PQQ: Gesund älter werden dank "Sternenstaub"

Ein neu entdecktes B-Vitamin regt die Bildung neuer Zellkraftwerke an und fördert so Vitalität und Gesundheit.

Universaler Lebensstoff: PQQ ist im Sternenstaub enthalten und spielt in den Körperzellen eine wichtige Rolle.

Universaler Lebensstoff: PQQ ist im Sternenstaub enthalten und spielt in den Körperzellen eine wichtige Rolle.

In seinem Stück Wie es Euch gefällt sagt Shakespeare über das Altern: “Und so reifen wir von Stunde zu Stunde, und dann verrotten wir von Stunde zu Stunde, und das ist das Ende der Geschichte.” Betreffend der Frage, warum wir altern, hat sich inzwischen unter den forschenden Wissenschaftlern eine Theorie durchgesetzt: Verantwortlich nicht nur für den Alterungsprozess selbst, sondern auch für das vermehrte Auftreten von typischen Alterskrankheiten sei die zunehmende Fehlfunktion unserer Mitochondrien. So zeigte sich in einer Studie, dass bei gesunden Menschen über siebzig die Mitochondrien ihrer Gehirnzellen schon die Hälfte ihrer Leistungsfähigkeit eingebüßt hatten. Immer deutlicher bestätigt sich, dass die gefürchtetsten Erkrankungen des Alters wie Alzheimer, Parkinson, Typ2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs in direkter Verbindung mit der Funktion respektive Fehl-Funktion unserer Mitochondrien stehen.

Daher fragt der Mitochondrien-Forscher Douglas Wallace: “Warum ist es uns trotz massiven Forschungsaufwands immer noch nicht gelungen, auch nur einen einzigen Fall von Alzheimer zu heilen?” Er schlägt vor, die alten Paradigmen zu überdenken und auch das Wissen über die Energieproduktion im Körper in die medizinische Forschung miteinzubeziehen. Laut Wallace erkannte schon Isaac Newton, dass ein Ding erst lebt, wenn es “belebt” ist, und dass das Belebtsein von Energie kommt. Als Modell schlägt Wallace deshalb folgende Formel vor: Leben = Struktur (unsere Organe und Gewebe) mal Information (die Gene) mal Energie (ATP, das zu über 90 Prozent von unseren Mitochondrien gebildet wird). Gemäß Wallace werden wir erst dann einen Durchbruch in der Behandlung von chronischen Krankheiten erzielen, wenn wir der Forschung dieses “bioenergetische Modell” zugrunde legen.

Sind wir denn nun der langsam fortschreitenden Verrottung schutzlos ausgeliefert? – Nein. Die gute Nachricht ist, dass wir diesen Prozess des Mitochondrien-Zerfalls und der Energiedrosselung verlangsamen oder sogar umkehren können. Ich habe Ihnen in der letzten Ausgabe der ZeitenSchrift1 schon von der Wirkung des Magnesium-Laktats und den positiven Effekten von Sport, (Mini-)Fasten und Kälte-Anwendungen berichtet. Jetzt taucht mit dem PQQ (Pyrrolo-Quinolin-Quinon) ein Stoff auf, der wohl in Zukunft eine führende Rolle in der Mitochondrien-Forschung einnehmen wird. Wie das Coenzym Q10 (dessen positive Wirkung auf die Mitochondrien und vorbeugende Effekte gegenüber chronischen Krankheiten wissenschaftlich gut belegt ist) ist auch PQQ ein Antioxidans, aber seine wichtigste Eigenschaft liegt in seiner Fähigkeit, unsere Zellkraftwerke zu regenerieren.

Wir sind so alt wie unsere Zellen: Möglichst viele gesunde Mitochondrien verjüngen das biologische Alter.

Wir sind so alt wie unsere Zellen: Möglichst viele gesunde Mitochondrien verjüngen das biologische Alter.

PQQ wurde 1964 vom norwegischen Biochemiker Jens G. Hauge entdeckt. Zuerst fand man es in Bakterien und beschrieb seine Eigenschaft, Alkohol abbauen zu können. Erst fünfzehn Jahre später gelang es dem Biologen S.A. Salisbury, die Substanz zu isolieren und seine chemische Struktur darzustellen. Schließlich fand der japanische Hirnforscher Tadafumi Kato im Jahr 2003 das PQQ in den Gehirnen von Säugetieren, einschließlich des Menschen. Schon dieses japanische Forscherteam klassifizierte PQQ als neues B-Vitamin. Eine andere Forschergruppe um Professor Robert B. Rucker2 fand 2010 heraus, dass PQQ über eine Aktivierung von Signalmolekülen den Energiestoffwechsel verbessert und die Neubildung von Mitochondrien anregt. Das heißt, dass das PQQ denselben Mitochondrien-Aktivator (PGC-1alpha) nutzt, wie das beim Fasten, durch Kältereiz oder die Einnahme von Laktat geschieht.

Ich möchte Ihnen hier gerne aufzeigen, wie dieses neue Vitamin Ihre Gehirnzellen, Ihre Muskeln und Ihr Herz schützt, indem es Fehlfunktionen in den Mitochondrien vorbeugt. Lesen Sie im Folgenden, wie PQQ über das “Anschalten” bestimmter Gene die Neubildung frischer Zellkraftwerke anregt und insbesondere in Verbindung mit Magnesium-Laktat Ihre Zellen und Organe vitalisiert und verjüngt.

Der Stoff aus dem Weltall

PQQ kommt in der Natur überall in Spuren vor. Weil man es sogar im “Sternenstaub” des Weltalls entdeckte, wird vermutet, dass es eine Rolle bei der Entstehung des Lebens auf der Erde gespielt hat. Alle Pflanzen enthalten unterschiedliche Mengen an PQQ. Der menschliche Körper jedoch ist nicht in der Lage, PQQ herzustellen. Deshalb erfüllt dieses nach Ansicht von Experten die Kriterien eines Vitamins.

Nachdem zuerst die Rolle des PQQs bei der Entwicklung und dem Wachstum von verschiedensten Lebewesen entdeckt worden war, kam die Erkenntnis, dass PQQ die Bildung neuer Mitochondrien anregt, nicht ganz überraschend. Man fand heraus, dass eine PQQ-freie Ernährung bei Versuchstieren nicht nur zu Wachstumsstörungen führt, sondern auch das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit gestört sind; am auffälligsten war jedoch die stark verminderte Anzahl von Mitochondrien. Sobald PQQ aber wieder der Nahrung dieser Versuchstiere beigefügt wurde, bildeten sich sämtliche Störungen zurück und die Mitochondrienzahl und -aktivität normalisierte sich.

Wie erwähnt wird der allergrößte Teil unseres Energieträgers ATP in den Billiarden von Mitochondrien – den Kraftwerken unserer Zellen – gebildet. Obwohl zum Beispiel unser Herz nur 0,7 Gramm ATP auf Vorrat hält, verbraucht es im Laufe eines Tages mehr als 6'000 Gramm davon! Die Mitochondrien unserer Herzmuskelzellen müssen also dauernd für Nachschub sorgen, indem sie die Energie aus unserer Nahrung nutzen, um neues ATP herzustellen. Dieser Prozess läuft in den Mitochondrien unserer Zellen Tausende Male pro Sekunde ab.

Bei diesem Vorgang entstehen aber immer auch freie Sauerstoff-Radikale, und zwar genau an denjenigen Stellen der inneren Mitochondrienmembran, wo die ringförmige Mitochondrien-DNA3 schwimmt. Diese ist den freien Radikalen komplett ungeschützt ausgesetzt und wird zunehmend geschädigt. Dies ist der Prozess, der zum Altern und letztlich zum Funktionsverlust der Mitochondrien und damit auch der Zellen unserer Organe führt. Achtzig Prozent der freien Radikale, die das Gewebe schädigen, entstehen also in den Mitochondrien selbst.

PQQ kann nun aber, vor allem in Verbindung mit Coenzym Q10, diese Radikale “neutralisieren”, bevor diese die DNA der Mitochondrien schädigen. Nicht alle Antioxidantien sind dazu in der Lage. Die äußere Mitochondrienmembran ist nämlich in Bezug darauf, wen es hineinlässt, mindestens so wählerisch wie der Türsteher eines Szenelokals. PQQ und Coenzym Q10 gehören zu den wenigen Stoffen, welche die Doppelmembran der Mitochondrien durchdringen können und ihre starken antioxidativen Radikalfänger-Kräfte dort entfalten, wo sie am meisten gebraucht werden.

Warum ist PQQ eine so wertvolle Substanz?

Kern der vielseitigen Wirkungen des PQQs ist seine außerordentliche Stabilität als Molekül. Wenn ein Vitamin-C-Molekül oder ein Katechin aus dem grünen Tee – beides auch gute Radikalfänger – aktiv wird und ein freies Elektron “fängt”, wird es selbst chemisch verändert und damit unwirksam. Nicht nur das: Diese chemisch veränderten Antioxidantien müssen dann, unter großem Energieaufwand, auch noch ausgeschieden werden. Ein PQQMolekül hingegen kann Tausende Male ein Elektron aufnehmen und wieder abgeben, ohne selbst beschädigt zu werden. Die Wissenschaft nennt dies Reduktion und Oxidation, und PQQ ist, wie Coenzym Q10, ein Reduktions- und Oxidations-Puffer.

Besondere Wirksamkeit zeigt PQQ im Neutralisieren von Superoxid, das in den Mitochondrien durch die freien Radikale gebildet wird. Somit werden schwere Schäden in den Mitochondrien vermieden und die Mitochondrien-DNA bleibt geschützt. In einer neueren Studie konnte diese Fähigkeit sogar in Zahlen ausgedrückt werden: PQQ wirkt in gleicher Menge bis zu 5'000 Mal stärker als bisher bekannte Antioxidantien. Mit seiner Doppelwirkung als Radikalfänger und Signalmolekül ist PQQ ein prima Anti-Aging-Schutz besonders für die Organe mit dem größten Energiehunger: unser Herz und unser Gehirn.

Quellenangaben