„Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, sagt ein geflügeltes Wort. Es ist die Seele, die unser Blut bestimmt. Schon Goethe wusste, „Blut ist ein ganz besonderer Saft“.

Lange dauerte es, bis wir eine Ahnung davon bekamen, woraus es sich zusammensetzt. Für Hippokrates noch enthielten die Venen Luft, und erst 1623 entdeckte der englische Arzt William Harvey, dass das Blut zirkuliert. Im selben Jahrhundert erst fand man heraus, dass es rote Blutkörperchen gibt. Den Weißen kam man gar erst im neunzehnten Jahrhundert auf die Spur, und unsere hinlänglich bekannten vier Hauptblutgruppen A, B, AB und 0 entdeckte der Wiener Arzt Karl Landsteiner erst um 1901. 1941 erlaubte es der neu bestimmte Rhesusfaktor, das Blut in positiv und negativ zu unterteilen. Mittlerweile sind wir bei über 30 Unterscheidungsmerkmalen angelangt, die milliardenfache Kombinationen ergeben können. Versuchte man vor 150 Jahren noch, Menschen durch die Transfusion von Tierblut zu retten – was im Tod der Patienten endete –, ahnen aufgeschlossenere Mediziner heute, dass es keine zwei identischen „Blute“ auf der ganzen Welt gibt. Jeder Mensch verfügt über sein individuelles, einmaliges Blut. Wie könnte es auch anders sein, wo doch das Blut jener „kostbare Saft“ ist, der unsere Seele in die Physis trägt?
Gemeinhin meinen wir, das Blut sei lediglich der Oberkellner des Körpers, der galant und zuvorkommend jedem Organ jene Mineralsalze, Proteine und Vitamine serviert, die es gerade benötigt. Nun, an sich ist das nicht falsch. Der Genfer Heilpraktiker Christopher Vasey sieht es dennoch anders: „Der Körper steht in Wirklichkeit im Dienst des Blutes, er ist sein Untergebener. Er spielt eine zweitrangige Rolle und muss mithilfe aller Ressourcen, über die seine Organe verfügen, darüber wachen, dass die ideale Zusammensetzung des Blutes erhalten bleibt.“ Tatsächlich: Droht die ideale Zusammensetzung des Blutes zusammenzubrechen, stellen die Organe genau jene Elemente zur Verfügung, die das Blut zur Wiederherstellung eines idealen pH-Wertes benötigt. Der Körper kann also schwer erkranken – einzig, um das Blut zu retten. Droht dem Blut Übersäuerung und erhält es über die Nahrung nicht, was es braucht, zieht es vorübergehend alkalische Mineralien aus den Körpergeweben ab: aus dem Skelett, den Nägeln, der Haut oder den Haaren. Denn „Blut ist Leben“. Man beachte: Es heißt nicht, „Körper ist Leben“. Ist das Blut zerstört, stirbt der Mensch.
Abd-ru-shin (1875–1941)1 sagte in einem seiner Vorträge, die in der Reihe Im Lichte der Wahrheit erschienen sind, die Erstrangigkeit des Blutes ergebe sich aus der besonderen Funktion, die das Blut dem physischen Körper leistet: „Es soll die Brücke bilden für die Tätigkeit des Geistes auf der Erde, also in der groben Stofflichkeit. Das klingt so einfach und trägt doch in sich den Schlüssel allen Wissens über Menschenblut.“
Das Blut scheint nun jenes Medium zu sein, mittels dessen sich die Schwingung der individuellen menschlichen Seele (also alle Gefühle, Gedanken und Erinnerungen) auf den fleischlichen Körper überträgt. Ein „schwerblütiger“ Mensch mag zu lange zu schwere Gedanken und Gefühle gehegt haben. Das Blut eines „Heißblütigen“ gerät schnell in Wallung, da er sich hitzige Gefühle erlaubt. „Blutleeres Gerede“ mag jemand von sich geben, der mit seinen Gefühlen zu haushälterisch umgeht, während der „Geistreiche“ in Wirklichkeit reich an Gemüt (Seele) ist.
Christopher Vasey schreibt in seinem Buch Das Blut-Geheimnis, dass die ätherischen Schwingungen, also die Ausstrahlung des Blutes, vom Geist als Brücke benutzt würden. Die Kraft, Gesundheit und Beschaffenheit dieser Ausstrahlung wird von der Seele (also den Gedanken und Gefühlen) wie auch von der physischen Beschaffenheit des Blutes beeinflusst. Mit anderen Worten: Schlechte Gedanken und Gefühle können die Blutausstrahlung derart schwächen, dass sich ein krankes Blutbild ergibt. Ein schlechtes Blutbild (z. B. hervorgerufen durch schlechte Ernährung) schwächt seinerseits die Ausstrahlung und gibt der Seele sehr schwierige Bedingungen auf. Bei drastisch verschlechterter Blutqualität wird ein sonst fröhlicher, umgänglicher Mensch ängstlich, sorgenvoll, gar depressiv.
Dass Mangelerscheinungen psychische Veränderungen hervorrufen können, weiß man mittlerweile. Enthält das Blut eines Menschen zum Beispiel zu viel Blei, ist er falschen Wahrnehmungen unterworfen. Man sieht, hört und fühlt Dinge, die nicht existieren. Laut Christopher Vasey ist der Gehalt an Blei wie auch an anderen toxischen Mineralien im Blut bei Strafgefangenen stark erhöht; gemäß einer Studie doppelt so hoch wie bei der übrigen Bevölkerung. Ernährungsexperimente in amerikanischen Gefängnissen zeigten, dass Gefangene, die eine Diät reich an Früchten, Gemüsen, Getreide, Vollkornbrot, Vitaminen und Mineralien erhalten hatten, bald weniger aggressiv und gewalttätig waren, sondern ein sehr viel ruhigeres und fröhlicheres Temperament zeigten. Zu hoher Kupfergehalt (über 143 mcg pro 100 g Blut) wiederum macht reizbar, cholerisch, aber auch deprimiert und paranoid. Senkt man daraufhin den Kupfergehalt im Blut durch Zink, sieht der Betroffene schnell wieder das Leben mit Freude und Liebe. Steigt die Kupferkonzentration wieder, fällt er ins alte Verhalten. Wohlverstanden: Der Mensch hat es immer in der Hand, trotz schlechter Blutqualität freundlich und umgänglich zu sein, doch es strengt ihn viel stärker an.
Dass psychische Fehlentwicklungen eine organische Ursache haben können, zeigte ein Versuch mit Freiwilligen, die über drei Monate auf die Einnahme von Vitamin B1 völlig verzichteten. Ausnahmslos alle waren reizbar, deprimiert und in großer Sorge, dass ihnen ein Unglück zustoßen könnte. Einige zeigten sogar Todessehnsucht. Nach sechs Monaten wurden die physischen Wirkungen so schmerzhaft (Kopfweh, Übelkeit, heftiges Erbrechen), dass die Forscher beschlossen, das Experiment abzubrechen. Die Versuchspersonen dachten, es ginge weiter, und ahnten nicht, dass ihnen bereits wieder Vitamin B1 verabreicht wurde. Nach einigen Tagen schon fanden sie ihre Lebensfreude und innere Klarheit wieder, waren liebenswürdig, kooperativ und unternehmungslustig. Diese Wandlung konnte nicht von einem Placebo-Effekt herrühren!

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