Geht der Mond, kommt das Holz in seine Kraft

Vor Jahrtausenden schon wussten die Menschen, wann man Holz schlagen muss, damit es Jahrhunderte überdauern kann. Das in Vergessenheit geratene Geheimnis des Mondholzes hat die Wissenschaft erst vor wenigen Jahren entschlüsselt. So kann man völlig giftfrei Holzhäuser bauen, die enorm widerstandsfähig und fast energieautark sind. Sie bieten zudem ein gesundes Wohnklima und schirmen die Mobilfunkstrahlung ab.

Einer, der die Bäume seit seiner Kindheit liebt und beobachtet, ist Erwin Thoma aus Goldegg in Österreich. Erwin lernte den Wald als Ort der Abenteuer, als Nahrungsquelle und Wärmespender kennen und lieben. Bei jedem Wetter verbrachte er unzählige Stunden in den Wäldern und an den Bächen, kletterte auf Bäume oder in Höhlen, welche von den Wurzeln gebildet wurden. Beim Brennholzsägen erzählten ihm die Jahresringe mit ihren unterschiedlichen Dicken von den üppigen und den trockenen Jahren. Und wenn der Stamm oval und die Ringe auf einer Baumseite viel dunkler waren, offenbarten sie dem Knaben, wo sich der Baum stärker gegen den Wind abstützen musste. Erwin liebte das Leben mit den Bäumen, die ihm im Sommer einen kühlen Platz und heimliche Verstecke boten, ihn mit ihren Früchten und Heilkräften beschenkten und im Winter für Wärme im Ofen sorgten. In seinem Buch Die geheime Sprache der Bäume erzählt er in lebendiger Sprache und mit vielen Geschichten von den Beobachtungen und Erfahrungen aus dieser Zeit.

Bäume, die bei abnehmendem Mond gefällt werden, weisen eine sehr viel bessere Holzqualität auf.

Er machte seine Liebe zum Beruf, absolvierte das Studium der Ingenieurwissenschaften und wurde Förster im Tiroler Karwendeltal. Die meiste Zeit verbrachte er draußen in den Tälern und in den Bergwäldern. Hier arbeitete er mit seinen Holzknechten zusammen und abends besprachen sie in der Hütte, was es am nächsten Tag zu tun gab. Gerne begleiteten ihn seine Kinder, um das Geschehen zu beobachten und die Gerüche von Holz, Harz und Rauch aufzunehmen. Sie erlebten hier eine andere Welt, in der sie so lange wie möglich bleiben wollten.

Und hier lernte Erwin Thoma unbewusst seine erste Lektion in Bauphysik. Die Hütten der Holzknechte bestanden aus Holzrahmenbauten, die außen und innen mit Holzplatten verkleidet und dazwischen mit Dämmstoff ausgestopft waren. Sein Forsthaus dagegen war aus dicken, ganzen Stämmen gezimmert, welche aus heutiger Sicht einen schlechten Dämmwert (U-Wert) aufweisen, viel schlechter als die Holzknechthütten. Im Hochsommer aber, wenn es in den Bergen gnadenlos heiße Tage gab, heizten sich die Hütten der Arbeiter unerträglich auf, während es im Forsthaus aus vollem Holz angenehm kühl blieb. Dieser Unterschied sollte für ihn später überaus wichtig werden.

Klingende Fichten, kranke Kinder

Eine denkwürdige Begegnung hatte er mit zwei jungen Geigenbauern. Sie klopften eines Tages an sein Forsthaus und erzählten von den sagenumwobenen Geigenstämmen, welche in den hoch gelegenen Tälern im Karwendel wachsen würden. Diese äußerst seltenen Fichten, auch Haselfichten genannt, weil ihre Fasern gewellt sind, eignen sich besonders für den Bau von Geigen. Und sie sprachen vom Mythos, dass bereits Stradivari Holz aus dem Karwendel für seine Geigen verwendet habe. Also stiegen sie tagelang durch die Bergwälder auf der Suche nach dem geeigneten Baum. Beim Klopfen mit der Rückseite der Axt an die Stämme lernte Erwin, dass die Stämme unterschiedlich klingen und damit bereits wichtige Hinweise auf die späteren Klangeigenschaften des Holzes geben. Die beiden jungen Männer waren außer sich vor Freude, als sie eine solch fein klingende Fichte gefunden hatten.

Eine frühe Erfahrung mit Mondholz bescherte ihm ein Baumeister aus Bayern. Dieser wollte sein eigenes Haus mit viel Holz bauen. Er hatte gehört, dass Bauholz, welches im Winter bei abnehmendem Mond geerntet wird, für den Hausbau besser geeignet sei. In der Ausbildung hatte Erwin Thoma nichts darüber gelernt, aber aus seiner Kindheit erinnerte er sich noch an den Kamin aus Holz im Bauernhaus, der nur schwarz verrußte und verkohlte, dessen Holz aber nicht brannte, weil es zur richtigen Mondphase geerntet worden war. So stieg er mit seinen Leuten auf Skiern ins tief verschneite Johannestal auf und fällte dort das fein gewachsene Holz bei abnehmendem Dezembermond. Schon im Frühjahr wurde mit dem Holz das Haus für den Baumeister gebaut, obwohl es eigentlich erst halbtrocken war. Zur Firstfeier konnte Erwin im neuen Haus seine fein gewachsenen Bäume bewundern. Dabei fiel ihm ein Balken auf, der aus anderem Holz geschnitten war. Der Zimmermeister bestätigte ihm, dass er einen Balken der Fichten von Erwin Thoma verschnitten und durch einen anderen aus seinem Lager ersetzt hatte. Einige Jahre und Heizperioden später musste Erwin feststellen, dass dieser Balken bereits rissig war, während sein Mondholz unverändert dastand und sich nicht verzogen hatte.

Nach einigen Jahren im Karwendeltal zog Erwin Thoma mit seiner Familie ins Salzburger Salzachtal um, in ein neues Haus in St. Johann im Pongau. Nach dem massiven Forsthaus im Karwendel war dieses Haus mit modernen verleimten Holzwerkstoffen ausgebaut. Und da geschah etwas Merkwürdiges. Seine beiden Buben bekamen eines Abends plötzlich starke Husten- und Erstickungsanfälle und wurden krank. Nach einem solchen Hustenanfall stand Erwin am Bett seines Sohnes Florian, der ihn fragte, warum er denn keine Luft mehr zum Atmen bekomme. Da versprach er seinem Sohn, ihm bald alle Luft der Welt zu schenken.

Die Ärzte diagnostizierten eine allergische Reaktion auf die verleimten Holzplatten im Haus. Thoma war klar, dass diese Holzplatten, welche die Kinder krank machten, raus müssen. Zusammen mit dem achtzigjährigen Großvater seiner Frau entfernte er alle Spanplattenböden und ersetzte sie durch selbst angefertigtes Massivholz. Die Kinder zogen in dieser Zeit in eine hölzerne Hütte auf die Alm und wurden wieder kerngesund. So fand Erwin Thoma seine Lebensberufung: Er wollte mit dem Holz der Bäume, die seine Kinder von der Krankheit geheilt hatten, die gesündesten und besten Häuser bauen.
So startete Erwin Thoma als selbstständiger Unternehmer das Projekt Naturholzverarbeitung mit einer kleinen Sägerei in Neukirchen. Von Beginn an setzte er ganz auf Mondholz, ohne Giftleim und Holzschutzmittel. Unterstützt durch den Großvater und seinen reichen Erfahrungsschatz mit Mondholz lernte er, Blockhäuser nach alter Art aufzuzimmern. Mit dem Bau der ersten Blockhäuser kam auch das gute Ge­­fühl wieder zurück, dass er aus seinem ehe­­­maligen Forsthaus kannte.

Die nächste Erfahrung mit Mondholz machte Erwin am Gerlospass, wo er als Jungunternehmer für sein kleines Sägewerk eine Partie Fichten und Lärchen gekauft hatte. Der Erntetermin wurde vertraglich auf den abnehmenden Mond im Januar festgelegt und die Stämme auf ei­­ner Wiese neben der Passstraße gelagert. Danach fällten die Forstarbeiter bei zu­­nehmendem Mond für einen Nachbarsäger und lagerten dessen Holz in einiger Entfernung. Im Frühjahr begann dann der ungeplante Versuch: Stammholz in Rinde, welches im Wald herumliegt, bietet eine tolle Lebensgrundlage für Borkenkäfer, Buchdrucker, Nutzholzbohrer, Kupferstecher und andere Käfer, die in einem gesunden Wald ausgewogen leben. Beim stehenden, gesunden Baum werden diese Käfer normalerweise durch den Harzfluss aufgehalten. Wenn der Baum aber liegt und die Wurzeln abgeschnitten sind, geht das nicht mehr. Sobald die Tage wärmer werden, umschwärmen die Insekten die liegenden Bäume und freuen sich auf die bevorstehende Paarung und Eiablage. Wenige Tage danach zeigen sich dann Bohrmehlhäufchen auf der Rinde, wenn die winzigen Nager sich durch die Rinde bohren und ins Holz hineinfressen.

So machte sich Erwin Thoma in den ersten schönen Frühjahrstagen auf, um seine Stämme zu kontrollieren. Er kletterte über die Bäume, doch kein einziger Käferanflug, kein Bohrmehlhäufchen war zu erkennen. Auch unter der Rinde war nichts zu finden, nur das angenehm beruhigende Baumharz konnte er riechen. Dann zog es ihn hinüber zum Holzlager seines Nachbarn. Wie war er überrascht, sämtliche Spuren von dichtestem Borkenkäferbefall und die braunen Häufchen vom Buchdrucker zu finden. Erwin ging staunend zwischen den beiden Holzlagern hin und her und lernte dabei den wichtigsten Vorteil von Mondholz kennen: Das Holz hatte eine natürliche Resistenz gegen Insekten und Pilze. Eine Tatsache, die in seiner ganzen Ausbildung nicht gelehrt wurde.

Nur Mondholz für die römischen Kriegsgaleeren

Geschichtlich gesehen hat Mondholz aber schon seit Jahrtausenden in vielen Kulturen auf der ganzen Welt bewiesen, dass es für verschiedenste Bauwerke die bessere Wahl ist. Vor über 2'000 Jahren zum Beispiel, zur Zeit von Julius Cäsar, unterhielt Rom eine große Flotte, um das Mittelmeer zu beherrschen. Mit der Bohrmuschel existierte aber ein schlimmer Feind, der das Holz von Schiffen zerfressen und sie zum Sinken bringen konnte. Als einziger wirksamer Schutz für die Schiffe galt gemäß verschiedener Überlieferungen Bauholz, das, während der Saft ruhe (also im Winter), bei abnehmendem Mond oder Neumond gefällt wurde.