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Sollten Sie Ihren Nachbarn, Freund oder Kollegen fragen, was diese unter Wiedergeburt verstehen, werden Sie über die Vielfalt der Antworten überrascht sein. Wenn man Sie nicht verständnislos wie einen halb Irren anschaut, könnten diese Antworten reichen von der völligen Ablehnung über gläubige Überzeugung bis hin – wenn Sie Glück haben – zur wohlbegründeten Erkenntnis.
Schaut man in die Evangelien, dem biblischen Kernbereich für den christlichen Glauben, dann ist zunächst einmal zu unterscheiden zwischen Reinkarnation und Wiedergeburt. Ja, ist das denn nicht dasselbe, wird man Sie fragen. Keineswegs!
In der Schule Platons1 begann der philosophische Unterricht – damals umfasste die Philosophie noch alle Wissenschaften – meist mit einer Diskussion über den Inhalt der Begriffe. Kommt man nicht überein, was mit welchem Wort tatsächlich gemeint ist, sind Missverständnisse an der Tagesordnung. Diese Schule bestand von 327 v. Chr. bis 529 n. Chr. Sie hat viel beigetragen zum Verständnis der Botschaften aus den Engelreichen (= Evangelien). Wie, geht es beim Christentum nicht um den Glauben? Was hat Philosophie mit dem Glauben zu tun? Nun ja, die Kirchen haben ihren Schäfchen das Denken in Glaubensdingen abgewöhnt, halten es oft sogar für schädlich. Viel lieber reden die Priester vom „Mysterium des Glaubens“. Die kirchliche Gemeinde soll glauben, nicht verstehen.
Der Glaube aber taugt wenig, indem nicht zuvor in rechter Weise versucht wurde, zu erkennen. Wer die Forderung der Evangelien, danach zu streben, den Christus zu erkennen (vgl. z. B. Joh. 17,3), ernst nimmt, wird nicht umhin können, diesen ersten Schritt der Begriffsklärung zu gehen.
Die Reinkarnation
WILL NOT BE SHOWN IN THE FINAL DESIGN
Reinkarnation ist, wie der lateinische Ursprung re-incarnare schon sagt, das aus der Geisteswelt „Wieder-ins-Fleisch-treten“ der Seele und des Geistes, also das Zurückkommen in die irdische Welt, und zwar mit all ihrem Gepäck – wozu wir gewöhnlich Schicksal oder Karma sagen. Schicksal umfasst dabei: den Geburtszeitpunkt und -ort, die geschichtliche Situation in der Menschheitsentwicklung, die kosmische Konstellation, das Hineingeborenwerden in eine bestimmte Familie mit ihrem genetischen Fundus, dem seelischen und sozialen Umfeld, die in Vorinkarnationen erworbenen Fähigkeiten in entsprechenden Anlagen (Begabungen) und die körperliche Konstitution. Das alles ist abhängig von unseren Gedanken, Worten und Taten und unserer Gesinnung in Vorinkarnationen. Reinkarnation ist, so gesehen, ein göttliches Geschenk, das wir zu unserer Weiterentwicklung nutzen dürfen.
Um nicht missverstanden zu werden: Nicht in jedem Karma steht geschrieben, man solle sich auf einem Schulungsweg dem Christus nähern, wiewohl Ansätze dazu für uns und andere immer wohltuend sind. Früher oder später indes wird jeder Mensch daran gehen müssen, den Christus im Innern, das eigentliche Menschheitsziel, zu entwickeln. In einer bestimmten Inkarnation kann es aber durchaus sein, dass ganz andere Aufgaben gestellt werden oder Lebenswege, die nicht unmittelbar zur Erkenntnis des Christus beitragen, sondern zum „Abrunden“ des Erfahrungsschatzes des eigenen Ich auf einem sehr weltlichen Felde.
Die Wiedergeburt
Wenn wir die Reinkarnation so auf ihren Grundinhalt – nämlich die Wiederverkörperung im Fleische – abgegrenzt haben, bleibt die Frage: Was ist dann Wiedergeburt? Da der Mensch auf Entwicklung (Evolution) angelegt ist, folgt daraus, dass wir das Geschenk der Reinkarnation für unsere seelisch-geistige Höherentwicklung nutzen sollten. Wiedergeburt ist, wenn man es recht betrachtet, harte und konsequente Arbeit an uns selbst und zwar einer Arbeit, die zu einem Wiedergeboren werden im Christus während unseres irdischen Seins führt. Das mag zunächst einmal schwer verständlich sein, wird aber im weiteren Text klarer werden.
Die oben erwähnte Schulung des Menschen, um ihn zum Einblick in geistige Welten zu führen, hat gewöhnlich die Abfolge: Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung. Sie gilt grundsätzlich für alle Mysterien, auch nichtchristliche. Pythagoras (ca. 570 bis 500 v. Chr.) beispielsweise unterteilt in seinen Goldenen Versen in Vorbereitung, Reinigung und Vervollkommnung,2 Die Evangelien beschreiben mehrere Wege, wie man sich dem Christus nähern und schließlich bewusst mit ihm vereinen kann. Beispiele: Das Hineinleben in die sieben „Ich-bin-Worte“ des Johannesevangeliums, das Durchleben der Inhalte der Bergpredigt, das Durchleiden der Passion Jesu Christi in den sieben Stufen: Fußwaschung, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzigung, mystischer Tod, Grablegung und Auferweckung und Himmelfahrt.4
Gut, das kann man aus den Evangelien ableiten, wenn man sie einfühlsam liest. Aber ist die Wiedergeburt denn auch direkt in den Texten angesprochen?
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