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Das berühmteste der zahlreichen griechischen Orakel aber war und ist jenes von Delphi. Delphi lag genau in der Mitte des damaligen Griechenland, das von Sizilien bis Kleinasien reichte, und hatte den Namen des ‚Nabels der Welt‘ verliehen bekommen. Seine Tempel wurden erst Ende des letzten Jahrhunderts wieder ausgegraben, doch bis heute weiß die Wissenschaft nicht, wo sich der Dreisitz der berühmten ‚Pythia‘, der Orakelpriesterin befunden hatte.
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Doch gehen wir zurück an jenen heißen Nachmittag, an dem erstmals ein harmloser Hirte die später so berühmt gewordene Orakelstätte entdeckte. Einige Schäfer weideten ihre Herde am Südwesthang des Berges Parnass. Auf einmal begannen einige Ziegen wilde Possen zu reißen – als ob sie tanzen würden, und gaben höchst seltsame Laute von sich. Einer der Hirten begab sich an die Stelle, an der eine Kluft tief in die Erde schnitt. Nun begann auch er wild zu tanzen, stieß unartikulierte Laute aus und sagte kommende Ereignisse voraus. Als andere sich der Kluft näherten, geschah dasselbe mit ihnen. Verantwortlich dafür sollen giftige Dämpfe gewesen sein, die aus der Kluft emporstiegen, und die der Legende nach von einer furchterregenden Python-Schlange herrühren sollten, die Apollo nach einem langen Kampf getötet hatte. Ihren toten Körper hatte der ‚Sohn der Sonne‘ in jene spätere Orakel-Spalte hinuntergeworfen. So geht auch eine der Deutungen für den Namen ‚Delphi‘, ‚Schoß‘, vom Wort ‚delphos‘ auf diesen Schlitz im Schoß der Erde zurück.
Mit der Zeit sprach sich das wundersame Geschehen um die Kluft herum, und viele Menschen eilten herbei, um mit Hilfe der Dämpfe die Zukunft erkennen zu können. Manche trieben sie an den Rand des Deliriums, und einige wurden so toll, dass sie einfach in die Spalte hinuntersprangen und starben. Man fand es daher angebracht, die Kluft vor den Menschen oder die Menschen vor der Kluft zu schützen und baute eine Mauer. Da man auf die Segen der Prophetie aber nicht verzichten mochte, begann man, Jungfrauen als Mittlerinnen zwischen dem Orakel und den Menschen einzusetzen – die ‚Pythia‘ war geboren, die Orakelpriesterin von Delphi, benannt nach der mythischen Python-Schlange im Untergrund.
Während etwa neunhundert Jahren sollte das delphische Orakel das Bedeutendste des Altertums sein, und gut siebenhundert Jahre lang war es auch rein. Krösus, König der Lydier, der so steinreich war, dass sein Name heute noch als Synonym für Reichtum gilt, tat fast keinen Schritt, ohne irgend eines der Orakel zu befragen. Zwar war keines gratis, doch das war für ihn natürlich kein Hindernis. Und weil die Orakel nicht immer übereinstimmende Antworten gegeben hatten, und er vor der Qual der richtigen Wahl stand, schickte er im Jahre 550 v. Chr. Seine Abgesandten zu allen großen Orakeln des Altertums aus; sieben an der Zahl. Sie sollten die jeweiligen Orakel befragen, was genau er, Krösus, am einhundertsten Tage nach Abreise seiner Abgesandten tue. Unnötig zu sagen, dass Krösus sich bemühte, etwas sehr Unkönigliches zu tun, denn es sollte beim Orakelspruch jede zufällige Übereinstimmung ausgeschlossen werden.
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