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Die Leser wundert’s. Ein Manfred Zöberer aus Berlin schreibt dem Stern: „Habt Ihr eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Zuerst habt Ihr eifrig an Kohls Stuhl gesägt, nun wird schon an Schröders Stuhl weitergesägt, bevor er diesen unterm Hintern hat. Nicht einmal die bekannte Schamfrist von 100 Tagen wird ihm zugestanden.“
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Der Ober-Watschenmann heißt Oskar Lafontaine. Europaweit wird er nun schon medial geohrfeigt, nach dem Motto – ‚immer feste druff‘, und mal schauen, wie viele Runden es noch braucht bis zum k.o. Lafontaine ist schon angeschlagen, hat geklagt, laut Stern: „Vieles ist in letzter Zeit gewispert worden, was mich sehr gekränkt hat.“ Das war noch vor dem Stern-Artikel vom Oktober, in dem er als ‚unverstandene Unschuld vom Saarland‘, ‚Macht-Macho von der Saar‘, ‚Ayatollah von der Saar‘, ‚Dominator, der kaum diskursfähig ist, weil er sowieso alles besser weiß‘, und als der ‚geborene Alleinherrscher‘ mit der ‚Hofhaltung des Sonnenkönigs‘ tituliert wurde. Und dies in einem SPD-nahen Blatt, wohlverstanden!
Lafontaine mag Machtmensch sein. Ich kann nicht behaupten, dass er mir je besonders sympathisch war. Doch wenn sosehr auf jemanden eingedroschen wird, werde ich skeptisch. Wem passt nicht, was der Mann will? Was tut er, dass sogar englische Zeitungen ihn als den ‚gefährlichsten Mann Europas‘ beschimpfen müssen, in seitengrossen Lettern auf der Frontpage? Rupert Murdoch’s Zeitung The Sun schoss dabei den Vogel ab. Nachdem sie die Frage ‚Ist dies der gefährlichste Mann Europas‘ nach dem Titelauftritt im Innern der Boulevardzeitung auch noch in Deutsch publiziert hatte, legte sie mit einer späteren Ausgabe noch einen zu: „Hör ganz genau zu, Herr Lafontaine, denn wir werden dies nur einmal sagen: Foxtrot Oskar“ – die Buchstaben F – O waren rot gedruckt. Jeder Engländer erkennt sie als ‚Fuck off‘ – vornehm ausgedrückt ‚Verpiss dich‘.
Den ersten kolossalen Fehltritt, den Lafontaine sich in den Augen der Medien geleistet hat, war sein Versuch, die Bundesbanker zu bewegen, die Zinsen zu senken – zwecks Ankurbelung von Wirtschaftslage und Arbeitsmarkt. „Die Politik der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank darf nicht sakrosankt“ sein, sondern müsse „einer gewissen Kontrolle unterworfen werden“ hatte Lafontaines Ehefrau, die Ökonomin Christa Müller (vom Stern als ‚kühle Hellblonde‘ bezeichnet – wie war das doch mit den Blondinenwitzen?) geäußert. In einer Fernsehshow!
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