noch Unterstützung in Millionenhöhe, nicht von der CIA, sondern von der National Endowment for Democracy (NED), einer unverfänglicher klingenden CIA-Frontorganisation. Die NED hat bei allen von Amerika unterstützten Farben-Revolutionen und Destabilisierungen mitgewirkt, von Serbien über Georgien bis zur Ukraine und Myanmar. Sie finanziert oppositionelle Medien und weltweite Werbekampagnen für die von ihr favorisierten Oppositionskandidaten. Wie bei den anderen Farben-Revolutionen der jüngsten Zeit facht die US-Regierung auch die Destabilisierung gegen China an, indem sie durch ihre Frontorganisation National Endowment for Democracy (NED) Protestorganisationen innerhalb und außerhalb Tibets finanziert. Die NED wurde Anfang der 1980er-Jahre von der Reagan-Regierung auf Empfehlung von Bill Casey, dem damaligen CIA-Direktor, gegründet, nachdem eine Reihe von Morden und Destabilisierungen gegnerischer Regimes durch die CIA öffentlich ruchbar geworden war. Die NED sollte ursprünglich als unabhängige NGO (nicht-staatliche Organisation) auftreten, die der CIA und den Regierungsbehörden nahestehen, aber doch weniger auffällig sein sollte. Der erste Vorsitzende der NED, Allen Weinstein, erklärte gegenüber der Washington Post: »Vieles, was wir [die NED] heute tun, machte vor 25 Jahren noch verdeckt die CIA.« Carl Gershman, Chef der NED, gewann den Preis als »bedeutende Persönlichkeit« für die Förderung der Demokratie in China, aber nicht von den Chinesen. Seine Stiftung tut heute, was die CIA früher nachte: Regimes zu stürzen, die Washington nicht wohlgesonnen sind. Der amerikanische Geheimdienst-Historiker William Blum schreibt: »Die NED spielte in der Iran-Contra-Affäre der 1980er-Jahre durch die Finanzierung von Schlüsselbereichen von Oliver Norths obskurem Project Democracy' eine wichtige Rolle.« Dies Netzwerk privatisierte die amerikanische Außenpolitik, führte Kriege, vertrieb Waffen und Drogen und nahm an weiteren netten Aktivitäten teil. 1987 erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass die Leute von der NED »das >Project Democracy< durchführen.«
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