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Rauchen ist tödlich. Aufhören manchmal auch!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Rauchverbote in öffentlichen Räumen ungeteilte Unterstützung erfahren? Davon abgesehen, dass sie eine wirklich gute Sache sind, findet man die Antwort einmal mehr, indem man fragt, wer davon profitiert: Die mächtigen Pharmakonzerne, die mit höchst bedenklichen Antirauchermitteln Riesenumsätze machen. Nächste angepeilte Station: Eine Impfung gegen das Rauchen.

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Mitnichten, denn auch der Fall von Jeff Carter Albrecht beschäftigte die Presse in den USA heftig: Der vierunddreißigjährige Musiker der US-Popband Edie Brickell and the New Bohemians stand an der Schwelle zu einer vielversprechenden Solokarriere. Sein Arzt aber warnte ihn vor dem Verlust des besonderen Klangs seiner Stimme, sollte er nicht bald aufhören zu rauchen. Albrecht nahm sich den Rat zu Herzen und beschloss, gemeinsam mit seiner Freundin Ryann Rathbone, vom Glimmstängel loszukommen – und zwar ebenfalls mithilfe der Entwöhnungspille Chantix (in Europa wird sie unter dem Namen Champix vertrieben). Mit Beginn der Einnahme hatten beide lebhafte, oft angsterregende Alpträume, „bei denen du nicht weißt, ob sie real sind oder nicht“, schildert Rathbone. Eine Woche nach dem Start, es war Anfang September 2007, gingen beide aus und Albrecht trank etwas über den Durst. Sie führte ihn in ihre Wohnung und beide nahmen eine Pille. Kurze Zeit später attackierte der Musiker völlig unerwartet seine verdutzte Freundin verbal und körperlich – was er vorher nie getan hatte – und stammelte sinnloses Zeug daher. „Es war, als ob er sich in ei­nem Alptraum befand“, schildert Ryann Rathbone. Sie flüchtete, Albrecht folgte ihr. Sie schaffte es, ins Haus zurückzukehren und es zu verschließen. Albrecht tobte und hämmerte an die Tür, doch diese blieb verschlossen. Der Musiker wandte sich ab, ging auf das Nachbargrundstück und hämmerte dort brüllend und schimpfend an die Tür. Von diesem Lärm aufgeweckt, rief die Nachbarin beim Notruf an: „Er brüllte. Ich wusste nicht, was er brüllte, aber ich habe ihm gesagt, dass er das Grundstück verlassen soll.“ Sekunden später feuerte deren Mann mit seiner Pistole, wie er sagte, einen Warnschuss durch die Tür ab. Dieser traf Albrecht tödlich in den Kopf.

Pillen wirken direkt aufs Gehirn

Von Anfang an war das Präparat des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer als ‚Wunderpille’ gefeiert worden. Doch stattdessen sollten viele durch sie ein ‚blaues Wunder’ erleben. Im Gegensatz zu den bisherigen Raucherentwöhnungsmitteln wie Kaugummis oder Pflaster setzt die neue Generation der Pillen nicht beim Nikotin, sondern direkt im Gehirn an: Der Champix-Wirkstoff Varenicilin bindet sich an jene Rezeptoren im Gehirn, die normalerweise das Nikotin besetzt. Dadurch lindere Varenicilin das Rauchverlangen und reduziere die angenehmen Effekte des Rauchens. Hersteller Pfizer erhielt 2006 die Zulassung in den USA und in der EU. Bereits sechs Jahre früher war die zweite Antiraucherpille Zyban von GlaxoSmithKline zugelassen worden. Dabei handelt es sich um ein Antidepressivum mit dem Wirkstoff Bupropion, bei dem Pharmakologen durch Zufall entdeckten, dass es Rauchern auch bei der Entwöhnung helfen kann. Als Antidepressivum erhielt Bupropion in den USA die Zulassung 1984, verlor diese jedoch nach mehreren, zum Teil tödlichen Krampfanfällen bereits 1986 wieder. Später wurde es wieder zugelassen – und zwar gleich für zwei Einsatzgebiete.

Die Medikamente sind verschreibungspflichtig und kosten bei einer empfohlenen dreimonatigen Anwendung 200 bis 400 Euro. Laut Champix-Zulassungsunterlagen griffen ein Dreivierteljahr nach ‚Behandlungsende’ mit Champix bereits 77 Prozent der Testpersonen wieder zur Zigarette, bei Zyban waren es 84 Prozent und bei der Placebo-Vergleichsgruppe 91 Prozent. Oder ungekehrt betrachtet: Bei neun Prozent reichte das Placebo, um zumindest eine Zeit lang nicht mehr zu rauchen, bei Zyban war der Anteil mit 16 Prozent nicht einmal doppelt so hoch und bei Champix mit 23 Prozent nicht einmal dreimal so hoch.

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