Warum Hühnereier Schmerz empfinden und Pflanzen wie wir Menschen geliebt werden wollen.
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Die Liebe ist der Endzweck der Weltgeschichte und… das Amen des Universums.
Wir können uns vorstellen, daß der Geheimdienst CIA die neuen Versuche seines Experten gar nicht gerne sah. Backster wurde gekündigt; er mußte sich als Nachtwächter durchschlagen, um künftige Pflanzen-, Eier- und Joghurt-Experimente finanzieren zu können. Mittlerweile ist Cleve Backster achtzig geworden, fliegt noch immer in der Welt herum und präsentiert den Leuten die Todesschreie des Salats. Er hat herausgefunden, daß die Wissenschaftler der westlichen Welt davon nichts hören wollen; Sie versuchen, ihn als lächerlich abzutun oder totzuschweigen.
Die Wissenschaftler aber, denen er in Indien oder in buddhistischen Ländern begegnet, die lachen nicht. Sie fragen ihn vielmehr, wieso er denn bloß so lange gebraucht habe, so eine Selbstverständlichkeit herauszufinden.“ Was Xaver Frühbeis hier am 2. Februar 2004 seinen Zuhörern beim Bayerischen Rundfunk als Kalenderblatt präsentierte, hat längst Geschichte gemacht. Peter Tompkins und Christopher Bird haben es in ihrem einmaligen Buch Das geheime Leben der Pflanzen ausführlich und packend beschrieben.
Apropos Indien: Hier ragt besonders Sir Jagadis Chunder Bose (1858-1937) heraus, ein genialer bengalischer Wissenschaftler, der Physiker, Physiologe und Psychologe in einem war und mehr über Pflanzen entdeckte, als je ein Mensch vor ihm. Eigentlich begann seine Forschungsarbeit 1894 auf einem ganz anderen Feld, nämlich der Übertragung von Radiowellen. Nach fünf Jahren fiel ihm auf, daß sich die Empfindlichkeit seines Metalldetektors zum Empfang von Radiowellen bei ständigem Gebrauch verringerte, sich nach einer Ruhepause jedoch wieder normalisierte. Er kam zum Schluß, Metalle würden vielleicht ebenso wie müde Tiere oder Menschen Regenerationsphasen brauchen. Seine diesbezüglichen Untersuchungen ergaben, daß die Kurven eines schwach erwärmten Magneteisenerzes verblüffende Ähnlichkeit mit den Reaktionskurven von Muskeln aufwiesen. Beide wurden nach starker Beanspruchung „müde“, d. h., ihr Reaktions- und Regenerationsvermögen verringerte sich. Durch sanftes Massieren oder ein warmes Bad konnte ihre Ermüdung jedoch wieder beseitigt werden! Experimente mit Roßkastanien zeigten genau dieselben Muster. Schließlich kaufte Bose einen Sack mit weißen und gelben Rüben, weil er glaubte, dieses plump aussehende Gemüse sei bestimmt auch mit einer ebenso dumpfen Gemütsverfassung gesegnet. Doch erwiesen sich die Rüben als hoch sensibel! Bose entdeckte auch, daß er Pflanzen, die er mit Chloroform betäubte, ebenso vom Schmerz und Schock des Ausgrabens und Umpflanzens bewahren konnte, wie man es bei Menschen vor einer Operation macht.
Überhaupt zeigten die Forschungen Boses, daß es zwischen tierischem und pflanzlichem Gewebe kaum Unterschiede in den Reaktionsmustern gibt. Die Haut von Eidechsen, Schildkröten und Fröschen verhält sich ähnlich wie die Schalen von Weintrauben, Tomaten und anderen Früchten und Gemüsesorten. Die Reaktion eines Blattes auf Licht weist starke Parallelen zur Reaktion der Retina des tierischen Auges in einer entsprechenden Situation auf. Mit Hilfe seines Vergrößerungsapparates bewies er, daß Pflanzen bei ununterbrochener Reizung ebenso ermüden wie tierische Muskeln – egal ob es sich dabei um hypersensible Mimosen oder um ‚robuste‘ Radieschen handelt.
WILL NOT BE SHOWN IN THE FINAL DESIGN
Apropos ununterbrochene Reizung: Genau dieser ist heute die gesamte Pflanzenwelt durch die Mikrowellenstrahlung ausgesetzt, wie sie zigtausende Mobilfunktürme Tag und Nacht aussenden. Kein Wunder, daß unsere Bäume und Getreide, die Früchte und Gemüse „müde“ werden, weniger Lebenskraft zeigen und damit weniger Nährstoffe, und so den ebenfalls immer müder werdenden Menschen immer weniger nähren. Wir schaufeln uns langsam aber sicher die Grube, in die wir einst fallen werden – doch Hauptsache, wir können uns dann in der Grube noch per Handy verabschieden…
Ebenso berühmt wie Dr. Bose war Luther Burbank (1849-1926), der berühmteste Pflanzenzüchter Amerikas. Zu seiner Zeit war er unglaublich populär. Er galt als „Zauberer“ im Bereich der Pflanzen. Viele berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit, wie etwa Thomas Edison, besuchten ihn und seine Farm. Noch heute bedeutet das Verb „to burbank“ soviel wie Verändern und Verbessern von Pflanzen. Und die Kartoffelsorte „Burbank“ ist immer noch die wichtigste Kartoffel auf dem US-Markt.
Helen Keller, selbst blind und taub, schrieb nach einem Besuch bei Burbank in einer Zeitschrift: „Er besitzt die seltenste aller Gaben: den aufnahmebereiten, offenen Geist eines Kindes. Allein ein weises Kind vermag die Sprache der Blumen und Bäume zu verstehen.“
Apropos Kinder: Auch sie brauchen Liebe, um schön zu wachsen und zu gedeihen. Werden sie von ihren Eltern vernachlässigt, wachsen sie zu müden, traurigen, liebesunfähigen Erwachsenen heran. Kerstin Götze ist vierfache Mutter und lebt in der ehemaligen DDR. Wie es Brauch war damals, wurde auch sie als kleines Kind in den Kinderhort abgegeben. Sie erlebte es als Trauma und reagierte entsprechend: mit sehr schweren Lungenentzündungen. Dann, als eine den Punkt erreicht hatte, wo ihr Überleben fraglich war, beschlossen ihre Eltern, mit der Kinderkrippe aufzuhören. Wohlverstanden, Kerstin hatte im ganzen nur einige Monate im Hort verbracht. „Wenn meine Mutter mich morgens abgab und ging, hatte ich das Gefühl, ich falle ins Bodenlose. Es ist so eine Existenzangst, daß ich heute weiß, wie wohl Todesangst sein muß.“ Dabei war sie nur fünf oder sechs Tage in der Woche in der Krippe, erzählt sie Daniela Niederberger von der Schweizer Weltwoche. „Das war noch gut. Normalerweise wurden die Kinder in der DDR-Zeit früh um sechs abgegeben und abends um fünf geholt. Die nächste Stufe war die Wochenkrippe für Schichtarbeiter und Künstler. Da waren die Kinder nur am Wochenende zu Hause. Ich sprach mit Erzieherinnen, die da gearbeitet haben und den Job aufgeben mußten, weil sie es nicht ertrugen. Die Kinder schrien die ersten drei Tage und lagen dann nur noch apathisch da.“
Ihre Seelen verdorrten gleichsam wie Pflanzen, denen man das Wasser vorenthält. „Nach der zweiten oder dritten Krippengeneration“, faßt Kerstin Götze zusammen, funktioniere das Herz „tendenziell nicht mehr.“ Die Menschen haben das Gefühl für das Lieben, das Zusammengehören, das Füreinander-verantwortlich-Sein verloren. Da gibt es Mütter, erzählt sie, die ihre kranken Kinder in die Krippe abschieben, weil sie sagen, sie würden das Gequengel nicht den ganzen Tag ertragen. Arbeitslose Frauen, die, obwohl sie den ganzen Tag zu Hause sind, ihr Kind den vollen Tag in der Krippe lassen. „Sie fühlen sich nicht gerufen, ihm ein Mittagessen zu kochen. Nein, das Kind kann ich nicht den ganzen Nachmittag ertragen!“
Diese Ungeborgenheit führt zu allgemeiner Gefühlsarmut und -kälte, sagt Kerstin Götze. „Eine junge Frau, die zu mir in die Stillgruppe kommt, sagt von sich, daß sie Schwierigkeiten hat, etwas zu empfinden. Durch Therapien lernt sie, ihre Gefühle wahrzunehmen. Sie war als Kind immer in Krippen und hatte später große Beziehungsschwierigkeiten. Mittlerweile hat sie ein Kind und tastet sich zäh in eine liebende Mütterlichkeit hinein.“ Sie glaubt auch, daß die großen Probleme Ostdeutschlands mit Alkohol und Drogen ursächlich mit diesem Liebesmangel zusammenhängen. „Die Basis aller seelischen und geistigen Fähigkeiten wird in den ersten drei Jahren gelegt. In dieser Zeit wird das Gehirn entwickelt. Das Gehirn eines Neugeborenen kann mit einem Rosenbusch verglichen werden. Die geschlossenen Rosenknospen sind die Synapsen. Wenn der Rosenbusch keine optimalen Entfaltungsbedingungen hat, verkümmern die Synapsen, das heißt, die Knospen gehen nicht auf. Kinder, die nicht gestillt wurden und die zu wenig gut gebunden sind, haben später eher Suchtprobleme, aber auch Verhaltensprobleme und Lernschwierigkeiten, es fehlt eher die Anstrengungsbereitschaft.“
Kerstin Götze hat die Konsequenz daraus gezogen und ist vollberuflich erziehende Mutter. Dennoch fallen ihre Kinder in der Schule auf. Die Lehrer sagen, so ausgeglichene, selbständige und konzentriert arbeitende Kinder wie die ihren, das gäbe es nur noch selten.
„Wir haben einen Liebesnotstand noch viel mehr als einen Arbeitslosennotstand“, sagt sie.
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