✵ Ein Kompass in bewegten Zeiten – die aktuelle ZeitenSchrift Nr. 126

Bewegung bitte: Raus aus der Sitzfalle!

Ganz still und unbeweglich steht er da. Er hat es nicht nötig, mit übertriebenen Gesten und lautem Gelärm auf sich aufmerksam zu machen. Dennoch übt seine bloße Anwesenheit eine fast magische Anziehungskraft auf uns aus. Zwar gibt es einige, die ihm besser widerstehen können als unsereins, die Japaner beispielsweise. Seine Farbe ist nicht so wichtig. Seine Form und Beschaffenheit spielen manchmal eine Rolle. Wo er ist – und er ist fast überall, jederzeit –, können wir uns ihm kaum entziehen. Wir müssen zu ihm hin, nahe, wir übergeben ihm unseren Körper – und schon sitzen wir in der Falle, wortwörtlich.

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Das ist ungefähr so, als besäßen wir einen Ferrari mit allen Raffinessen und einer Menge Power unter der Kühlerhaube, den wir jedoch höchstens einmal täglich zur Tankstelle und zurück fahren und dabei jeweils auf maximal dreißig Stundenkilometer beschleunigen. Auf diese Weise wird der rasante Sportwagen schon bald zur Klapperkiste. Die Liste der Erkrankungen und Beschwerden, die wir uns gemäß Forschung durch zu viel Sitzen zuziehen können, ist lang:

  • Übergewicht
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen
  • erhöhtes Krebsrisiko
  • erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2
  • Rücken-, Nacken-, Knieschmerzen
  • eingeschränkte Zwerchfellfunktion resp. behinderte Atmung
  • Muskeldegeneration
  • Funktionsstörungen des Beckenbodens
  • Brain Fog resp. kognitive Dysfunktionen
  • Fehlfunktionen des Kiefergelenks
  • erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutzuckerund Blutfettwerte
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Probleme in den unteren Gliedmaßen (Krampfadern, Venenthrombosen)

Was man kaum für möglich hält: Der sitzende (Büro-)Mensch erleidet mehr Verletzungen an seinem Stütz- und Bewegungsapparat als ein Arbeiter, der auf dem Bau oder in der Metallverarbeitung tätig ist. Jede Stunde Sitzen koste uns zwei Lebensstunden, behauptet Dr. James Levine, Arzt an der Mayo-Klinik in Arizona, der auch den Satz geprägt hat, Sitzen sei das neue Rauchen. Die Weltgesundheitsorganisation führt 3,2 Millionen Todesfälle jährlich auf körperliche Inaktivität zurück, also zu viel Sitzen, womit dieses weltweit die viertgrößte, vermeidbare Todesursache ist. Besonders schädlich ist die Kombination aus Sitzen und Fernsehen. Nicht nur bewegen wir uns nicht, meistens werden vor dem Fernseher zusätzlich ungesunde Snacks und Getränke konsumiert. Das Resultat: Jede Stunde, die wir täglich sitzend vor dem Fernseher verbringen, ist mit einem zwei Zentimeter größeren Bauchumfang verknüpft. Und statistisch gesehen kostet uns jede Stunde Fernsehen 22 Minuten Lebenszeit. Bedenkenswert, nicht?

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