Joytopia: Wo Geld horten dumm ist

Geld, das in einem Jahr die Hälfte seines Wertes verliert und freigiebig vom Staat an seine Bürger verschenkt wird, könnte uns eine natürliche Ökonomie ohne Steuern, Versicherungen, Sozialabgaben und Armut bescheren. Wie, erklärt uns ein Bewohner des fiktiven Planeten Freegaia.

Neulich hatte ich einen Traum, besser gesagt einen Tagtraum. Ich ging allein im Wald spazieren und erfreute mich an der Natur. Auf einmal bemerkte ich, wie jemand leichten Fußes neben mir einherschritt. Er war etwa zwei Meter groß, von dunkler Hautfarbe und hatte einen athletischen Körperbau. Bekleidet war er mit einer Art goldfarbenen Jogging-Anzug. Obwohl er aussah wie ein Mensch, schien er nicht von dieser Welt zu sein. Er hatte ein so freudiges, ja fast schon lustiges Strahlen in seinem Gesicht, das man auf unserer Erde nur sehr selten findet. Als ich ihn ansah, mußte ich spontan lachen. Es war ein herzhaftes, fröhliches Lachen, pure Freude über den Anblick dieses freundlichen Begleiters.

Geld, das in einem Jahr die Hälfte seines Wertes verliert und freigiebig vom Staat an seine Bürger verschenkt wird, könnte uns eine natürliche Ökonomie ohne Steuern, Versicherungen, Sozialabgaben und Armut bescheren.

Geld, das in einem Jahr die Hälfte seines Wertes verliert und freigiebig vom Staat an seine Bürger verschenkt wird, könnte uns eine natürliche Ökonomie ohne Steuern, Versicherungen, Sozialabgaben und Armut bescheren.

"Entschuldigen Sie bitte, ich wollte Sie nicht auslachen", erklärte ich, als ich mich wieder gefangen hatte. "Ich bin nur überrascht von Ihrem plötzlichen Erscheinen."

"Das geht vielen so auf diesem Planeten", erwiderte er freundlich. "Die meisten Erdenbürger reagieren so wie Sie, nur einige wenige laufen erschreckt davon oder werden aggressiv." "Dann sind Sie nicht von hier?" fragte ich verunsichert. "Ich komme von Joytopia, einem Staat auf dem Planeten Freegaia am Rande der Galaxis. Durch einen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum bin ich hierhingelangt. Mein Name ist Goodfriend, Very Goodfriend." "Wie haben Sie so schnell unsere Sprache gelernt?" Wir telepathieren gerade miteinander. Wir senden uns unsere Gedanken und unser Gehirn übersetzt sie in unsere Sprache. Das funktioniert genauso mit Bildern, Tönen, Gerüchen und Gefühlen. Sehen Sie....

Ich sah gar nichts! Er war verschwunden. Verwundert und tiefbewegt ging ich weiter. Hatte ich mir das eben nur eingebildet? Sollte ich vielleicht mal zum Arzt gehen? Am Besten ich erzähle niemanden etwas und vergesse diesen Vorfall so schnell wie möglich.

Ich habe Ihnen etwas mitgebracht, ein Geschenk!, hörte ich Very sagen. "Wo waren Sie denn so plötzlich?" Ich war kurz zu Hause um etwas für Sie zu holen. "Dauert so etwas nicht Jahre? Ich meine die höchste erreichbare Geschwindigkeit...." Wir reisen in Gedanken. Gedanken sind bekanntlich frei. Raum- und Zeitgrenzen gibt es nur, wenn man sie vorher erdacht hat. Wir hatten uns früher auch viele Grenzen ausgedacht. Unser begrenztes Denken hatte unseren Planeten etwa so geformt, wie ihr jetzt euren Planeten formt. Versuche es selbst-er war inzwischen zum Du übergegangen - du siehst mich, weil du denkst, daß du mich siehst.

Während er das sagte, kam uns ein Radfahrer entgegen. Er grüßte knapp und fuhr mitten durch Very durch. Verstehst du jetzt?, fragte Very."Ja." Ich habe dir etwas mitgebracht, einen Gedanken. "Was für einen Gedanken?" Der Gedanke, daß alles möglich ist, was du dir vorstellen kannst. Alles, was du denken kannst, wird Realität! Alles, was du dir wünschst, wird eintreten, wenn du dir es vorstellen kannst. „Dann wünsche ich mir 10 Millionen Mark!" Gut. "Wie? Gut? Das soll funktionieren? Das kann ich mir nicht vorstellen!" Eben! Ich war beschämt.

Andere konnten sich das vorstellen und sind Millionäre geworden. Aber vielleicht ist es ja gar nicht dein Wunsch, Millionär zu werden. Was wünschst du dir denn am sehnlichsten? "Am liebsten wäre es mir, wenn alle Menschen reich wären und jeder das machen könnte, was ihm am Herzen liegt, ohne anderen Menschen oder der Natur dabei zu schaden." Ich schlage Dir eine Reise vor. Auf unserem Planeten Freegaia haben wir dieses Ziel bereits erreicht. Du brauchst es dir nur abzuschauen und auf der Erde zu verbreiten. Das ist unser Geschenk an euch Menschen. "Wie kann ich denn durch das Raum-Zeit-Dingsbums..." Stell es dir einfach vor, ich begleite dich.

Es war eigenartig. Es schien mir, als ob ich an zwei Orten gleichzeitig war: Während ein Teil von mir weiterhin im Wald spazieren ging, flog der andere mit Very durchs Universum.

Freegaia

Wir näherten uns einem Sonnensystem und bald schon schwebte sie vor uns: Freegaia, ein wunderschöner blauer Planet, ganz ähnlich unserer Erde. Sanft tauchten wir in die Atmosphäre ein und landeten mitten in einem wunderschönen Park, ähnlich einem riesigen englischen Garten. Unbeschreiblich schöner Duft wurde von den Pflanzen ausgeströmt. Ab und zu glitt fast lautlos ein kleines Luftfahrzeug über unsere Köpfe. Doch da: Inmitten der Pflanzen standen Häuser. Sie sahen nicht aus wie unsere Häuser, sie fügten sich so in die Natur ein, daß man sie von weitem gar nicht als Häuser erkannte. Die Menschen, die uns begegneten, grüßten alle freundlich. Sie schienen glücklich zu sein. Mensch und Natur lebten in Harmonie zusammen.

"Wie habt ihr das alles so hingekriegt? Kannst du mir etwas über eure Technologie sagen?" Technologie war noch nie ein Problem, sagte Very, das Problem, das es zu lösen galt, lag im Denken der Bewohner und in der Wirtschaft. Durch Mangeldenken hatten unsere Vorfahren sich ein Wirtschaftssystemerdacht, das von Konkurrenzkampf geprägt war. Inzwischen ist unser Zusammenleben und damit unsere Wirtschaft geprägt von Überfluß, Reichtum und Liebe zur Natur und allem was existiert.

Very gab mir einen kurzen Abriß über die Geschichte auf seinem Planeten. Vor geraumer Zeit hatten sich einige raubende, mordende Fleischfresser (Ramofl) immer mehr an die Macht gebracht, in dem sie Kraft ihrer kriegerischen Überlegenheit schwächere Menschen ermordet und ihrer Lebensgrundlage beraubt hatten.

Damit sich die Ramofl nicht selbst auffraßen, wurden mächtige Gesetzesbücher geschrieben, in denen jegliche Kleinigkeit geregelt wurde. Denn Verstand und Ethik der Ramofl reichten für ein friedliches Miteinander nicht aus. In diesen Gesetzesbüchern standen aber auch so sinnvolle Anweisungen, wie 'Du sollst nicht töten'. Das mußte den Ramofl ausdrücklich gesagt werden!

Während den Raubzügen der Ramofl wurden diese Gesetze entweder außer Kraft gesetzt, oder man definierte die Gegner als 'Wilde', die es zu missionieren oder auszurotten galt. Nach den Raubzügen führten dann 'humanistische' Ramofl gleiches Ramofl-Gesetz für alle ein. Damit wurde Stabilität erzeugt und die neuen Machtverhältnisse einzementiert.

Die Hauptillusion der Ramofl war das Mangeldenken. Es war scheinbar nicht genug für alle da. Ihre Lieblingsbeschäftigung war deshalb der Kampf bzw. Konkurrenzkampf. Es mußte Sieger und Verlierer geben.

Da Töten verboten war und die meisten Wilden sowieso schon ermordet oder missioniert waren, verlagerten ehrgeizige Ramofl ihre Aktivitäten auf andere Gebiete, nämlich Wirtschaft, Sport und Spiel. In Sport und Spiel konnten sie auf relativ ungefährliche Weise ihren Konkurrenzkampf ausleben. In der Wirtschaft hingegen führte der Ramoflismus zu immer mehr sozialer Ungerechtigkeit. Die Kluft zwischen Armen und Reichen wurde immer größer.

Auf Freegaia gab es immer schon Leute, die die Natur beobachteten und ihre Gesetze zu ergründen suchten. In früheren Zeiten hatte man sie als Ketzer verbrannt. Als sich aber später ihre Erkenntnisse militärisch nutzen ließen, wurden sie zu Wissenschaftlern ernannt. Naturbeobachter, die keine militärisch nutzbaren Entdeckungen brachten, nannte man Scharlatane und gab sie der Lächerlichkeit preis.

Mit der Zeit wurde das Klima liberaler und immer mehr Staaten konvertierten zu Demokratien. Kurz vor dem Neuen Zeitalter begannen sich die Beobachtungen der Wissenschaftler und der Scharlatane immer mehr miteinander zu decken. Man fand Entsprechungen zwischen den Naturwissenschaften, der Philosophie und den Religionen und begann sie auf Politik und Wirtschaftslehre zu übertragen.

Man verglich die Wirtschaft mit der Natur: Die Natur produziert Nahrung aus sich selbst heraus und schenkt sie ihren Lebewesen. Wenn die Natur in Ordnung ist, herrscht Überfluß; es ist mehr Nahrung da, als gebraucht wird. Die Nahrung ist verderblich und kann nur eine bestimmte Zeit gelagert werden. Außerdem kennt die Natur keine Zinswirtschaft. Deshalb kommen Pflanzen und Tiere nicht auf die Idee, mehr zu horten, als sie brauchen. Dadurch gibt es keine 'reichen' und 'armen' Tiere oder Pflanzen.

Und noch etwas: Ob und wie hart Tiere für ihre Nahrung arbeiten, ist von Lebensform zu Lebensform sehr verschieden. Jedes freilebende Tier verhält sich seinem Wesen entsprechend. Will man ein Tier in Gefangenschaft zur Arbeit bringen, muß man es ständig dazu antreiben. Kein Tier würde für ein 'Recht auf Arbeit' kämpfen.

Die natürliche Ökonomie

Die Nahrung in der Wirtschaft ist das Geld. In der damaligen Zeit schenkte der Staat seinen Bürgern noch kein Geld. Im Gegenteil, erforderte sogar noch Steuern von ihnen. Es herrschte kein Überfluß an Geld, sondern der Mangel war so groß, daß sich die Staaten jedes Jahr aufs Neue verschulden mußten. Man achtete peinlich auf die Stabilität des Geldes, damit es seinen Wert auch noch nach langen Zeiträumen behielt. Es gab Zinswirtschaft, folglich wurden sowohl die Guthaben als auch die Schulden immer höher. Die Bürger setzten alles daran, Geld zu horten und anzuhäufen. Die Reichen wurden immer reicher und die Armen wurden immer ärmer.

Und was die Arbeit betraf: Die meisten Bürger verrichteten ähnliche Arbeiten, die selten ihrem Wesen entsprachen. Obwohl sie diese wesensfremden Arbeiten nicht gerne taten, hatten sie sich das Recht auf Arbeit zuvor hart erkämpft. Trotz dieses Rechtes waren große Teile der Weltbevölkerung arbeitslos. Auf der anderen Seite herrschte ein Überfluß an Waren und Dienstleistungsangeboten.