Was das Gemüse uns zu sagen hat!

Manche Menschen sprechen mit dem Gemüse und sind überzeugt, dass es dann üppiger wächst. Wolfgang Weirauch vom Verlag Flensburger Hefte[1] sprach mithilfe von Verena Staël von Holstein mit dem Gemüse – und bekam überraschende Antworten.

Die Kartoffel - eine ganz schön schlaue Knolle!

Gemüse, des Menschen Diener

Gemüse versteht sich als Diener des Menschen. Es will daher tunlichst im Magen und nicht auf der Müllhalde landen.

Wer hätte gedacht, dass die Kartoffel eine Intelligenzbestie ist? Dass das, was da als Pommes, Stock oder Salzkartoffeln vor uns auf dem Teller liegt, einen Einfluss auf die Entwicklung unseres Denkens hatte, seit die Knolle Mitte des 16. Jahrhunderts von den Spaniern aus Südamerika nach Europa gebracht wurde? Da döste Europa noch trunken vor Traum und Mystik vor sich hin; die Vernunft lag unerweckt begraben unter Aberglauben, Fanatismus und Dumpfheit. Doch wenn sich Europa entwickeln und seine Rolle in der Weltgeschichte einnehmen sollte, musste diese Vernunft erst einmal erweckt und danach geschult werden – was dann während der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts auch geschah und vom Philosophen Immanuel Kant 1784 so kommentiert wurde: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Und dabei half ihm die Kartoffel. Wer so eine verwegene Behauptung in die Welt setzt? Die Kartoffel selbst! Nein, wir haben nicht über eine Knolle aus dem Boden halluziniert, sondern geben das wieder, was Verena Staël von Holstein der „Großen Kartoffel“ im Gespräch mit Wolfgang Weirauch entlockt hat. Was man sich darunter vorstellen soll? Fragen wir die „Große Rote Bete“, die dazu sagt: „Ich habe die übliche Aufgabe eines Pflanzen-Ich-Wesens. Ich bin das Ich dieser Pflanze und befinde mich im höheren Devachan, also in den höheren Bereichen der geistigen Welt, und ich betreue die rote Bete und weiß eigentlich alles über die rote Bete. Denn ich bin die rote Bete in der geistigen Form.“

Genauso verhält es sich mit der Großen Kartoffel, der Großen Rübe usw. Der Begriff „Devachan“ setzt sich übrigens zusammen aus „Deva“, was Gott bedeutet, und „Chan“, was Gebiet oder Wohnung meint. Er befindet sich auf dem Mentalplan der geistigen Welt und ist damit gleichsam die Welt der geistigen Urbilder, also die archetypische Ebene. Alles, was da keimt und wächst auf Scholle und Feld, in Wald und Garten, hat sich daher nicht zufällig aus einer Ursuppe hoch entwickelt, sondern wurde zum Wohle des Menschen erdacht von gottgleichen Engelwesen in der höheren geistigen Welt. Sie sorgten dafür, dass nicht nur jeder Krankheit ein Kraut gewachsen ist, sondern dass die Früchte der Erde auch ganz alltäglich ihren Mann nähren und es ihm erlauben, gesund durch alle Jahreszeiten zu kommen. So stellten sie sicher, dass beispielsweise der Grünkohl über ein Vitamin C verfügt, das sich nicht wie sonst sehr schnell verflüchtigt, sondern auch bei langer Lagerung und heißer Zubereitung weitgehend erhalten bleibt. Er wurde von den Pflanzendevas in dieser Form geschaffen, um die Menschen in Grünkohlgebieten den Winter über mit dem lebensnotwendigen Vitamin C und vielen Mineralien zu versorgen, die sie in früheren Zeiten anderswie nicht bekommen konnten. Mit seinem ganzen Wesen dient der Grünkohl der Erhaltung der Lebenskräfte der nördlichen Menschen über die Wintermonate hinweg. Und wie gesagt, dies ist kein irdischer Zufall, sondern göttliche Absicht.

Der kalte Verstand hat ausgedient

Kartoffel

Wie man sieht, sind Kartoffeln sehr individuell. Je nach Farbe und Form wirken sie unterschiedlich auf den Menschen ein. Seine Intelligenz regen sie aber immer an.

Doch zurück zur Kartoffel, die aus der Gegend des heutigen Peru, Boliviens, Venezuelas und Chile stammt und schon im 8. Jahrtausend v. Chr. von den dort lebenden Menschen verzehrt wurde. Die Inkas benutzten sie auch bei ihren religiösen Zeremonien und ehrten die Kartoffelgöttin, die sie „Aro-Mamma“ nannten. Wir sehen, diese alten Völker wussten mehr, als Darwin uns „aufgeklärten“ Völkern weismachen wollte. In gewisser Weise war die Kartoffel daran beteiligt, dass der Mensch all diese unsichtbar gewordenen Naturgötter und -wesen ins Reich der Fabel verbannte, macht doch die Kartoffel den Verstand kälter. Intellektueller. Schärfer. Technischer. Und das war für eine gewisse Zeit notwendig. Heute ist das nicht mehr so; heute muss der zu kalt und intellektualistisch gewordene Verstand durchgeistigt und von Intuition beseelt werden – und dazu passt, dass die Kartoffel-Verzehrmenge seit dem 2. Weltkrieg kontinuierlich zurückgeht. Die ganz große Zeit der Kartoffel ist also vorbei; der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann sich nun verkrümeln.

Wie Kräuter wirken auch die übrigen Früchte der Erde auf den Menschen ein. Manche beeinflussen (außer dem physischen Körper) auch den Verstand, andere die Gefühlsseele oder den Ätherkörper, in dem unsere Erinnerungen gespeichert sind. Und da die höheren Wesen, welche bis zu einem gewissen Grade die Erdengeschicke lenken, auch die Entwicklung der feineren Körper des Menschen beeinflussen, war es kein Zufall, dass die Kartoffel nach Europa kam. Das sollte so sein, denn Vernunft war das Gebot der Zeit. Und indem die Kartoffel nach Europa kam, keimte die materialistische Intelligenz auf, erklärt der Kartoffel-Deva: „Man verstand dadurch auch die physischen Materialien besser. Man erlangte die Fähigkeit, das Physische sehr weit durchzuformen, aber auch das Kosmische, die Metalle so zu verbiegen, dass sie für die Technik genutzt werden konnten.“ Durch die Kartoffel habe der Mensch begonnen, intellektuell-materialistisch, aber auch individuell zu denken. „Wenn die Ernährung in Europa nicht massenhaft auf die Kartoffel umgestellt worden wäre, hätte man die Industrielle Revolution nicht durchführen können.“ Eine kühne Behauptung – aufgestellt von der Großen Kartoffel – und weder beweis- noch widerlegbar.

Das Denken des Menschen wurde also geschärft. Weshalb dazu gerade eine unterirdisch wachsende Knolle hilfreich war, erklärt der Kartoffel-Deva so: „Wenn man die Pflanze als umgekehrten Menschen betrachtet, so ist der Boden der Bereich, in dem euer Menschenkopf steckt. Die Wurzel der Pflanze entspricht dem Kopf. Ihr lauft ja eigentlich falsch herum, denn eure Füße gehören eigentlich nach oben. Euer Kopf gehört unter den Boden. Die Intelligenz, die ihr im Kopf habt, ist die bodenhafte Intelligenz.“

Heutzutage wird man dem Zeitgeist und der Kartoffel gerecht, wenn man sie als Beilagengemüse behandelt, aber nicht länger als Grundnahrungsmittel – sie also vielleicht ein-, maximal zweimal die Woche verzehrt, aber nicht fast täglich. Denn die tägliche Salzkartoffel legt eine Art Watteschicht zwischen Herz und Verstand und verhindert damit das Herzdenken, das ein Gebot unserer kalt gewordenen Zeit ist. Und die weitere Entwicklung des Menschen soll eben gerade nicht dahin gehen, noch schlauere, kältere, technischere Gedanken zu denken, sondern Gedanken, die von positiven Gefühlen, von Herzkraft und Weisheit durchdrungen sind. Und das erschwert die tägliche Kartoffel ungemein. Das kalte Verstandesdenken, das die Kartoffel fördert, hat nichts mit dem Logos zu tun; vielmehr ist es ein zweckgerichtetes und damit auch selbstsüchtiges Denken, das die Erde verbraucht. Es ist auch kein logisches Denken, denn, wie es ein Wasserwesen ausdrückt: „Wenn ihr technisch logisch denken könntet, wärt ihr nicht auf die Idee gekommen, Techniken zu bauen, die diese Erde zerstören. Logisch ist es nicht, den Ast, auf dem man sitzt, abzusägen.“

Man kann Kartoffeln also durchaus dann und wann genießen, solange man es nicht täglich macht. Leider gibt es in Europa nur noch wenige Kartoffelsorten, die zugelassen sind, was das Denken der Kartoffelesser gleichschaltet. Gut wäre, wenn jede Region ihre eigenen Kartoffeln hätte, vom Biobauern gezogen und individuell in Farbe und Geschmack – denn

in Südamerika gibt es über dreitausend Arten Kartoffeln in beinahe allen Farben. Und jede wirkt ein wenig anders auf den Menschen ein. Und weil die Kartoffeln in Europa auch von konzernartig und technisch denkenden Menschen verwaltet werden, wirken sie so auf den Menschen ein, dass er gemäß der Staatsräson funktionieren soll. Das war auch unter Friedrich dem Großen so, der die Kartoffel quasi zum deutschen Grundnahrungsmittel gemacht hat. Man durfte in seinem Staat zwar nach eigener Façon selig werden, sollte aber bitte daneben gut preußisch funktionieren – und gehorchen.

Der „Alte Fritz“ zeigte eine geradezu kartoffelige Schläue, als es darum ging, sie dem Bauern, der sie nicht kannte, schmackhaft zu machen. Nach einigen Getreidemissernten mit darauffolgenden Hungersnöten war es schwierig geworden, die kräftig wachsende Bevölkerung satt zu bekommen. Nun sind die Bauern ja ein misstrauisches Völkchen, wenn es um Neues, Unbekanntes geht – nicht umsonst sagt der Volksmund: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Also griff Friedrich zu einer List und ließ die wenigen Kartoffelfelder, die es gab, von seinen Soldaten rund um die Uhr bewachen. Und wie reagierte die Bauernschaft? Neugierig. Interessiert. Das musste ja etwas kolossal Wertvolles sein, wenn es so streng bewacht wurde! Und siehe da – der Widerstand gegen die fremde Knolle zerbröselte.

Eine Dienerin des Menschen

Anders als die europäischen Erdäpfel fördern die Kartoffeln des Andenraums noch immer eine bewusste, individuelle Intelligenz ihrer Verzehrer. Was auch mit den Anbaumethoden zusammenhängt: In Südamerika legt man die Kartoffeln noch weitgehend von Hand in den Boden, während in Europa die Maschinen wüten. Die Ackerwesen mögen die dadurch entstehenden riesigen, uniformen Kartoffeläcker nicht. Sie mögen die Abwesenheit der menschlichen Schwingung darin nicht und die geistige Kälte, die das in den Acker bringt. Denn immer wenn der Mensch etwas von Hand macht – Gemüse und Früchte also von Hand setzt oder sät und erntet, dann hat dies eine segnende, veredelnde Wirkung. Immerhin sei der geistige Abstand zwischen dem unerwachten Menschen und dem Gemüse etwa gleich groß wie derjenige zwischen einem Menschen und einem Erzengel. Die Pflanze sieht im Menschen ihren geistigen Herrn, will ihm dienen und sehnt sich im Gegenzug nach seiner Berührung, seiner Wertschätzung. Bekommt sie dies, dient sie ihm mit mehr Liebe und Erfüllung, als wenn Mensch sich von ihr abwendet und alles eine Maschine tun lässt. Letzteres frustriert die Pflanze, was sich negativ auf ihr Gedeihen, ihre Qualität und ihren Geschmack auswirkt. Pflanzen, die durch des Menschen Hand gingen, können von ihm später besser verdaut werden. Wenn das kein Argument für Biokost ist! Durch die Berührung der Kartoffel überträgt der Mensch etwas von seiner Ich-Qualität auf sie – und erhöht sie damit. „Dadurch wird die Kartoffel in ihrer Struktur, in ihren Eiweißen und in ihren anderen Bestandteilen für den Menschen besser verfügbar“, erläutert der Kartoffel-Deva. Natürlich spielt die Seelenqualität des betreffenden Menschen dabei eine Rolle. Und die Haltung, mit der der Mensch der Pflanze begegnet. „Wenn der Mensch jede Kartoffel mit einem Vaterunser begleitend einpflanzen würde, wäre dies eine stärkere Wirkung auf die Kartoffel, als wenn man sie nur gedankenlos in die Erde setzt“, gibt die Große Kartoffel zu bedenken, obwohl auch ihr klar ist, dass dies wohl ein wenig zu weit gehen würde. Doch warum nicht jede Kartoffel in Gedanken und Gefühl segnen, bevor man sie in die Erde gibt? Oder spätestens, wenn man sie in der Küche verarbeitet?

Quellenangaben

  • 1 Flensburger Heft Nr. 117, „Gemüsepflanzen – Naturgeister 22“, zu bestellen bei: flensburger-hefte.de, oder Tel. 0049 (0)461 26363.