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Selbst in unserer aufgeklärten, rationalen Zeit sprechen wir noch vom Wunder der Geburt. Wirft man jedoch einen Blick in die „Kranken Häuser“, sieht man mit Entsetzen statt eines Wunders Bilder des Schreckens: Angst, Schmerz, Verkrampfung, Frauen, die verkabelt auf dem Rücken liegend, laut schreiend, unter Beobachtung mehrerer – meist fremder – Menschen in einer kalten, unpersönlichen Umgebung versuchen, ein Menschenkind aus ihrem Körper zu pressen, oder es gerne auch herausgeschnitten bekommen. Nicht selten gehen Mutter und Kind traumatisiert aus diesem Erlebnis hervor.
Ich möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen weitergeben und mit dem folgenden Artikel aufzeigen, dass es auch anders geht. Dass man zu recht vom Wunder des Lebens und vom Wunder der Geburt sprechen kann, auch wenn man in unserer westlichen Welt erst ein bisschen nachhelfen muss, um dieses Wunder auch als etwas Wunderbares erfahren zu können. Ich selbst habe ab dem Tag, an dem meine erste Schwangerschaft diagnostiziert wurde, alles in Bewegung gesetzt, um mich einer schulmedizinisch überwachten und hochtechnisierten Schwangerschaft und Geburt zu entziehen. Ich habe mich auf die Suche nach der Weisheit der Frauen gemacht, die seit Jahrtausenden Kinder gebären, ohne medizinische Intervention, ohne technische Überwachung, ohne das Bewusstsein, wie „gefährlich und risikoreich“ Schwangerschaft und Geburt sind. Doch lesen Sie zunächst meine Geschichte, die Sie vielleicht inspiriert, selbst dem wohl größten Wunder der Welt alle Ehre zu erweisen:
Während einer Meditation im August 2003 sah ich mich plötzlich mit einem Kind auf dem Arm. Ich hörte, dass sein himmlischer Name Aleria – das bedeutete Licht und Freude – war, und dass es zu uns kommen möchte. Auch mein Mann sah dieses Kind und fühlte sich mit ihm sehr verbunden. Große Freude durchflutete mich, eine leise Hoffnung keimte auf, dass sich mein größter Wunsch wohl doch noch erfüllen würde. Doch meine Zweifel waren sehr laut, lauter als die Worte der Engel, die mir wiederholt sagten, dass ich eine Tochter bekommen würde.
Das erste Wunder: Die Diagnose
So vergingen die Monate; mein Zyklus war nach wie vor sehr unregelmäßig. Im Januar 2004 fühlte ich mich oft unwohl, empfand abends Übelkeit, war müde und antriebslos, zudem fühlte sich mein Leib aufgetrieben an, alles Symptome, die ich während der Hormonbehandlung auch kennen gelernt hatte. An eine Schwangerschaft dachte ich nicht im Entferntesten. Auch nicht, als ich von einigen Bekannten darauf angesprochen wurde… Meine Symptome waren für mich alle erklärbar, ich nahm nicht an Gewicht zu, selbst meine Kleidung passte noch. Die Diagnose über meine Unfruchtbarkeit war in mein Gehirn wie eingebrannt. Ende Juni begab ich mich widerstrebend doch zum Arzt, weil mein Bauch so „aufgebläht“ war. Am Ultraschallgerät konnte man deutlich ein Kind erkennen, aufgrund der Größe des Babys war ich in der 31. Woche schwanger. In meinem Kopf hämmerte der Satz des Arztes: „Sie sind schwanger!“ Mein Verstand ließ diese Aussage gar nicht zu mir durchdringen, er war überfordert. Ich hatte noch 9 Wochen Zeit, um mich aufs Muttersein und die Geburt vorzubereiten!
WILL NOT BE SHOWN IN THE FINAL DESIGN
Die Hebammen halfen mir mit liebevollen Gesprächen und Übungen dabei, eine Verbindung zu dem Kind in meinem Bauch herzustellen und ohne Angst der Geburt entgegen zu sehen. Sie unterstützten mich körperlich wie auch emotional durch Homöopathie, Akupunktur und Cranio-Sacral-Therapie. Mit diesen Methoden kann der Körper gut auf die Geburt vorbereitet werden: Anspannungen und Blockaden im Beckenbereich, die das richtige Einstellen des Kindes im Becken und auch die Geburt selbst erschweren können, werden damit sanft behoben. Ich erfuhr von traditionellen, einfachen Verfahren, wie z.B. der Damm-Massage, dem Heublumen-Dampfbad oder Teemischungen, die die Schwangere selbst zuhause durchführen kann, um den Muttermund sowie den Beckenboden weich und geschmeidig zu machen und somit die Geburt schon im Vorfeld positiv zu beeinflussen. Die Hebammen empfahlen mir, einen möglichst detaillierten, positiv formulierten Wunschzettel für die Geburt zu schreiben, also z.B. „Ich möchte kraftvolle Wehen erleben, die ich mit Leichtigkeit durch mich hindurch fließen lasse.“ , „Der Muttermund öffnet sich mit jeder Wehe.“ , „Ich erlebe jede Wehe mit Freude und Dankbarkeit“ oder „Das Baby und ich sind gesund und entspannt“. Darüber hinaus kann man auch den Ort der Entbindung, die Art der Entbindung sowie die Personen, die dabei sein sollen, mit aufführen.
Dieser Wunschzettel ist eine äußerst wirkungsvolle Möglichkeit, den Weg zu einer selbstbestimmten, wunderbaren Geburtserfahrung zu bereiten. Die Schwangere nutzt aktiv die Kraft ihrer Gedanken und übernimmt damit die Verantwortung für sich und für ihr Geburtserlebnis, anstatt Ärzten, Gerätschaften und Klinikalltag den Verlauf der Geburt zu überlassen. Eine der Hebammen, Monika Wollenberg, erzählte mir schließlich bei einem Treffen vom Wehensingen, das zu einem Schlüsselerlebnis für mich werden sollte. Das Wehensingen hat der französische Frauenarzt Frédérick Leboyer aus Indien nach Europa gebracht. Die Vokale A, E, O, I, U werden entweder in dieser Reihenfolge oder individuell nach den Bedürfnissen der Gebärenden in einer bestimmten Melodie während der Wehen gesungen. Jedem Vokal kommt dabei eine Bedeutung und auch Funktion zu (lesen Sie hierzu den folgenden Artikel). Während des Geburtsvorbereitungskurses erlebte ich –angeleitet von Monika –zum ersten Mal die Wirkung des Wehensingens. Nach diesem Abend war ich voller Energie, Freude, Zuversicht, Kraft und Dankbarkeit über das, was ich da eben erfahren hatte und das, was ich in naher Zukunft zum ersten Mal erleben durfte: die Geburt meines Kindes.
Das zweite Wunder: Die Geburt
Für mich war dies der Beweis, dass eine Frau nicht leiden und unerträgliche Schmerzen empfinden muss. Es kommt ganz auf die eigene Vorbereitung und vor allem die Umgebung und Betreuung während der Geburt an. Die Nabelschnur wurde erst durchtrennt, nachdem sie auspulsiert hatte. Ich verließ nach ca. 30 Minuten die Wanne, um von den Hebammen in einem gemütlichen Raum mit einem großen Bett versorgt zu werden. Mein Mann hielt unsere Tochter Angela, wir nannten sie „Engel“, weil sie ein Geschenk des Himmels für uns war, während der ganzen Zeit im Arm. Schließlich verließen die beiden Hebammen das Zimmer, damit wir drei ungestört waren. Angela wurde erst kurz bevor wir das Geburtshaus verließen, um nach Hause zu fahren, gemessen, gewogen und angezogen und mir gleich wieder in die Arme gelegt. Das anschließende Wochenbett verbrachte ich zuhause, die Hebammen besuchten mich täglich und unterstützen den Heilungs-, Rückbildungs- und Milchbildungsprozess mit verschiedenen naturheilkundlichen Methoden.
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