Die Gedanken wohnen nicht im Hirn!

Offiziell ist das Gehirn der Hort unseres Bewusstseins. Dumm nur, dass die wissenschaftlichen Fakten diese Vorstellung klar widerlegen.

Pam Reynolds (rechts unten) erlebte 1991 ein Nahtoderlebnis während einer Gehirn-OP, die wie ein wissenschaftliches Experiment ganz genau dokumentiert wurde.

Wer „Stroh im Kopf“ hat, gilt als nicht besonders klug, wer „sein Hirn einschalten soll“, muss endlich anfangen nachzudenken und wer „nicht alle Tassen im Schrank“ hat, dem fehlt angeblich etwas Entscheidendes im Oberstübchen. Hinter solchen Formulierungen steckt eine verbreitete Vorstellung: Denken, Bewusstsein und Persönlichkeit sitzen im Gehirn – dabei gibt es Leute, denen fast das ganze Gehirn fehlt und die dennoch ein normales Leben führen, ja sogar Mathematik studiert haben.

Wiederum andere konnten ohne ihre Augen sehen, als sie zum Beispiel auf einem OP-Tisch lagen und für kurze Zeit gehirntot waren. Wie also kann das Gehirn dann der Sitz unseres Bewusstseins sein? Die Frage stellt sich schon allein, weil das, was den Menschen ausmacht – eine Willensäußerung oder ein Vernunftentscheid –, sich in den Gehirnwindungen gar nicht so abbildet, wie man es erwarten würde.

„Die Neurowissenschaft liegt wegen ihrer materialistischen Voreingenommenheit in vielerlei Hinsicht grundlegend falsch. Es gibt in der Neurowissenschaft überwältigende Beweise für die Existenz einer Seele.“ Das sagt Dr. Michael Egnor, einer der führenden Neurochirurgen der Welt. Er ist Professor an der Stony Brook Universität im US-Bundesstaat New York und kann auf eine wissenschaftliche Karriere von 40 Jahren sowie mehr als 7'000 durchgeführte Hirnoperationen zurückblicken. Und natürlich war auch er als junger Forscher ein bekennender Atheist und Materialist. Denn alles andere würde eine erfolgreiche berufliche Laufbahn gefährden, sagt er. „Deshalb sind Neurowissenschaftler selten, die offen sagen, dass wir eine Seele haben.“ Seine Erfahrung indes hat Egnor genau das gelehrt. Tatsächlich ist diese so überwältigend, dass der Neurochirurg im Juni 2025 ein Buch darüber veröffentlicht hat: The Immortal Mind (Der Unsterbliche Geist) wolle die Menschen wissen lassen, „dass wir, wenn wir die Wissenschaft objektiv betrachten und uns die Beweise wirklich ansehen, eine Seele haben; dass unsere Seele über immaterielle Kräfte wie Vernunft und freien Willen verfügt – und dass unsere Seelen unsterblich sind.“

Deshalb sei wahre Wissenschaft denn auch kein Feind der Gläubigen. Der Katholik Egnor hält es mit Albert Einstein, dessen wohl berühmtester Ausspruch lautet: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“

Das Gespenst in der Maschine

Im 17. Jahrhundert glaubte der Philosoph René Descartes, dass Lebewesen eine Art Fleischmaschinen sind, worin die Seele wie ein Gespenst herumspukt. Die Philosophen der Antike hingegen betrachteten das menschliche Wesen als Einheit von Geist, Seele und Körper. Deshalb huldigten sie auch nicht dem Gehirn wie unsere moderne Gesellschaft, sondern richteten den Blick vielmehr nach innen ins Herz. Sokrates lehrte beispielsweise, man müsse Kindern kein Wissen von außen eintrichtern, sondern die Schule habe die Aufgabe, den Schüler zu lehren, wie er das ihm bereits angeborene Wissen wieder aus seinem Inneren ins Bewusstsein hervorziehen könne. Wer hingegen Lebewesen bloß als biologische Maschinen betrachtet, kann sich natürlich auch nicht vorstellen, was Geist ist, geschweige denn erklären, was oder wer ihn erschuf.

„Der Materialismus ist eine Schachtel, und eine relativ kleine noch dazu“, so Egnor. „Als Materialist muss man versuchen, die gesamte Realität hineinzustopfen, aber die Realität passt nicht hinein.“ Weil eben die Natur beseelt ist und keine Maschine, so wie der Mensch auch. Aber das mechanistische Weltbild von Descartes prägt noch immer unsere Sichtweise, „obwohl die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse des letzten Jahrhunderts eindeutig auf die Existenz einer Seele und auf geistige Aspekte hinweisen, die nicht im Gehirn verankert sind“, betont der Forscher. Ausgerechnet die Epilepsie hat Michael Egnor auf die Seelenspur gelenkt, ein Phänomen, das er so intensiv erforscht hat wie kaum ein anderer. Epileptische Anfälle sind elektrische Entladungen im Gehirn, meist aus heiterem Himmel. Weil nicht jeder Anfall Bewusstlosigkeit verursacht, kann man die Betroffenen anschließend befragen. „Oft bleibt man bei Bewusstsein, während der Körper unkontrolliert reagiert. Wenn Menschen Anfälle im wachen Zustand erleben, bewegen sie möglicherweise ihren Arm oder spüren ein Kribbeln auf der Haut, empfinden eine starke Emotion oder haben sogar wiederkehrende Erinnerungen. Aber sie denken nie an Mathematik, Logik oder die Zehn Gebote.“

Das sei bemerkenswert: „In den letzten 200 Jahren gab es weltweit schätzungsweise 250 Millionen epileptische Anfälle bei Menschen. Aber nie wurde ein Fall bekannt, bei dem Vernunft oder freier Wille ausgedrückt wurde. Das ist schon seltsam, denn viele unserer täglichen Gedanken basieren auf Vernunft und freiem Willen. Doch genau das tritt nie in Erscheinung, wenn ein Anfall Hirnaktivität auslöst – es gibt schlicht keine mathematischen, logischen oder moralischen Anfälle.“

Das Gehirn – ein Organ ganz ohne Vernunft

Ärzte und Forscher provozieren seit Langem kontrollierte und abgeschwächte „epileptische Anfälle“, indem das Gehirn mit elektrischen Sonden gezielt stimuliert wird. Etwa 400'000 solcher Eingriffe am lokal betäubten und wachen Patienten hat man weltweit durchgeführt. Auch Michael Egnor machte schon oft Experimente zur „Wach- Hirnkartierung“ (Wachkraniotomie), wobei man die Menschen fragt, was sie bei der Stimulation einer bestimmten Hirnregion verspüren, fühlen oder denken.

Tatsächlich lassen sich auf diese Weise Erinnerungen und Gefühle hervorrufen. Und natürlich kann man durch die Manipulation des Gehirns auch die Wahrnehmung manipulieren (zum Beispiel „Stimmen im Kopf“ erzeugen) oder bestimmte Körperreaktionen und Muskelzuckungen auslösen. „Egal, wo man das Gehirn stimuliert, so lässt sich eine Person aber nicht dazu bringen, zu sagen ‚Eins plus eins ist zwei‘ oder ‚Wenn A, dann B‘. Oder zu sagen ‚Ich glaube, es ist gut, freundlich zu sein‘, was ja ein moralischer Standpunkt ist.“

Die Antwort liegt für den Neurochirurgen auf der Hand: „Vernunft und freier Wille sind keine materiellen Kräfte. Sie kommen niemals aus dem Gehirn, weil man das Gehirn nicht dazu bringen kann, sie zu erzeugen. Das Gehirn ermöglicht uns nur, diese auszudrücken – durch Sprechen, Schreiben und so weiter.“

Quellenangaben