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Herr Schönenberg, einer Ihrer Leitsätze lautet: ‚Du hast genau den Körper, den du für dieses Leben brauchst.‘ Was soll man darunter verstehen?
Schönenberg: Ein Körper sollte so wachsen, dass er ein gutes Medium wird für das, was man innerlich auszudrücken hat. Dies würde jedoch voraussetzen, dass ein Kind ideale Bedingungen vorfindet, dass die Eltern in idealer Weise mit dem Kind umgehen und es ideal aufwachsen kann, sodass der Körper auch in all seinen Fähigkeiten und Talenten gefördert wird und damit ein gutes Werkzeug.
Doch wo soll man schon solch ideale Bedingungen und Eltern finden? Daher bekommen wir zwar einerseits den Körper, den wir brauchen, um das,was wir geistig weiterentwickeln wollen, auch tun zu können. Andererseits geht der Körper durch frühkindliche Erfahrungen, Traumata, falsche Erziehung und den Reifungsprozess selbst immer wieder durch verschiedene Stadien. Der Körper ist wohl richtig angelegt für die Lebensaufgabe, aber vermutlich nicht ganz funktionstüchtig.
Was sagt Ihnen ein Körper, wenn Sie ihn sehen?
Ich sag‘s mal andersherum. Ein feingliedriger Typ ist wie ein Lamborghini: Er fährt super, ist schön gepflegt, aber sowie du über ein paar Steinchen fährst, musst du wieder zur Inspektion und die Spur neu einstellen lassen. Hast du aber einen Jeep, dann fährst du mit ihm über den Bürgersteig und die Wiese rauf und runter, hast auch entsprechend breite Reifen. Dies ist natürlich stark vereinfacht. Ich habe die verschiedenen Körpertypen in meiner Arbeit unterschieden und auch, welche Qualitäten das höhere Selbst durch sie ausdrücken will. Im Leben geht es darum, was man lernen soll, um die Liebe entweder zu erweitern oder um überhaupt zu ihr hinzugelangen. Unter welchen Umständen dies gelernt wird, das ist im Körper angelegt.
Nehmen wir an, jemand braucht gar nichts mehr zu lernen, sondern kommt, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Ist er sehr sensitiv, wird er einen Körper haben, der ihm erlaubt, mit seiner Aufmerksamkeit sehr schnell zu wandern. Wenn jemand eine Aufgabe hat, die Kraft erfordert, und wo er viel Druck aushalten muss, dann wird er einen etwas massigeren Körper haben,der wie eine Pufferzone wirkt zwischen seinem inneren Selbst und den äußeren Anforderungen.
Heute scheinen außerordentlich viele Menschen mit ihrem Körper sehr unglücklich zu sein.
Das ist ein großes Kapitel! Ich will einmal ein paar Punkte zusammenpacken: Je weiter die Aufmerksamkeit nach außen auf das Materielle gerichtet wird, desto größere Bedeutung bekommt natürlich der Körper, weil er dann ja das Symbol für den eigenen Wert ist. Es war schon immer so, dass die Schönheitskultur stark stilbildend ist für das Gesamtempfinden, was eigentlich Schönheit bedeutet.
Alle etwas molligeren Frauen sollten einmal Ferien in Ägypten oder Indien machen:Da würden sie vollkommen dem Schönheitsideal entsprechen.
Genau. Das Schönheitsideal ist von Kultur zu Kultur verschieden geprägt. Ich glaube aber, dass noch etwas anderes dahinter steckt. Stellen Sie sich vor, man könnte den Leuten helfen zu erkennen, dass sie eigentlich ein Bewusstsein sind und nicht ein Körper. Was würde dann passieren? Der Körper würde im Laufe der Zeit erzogen darin, ein gutes Werkzeug zu werden für das Bewusstsein, und nicht der Körper wäre das wichtige, sondern das Bewusstsein. Nur lässt sich mit Bewusstsein kein Geld verdienen. Um zu verdienen, muss der Körper materialisiert werden.
Heute werden Schönheitsideale von Modezeitschriften festgelegt. Da hast du dann diese 13-,14 jährigen schwach belichteten Gören, die stark geschminkt Mode präsentieren. Das hat zur Folge, dass im Laufe der Zeit bei den Frauen einfach fest im Kopf sitzt, dass man so aussehen muss, um dem Schönheitsideal zu entsprechen. Dass man so aussehen muss, um erfolgreich zu sein, um angeguckt zu werden, und um einen Mann zu bekommen. Das Bewusstsein dieser Frauen wird also auf den Körper gelenkt und darauf, sich abzuhungern, damit sie diesen ‚idealen‘ Körper bekommen. Wenn aber das Bewusstsein so eingeschränkt wird und mit Hunger gequält, um eine ‚schöne‘ materielle Form hervorzubringen, dann kann der innere Funke des Bewusstseins nicht wachsen. Dieses äußere Bewusstsein ist also geradezu gegen das innere Bewusstsein derjenigen gerichtet, die sich entwickeln könnten.
Ich sehe darin eine Art Kastration der Weiblichkeit. Wir kommen in ein weibliches Zeitalter, und die Frauen trachten danach, wie ausgemergelte Knäblein auszusehen – ein Bemühen, das die kraftvoll weiblichen Energien in ihnen vampirisiert. Welchem Typ entsprechen eigentlich solch unnatürlich dünnen Körper?
Ausgemergelt und dünn hat nichts mit einem Körpertyp zu tun. Es ist einfach eine Mangelerscheinung an richtiger Ernährung. Diese abgemagerten,dünnen Dinger sollen ein Schönheitsideal aufrechterhalten, das die Leute bindet.Denn wenn du im Körper eines solchen Mädchen steckst, dann wird dein Bewusstsein sofort davon gefangen, Hunger zu haben und Hunger vermeiden zu müssen. Das verhindert jegliche innere Stabilität. Ohne innere Stabilität wirst du zur manipulierbaren Marionette, einsetzbar für alles mögliche.
WILL NOT BE SHOWN IN THE FINAL DESIGN
ZeitenSchrift Nr. 15Was natürlich auch gewollt ist. Durch solch ein Schönheitsideal können junge Mädchen und Frauen also ihr Bewusstsein nicht entwickeln. Bei Männern gibt es etwas ähnliches. Sie müssen immer gestählt und fit und sportlich sein, um das Ideal von knackiger Gesundheit darzustellen. Diese Männer fühlen sich auch subjektiv gut, weil sie sich bei den Körperübungen eine Menge Sauerstoff ins Gehirn blasen – doch es wird nicht umgesetzt in Bewusstsein. Man findet also meist sehr schöne Menschen, die ihren Körper durch entsprechende Bewegungen so ausgebildet haben, dass die Muskeln gut platziert sind. Ob diese Muskeln und dieser gut ausgebildete Körper aber ein gutes Werkzeug für das Bewusstsein sind, das ist eine andere Frage und stellt sich dann heraus, wenn man mit solchen Leuten spricht.
Wie muss denn ein Körper beschaffen sein, um ein gutes Instrument für das Bewusstsein zu werden?
Er ist an sich von vornherein prima ausgebildet. Er wird nur durch unser Denken im Laufe der Zeit anders. Auch durch unsere Erfahrungen, unseren Umgang mit Schmerz. Es bilden sich Energieblockaden. Wird die Energie gehalten, gestaut? Das gibt Indizien dafür, welche Art von Störungen vorhanden sind. Sowohl der intakte wie der ‚gestörte‘ Körper sind gute Werkzeuge für uns, denn wir lernen durch ihn, was wir eigentlich wollen und lernen, das auch wirklich zu tun. Eine Störung ruft das, was wir wollen, einfach auf unangenehme Weise in Erinnerung – bis wir uns schließlich dazu bekennen.
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