Die Schilddrüse ganzheitlich unterstützen

Gibt es bei Schilddrüsenunterfunktion tatsächlich keine Alternative zur täglichen Einnahme von L-Thyroxin?

In den letzten Jahren haben die ärztlichen Verschreibungen für das künstliche Schilddrüsenhormon hierzulande um ein Drittel zugenommen – oft unnötig.

Bei fünf bis zehn Prozent der Weltbevölkerung liegt eine Hypothyreose vor, eine Unterfunktion der schmetterlingsförmigen Schilddrüse im Hals. Unzählige Menschen nehmen deshalb täglich das synthetisch hergestellte Hormon L-Thyroxin ein – ein Leben lang. Dieses Medikament ist für viele ein wahrer Segen; dank ihm haben sie wieder Energie, statt völlig ermattet in den Seilen zu hängen, zuzunehmen, wenn sie ein Stück Kuchen auch nur ansehen, oder Wasser im Körper einzulagern. Doch das gilt nicht für alle. Die Schulmedizin fokussiert sich bei der Behandlung von Unterfunktion ausschließlich auf diesen Wirkstoff, und jene Patienten, die darauf nicht ansprechen, bleiben auf der Strecke. Heilpraktiker Michael Achilles behandelt in seiner Fachpraxis seit zehn Jahren täglich rund 20 Patienten mit Unterfunktion, Entzündung oder Knoten. Seine Erfahrungen hat er in seinem zweiten Buch zum Thema dargestellt.1

Das Fazit: L-Thyroxin ist nicht alternativlos. Für mindestens ein Viertel der (überwiegend weiblichen) Patientinnen mit Unterfunktion2 ist es nicht das Richtige. In vielen Fällen wäre ihre Schilddrüse auch ohne Unterstützung in der Lage, gut zu funktionieren, hat aber durch die permanente externe Gabe die Arbeit eingestellt. Oder sie leiden trotz Einnahme an Gewichtszunahme, chronischer Erschöpfung, Schlafstörungen, Haarausfall, Verstopfung, „Gehirnnebel“ oder depressiver Verstimmung. Dabei hat das Präparat auch Nebenwirkungen: Eine Studie von 2024 hat erkannt, dass die tägliche Gabe von L-Thyroxin für einen erhöhten Knochenschwund bei vor allem älteren Patientinnen verantwortlich ist. Und eine falsche Dosierung erhöht das kardiovaskuläre Sterblichkeitsrisiko bei älteren Menschen.

Doch die Ärzteschaft betrachtet oft nur den TSH-Wert im Blut und verordnet bei Abweichungen reflexhaft das Hormon, ohne nach möglichen anderen Ursachen zu schauen. Dabei fühlen sich viele Patienten trotz optimaler Laborwerte weiterhin nicht wirklich gesund. Wie wäre es mit einem ganzheitlichen Ansatz? Achilles stellt in seinem Buch, das er als „Leitfaden für die Einschätzung der eigenen Lage“ bezeichnet, die Fragen, ob man L-Thyroxin überhaupt nehmen muss oder absetzen kann, ob man richtig eingestellt ist oder vielleicht mit einem organischen Präparat besser bedient wäre.

Die Schilddrüse

„Die Schilddrüse ist zu komplex, um sie bis ins letzte Detail zu erfassen“, stellt Achilles fest. Das kleine, schmetterlingsförmige Organ – oder gar nur einen der Werte, mit dem seine Arbeit abgebildet wird – isoliert zu betrachten, wird ihm nicht gerecht. Als Teil eines ausgeklügelten Steuerungssystems, dem sogenannten hormonellen Regelkreis, reguliert die Schilddrüse den Stoffwechsel und hat damit großen Einfluss auf das Wohlbefinden. Ihre Impulse bekommt sie von der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse. Diese stellt, zusammen mit dem Hypothalamus, jenen Teil des Gehirns dar, der die hormonproduzierenden Drüsen unseres Körpers überwacht. Botenstoff für die Steuerungsfunktionen der Schilddrüse ist das Thyreoida-stimulierende Hormon TSH. Die Hypophyse gibt der Schilddrüse durch TSH zu verstehen, ob die Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) hoch- oder runtergefahren werden soll. Wird jetzt von außen LThyroxin zugeführt, stellt die Drüse ihre Produktion völlig ein. Das ist bekannt, findet in der Therapie aber keine Beachtung – möglicherweise weil sich mit lebenslanger Einnahme Milliarden verdienen lassen?

Quellenangaben