Die Liebe ist eine Himmelsmacht

Wie Liebe den Kosmos zusammenhält. Wie sich ein Wasserstoffatom in Liebe paart. Was es mit Dualseelen auf sich hat, und weshalb die Ehe die grösste Einweihungsschule auf Erden ist.

Am Anfang steht die Liebe.

Die Liebe ist die Ur-Schöpferkraft, ohne die kein Stern, kein Stein, kein Mensch, kein Baum geboren wäre. Alle Energie und Substanz, die aus den Tiefen des Alls zu uns kommt, um sich in einem Menschen, einem Baum oder einem Stein zu manifestieren, ist nichts anderes als die Ursubstanz des Schöpfers. Tatsächlich ist die Liebe die stärkste physikalische Kraft im Universum. Sie ist es, die Planeten in ihrer Bahn hält und für das Phänomen des Zusammenhaltens verantwortlich ist, das wir gemeinhin ‚Kohäsion' nennen.

Liebe

Wer willig ist, anzunehmen, daß eine bislang so technisch begriffene Kraft wie die der Kohäsion im Grunde ein Akt der Liebe ist, muß sich auch dem Gedanken öffnen, daß alle scheinbar ‚tote', mechanistische Schöpfung in Wirklichkeit höchst lebendig ist, beseelt, individuell und intelligent.

Sphären ineinander lenkt die Liebe, Weltsysteme dauern nur durch sie.

Friedrich Schiller

Max Planck, der große deutsche Physiker, erkannte: „Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente, noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewußten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare und vergängliche Materie ist das Reale, Wirkliche, Wahre ­ denn die Materie bestünde, wie wir gesehen haben, ohne diesen Geist überhaupt nicht ­ sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. Da es aber Geist an sich allein auch nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: GOTT."

Die ganze Schöpfung ein Kind der Liebe

Gott ist Wille, Weisheit und Liebe. Die Liebe, der dritte Aspekt, ist seine Schöpfung. Vater-Gott (Wille, Macht) und Mutter-Gott (Weisheit, Heiliger Geist) bringen die Liebe, den Christus hervor. Alle Schöpfung, vom Universum bis zum kleinsten Teilchen, ist ursprünglich als Emanation der Liebe hinausgesandt worden.

Doch braucht Gott einen Körper - ­ unzählig viele, genaugenommen, und dies auf allen erdenklichen Entwicklungsstufen. Körper, die von individuellem, wesenhaftem Bewußtsein ‚bewohnt' werden. Das Samenkorn vermöchte sich nur mangelhaft zu einer Pflanze zu entwickeln, wäre da nicht intelligentes Bewußtsein, das ihr das Muster, den Bauplan vorgäbe und sie konstant mit Energie versähe. Auch der Mensch ist als Zufallsschöpfung undenkbar, das gestehen selbst streng ‚naturwissenschaftliche' Physiker mittlerweile ein. Physiker Paul Davies: „Eine einfache Statistik zeigt bald, daß die Wahrscheinlichkeit eines spontanen Auftretens der DNS, jenes komplizierten Moleküls, das den genetischen Code enthält, als Ergebnis planloser Verkettungen der im Urbrei enthaltenen Moleküle nahezu unvorstellbar gering ist. Es gibt so viele mögliche Molekülkombinationen, daß die Aussicht, die richtige könnte sich durch blinden Zufall einstellen, praktisch null ist." Sein Fazit: „Entweder sehen wir Gottes Wirken in allem oder nirgends."

Wie entsetzlich öde die Weltsicht des Physikers Richard Dawkins, der in seinem Buch ‚Das egoistische Gen' den Menschen so definiert: „Wir sind Überlebensmaschinen - ­ Roboter, blind programmiert, zur Erhaltung der selbstsüchtigen Moleküle, die Gene genannt werden."

Ich möchte wissen, wie Gott diese Welt erschaffen hat.

Albert Einstein

Würde die Schöpfung auf Selbstsucht basieren, wäre sie nicht, oder längst nicht mehr. Schöpfung ist Liebe und Liebe ist Geben, und das freimütige Geben, statt selbstsüchtig zu verlangen, ist eines der Grundprinzipien in der Natur. Mittels Kirlian-Fotografie gelang es zu sehen, wie sich zwei abgerissene Blätter verhalten. Das eine lag schon Stunden auf dem Tisch und war nahe am Welken, als das andere, frisch abgerissene daneben gelegt wurde. Augenblicklich begann das noch frischere Blatt -­ ohne einen ‚Gedanken' an seine damit vielleicht beschleunigte ‚Erschöpfung', das müdere Blatt mit Energie zu versehen. Auf der Kirlian-Fotografie manifestierte sich dies als Lichtbrücke vom noch stark zum bloß noch schwach vitalen Blatt. Wie bewußt strahlen wir unsere Liebe Menschen zu, die nach ihr dürsten?

Ein Wasserstoffatom lebt in Liebe

Im Gegensatz zum Menschen hat die Natur selbst in ihren kleinsten Wesen die Liebe nicht verlernt. Betrachten wir einmal ein Wasserstoffatom. Es steht am Anfang der Elemente, mit einer ‚Sonne' (Atomkern) und einem ‚Planeten' (Elektron). Immer näher zieht sich dieses Elektron in individuellen Bahnen an den Atomkern heran. Auf einmaligen elliptischen Bahnen, näher und näher, wie die Wolle eines Knäuels, der sich entspinnt. Es ist fast so, als würde der Atomkern das Elektron immer näher zu sich ziehen, es ‚einatmen'. Wenn die Verschmelzung vollzogen ist, wird das nächst höhere Element geboren: Helium, eine ‚Sonne', die nun von zwei ‚Planeten' umkreist wird. Das Atom hat sie sozusagen ausgeatmet. Das Heliumatom hat eine höhere Schwingung als das Wasserstoffatom, denn es hat als bewußte, intelligente Wesenheit viel gelernt auf seinem Weg. Ein Sauerstoffatom stellt ein intelligentes Lebewesen dar, das bereits siebenmal über sich hinausgewachsen ist und seine Grenzen gesprengt hat. Es ist eine Musik aus acht zusammenklingenden Tönen (alle Elektronen senden nämlich harmonische Töne aus) und hat alle sieben Entwicklungsschritte einer Grundoktave durchlaufen! Doch auch es will immer nur das eine: Wachsen, lernen, sich höher entwickeln. Gold beispielsweise steht schon auf ‚Stufe' 79, stellt also einen ziemlich hohen Entwicklungsstand dar! Der Mensch, nebenbei gesagt, zerstört das höchstentwickelte Elemente, das wir auf der Erde kennen: Uran (Stufe 92). Richtig gebraucht, könnte Uran ungeahnte Heilkräfte freisetzen.

Jedes Elektron hat -­ im Gegensatz zu vielen Menschen - ­ also ein festes Ziel, dem es unbeirrt und mühelos folgt. Der Akt der Anziehung im Atom ist eine Folge der Liebe, die immer danach strebt zu lernen und näher an die Vollkommenheit zu gelangen.

Eine Kathedrale war einst ein Sinnbild hoher, geistiger Liebe und Anbetung. Die aufstrebenden Fenster und Pfeiler einer gotischen Kathedrale scheinen ein steingewordenes ‚Näher, mein Gott, zu Dir'. Früher waren solche Kathedralen mächtige Kraftpunkte, Fokusse des Lichts, zu denen die Menschen mit Gott-gerichteten Gedanken strömten, um sie gestärkt und ‚aufgerichtet' wieder zu verlassen. Tiefe Achtung, Anbetung und Liebe brachten sie mit, wenn sie die Pforten des Gotteshauses durchschritten. Heute bringen sie Fotoapparate, Verdauungsbeschwerden und Ärger über die viel zu teuren Souvenirs in die Dome hinein. Kein Wunder, fallen diese allmählich auseinander. Natürlich nagen auch die giftigen Substanzen und aggressiven Störschwingungen an ihren Mauern. Indes: Wo die Liebe fehlt, fällt alles auseinander. Seien es Ehen, Eltern-Kind-Beziehungen, Autobahnbrücken oder Staaten. Kein Wunder, daß bei einem strengen, sadistischen Lehrer alle Kinder dümmer sind. Lernen heißt lieben, und wo keine Liebe ist, ist auch der Lernerfolg gering - ­ das wußten schon die Erfinder von Pädagogik und Pädophilie, die alten Griechen.

Lieben wir die Welt gesund!

Der Mensch lebt in einem Meer von göttlicher Liebe und bemerkt es nicht. Der Ozean der Liebe, der alle Schöpfung umgibt und durchtränkt, ist so immens, daß der menschliche Verstand sich ihn nicht vorstellen kann. Er kann nur durch das Herz erfahren und durch unsere vier niederen Körper projiziert werden- das, was wir gemeinhin ‚Seele' nennen. Dieser Ozean der Liebe, der beständig wogt, nährt und erhält den Fortschritt der ‚Seelen' aller Menschen, so sie sich nicht willkürlich davon abzuschneiden versuchen. Es ist so einfach, diese Liebe anzunehmen. Es genügt, mit offenem Herzen und Dankbarkeit die Schönheiten der Natur ­ - auch eine Offenbarung der Liebe ­ - zu bewundern, und der mächtige Strom der Liebe beginnt zu fließen. Wehe dem, der Staumauern errichtet und die empfangene Liebe nicht weitergibt! Es sind immer Mauern aus Angst oder einer ihrer Maskeraden - Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Ablehnung ­ - und sie sind wirkungsvoll. Spinnen den Menschen in ein Kokon der Dunkelheit und Depression, der die Liebe abprallen läßt.

Wir alle sind Wesen der Liebe. Unsere Aufgabe ist es, alles zu lieben, und heute: Die Welt, die Menschen, die Natur wieder gesund zu lieben. Wie man dies bewerkstelligen soll? Indem man in allem die Vollkommenheit sieht, indem man die Liebe durch sich strömen läßt wie den Atem, der uns den ‚Heiligen Geist' des Lebens bringt. Die Lösung ist nicht, wegzuschauen. Davon ändern sich die Dinge nicht. Wir müssen hinschauen, auch wenn wir Entsetzliches sehen sollten. An uns ist es schließlich, mit der Kraft der Liebe alles zu transfigurieren - ­ und wie können wir das, wenn wir Scheuklappen tragen und uns egoistisch auf unsere kleine Insel der Seligkeit zurückziehen? Auch dies ist eine Art, Mauern zu errichten, da wir bestimmen wollen, was unserer Aufmerksamkeit und Liebe wert ist, und was nicht. Gerade das Unvollkommene, Geknechtete sehnt sich danach, in die Freiheit und Vollkommenheit zurück geliebt zu werden!

Wozu sind kleine Buben da? Um Lastwagen zu lieben, je lärmender, desto geliebter, und ‚eklige' Spinnen und Ratten und Preßluftbohrer... Letztlich ist auch ein Lastauto aus göttlichen Elektronen zusammengesetzt, genauso wie der Kehrichteimer und die Kühltürme unserer antichristlichen Atomkraftwerke. Antichristlich? Der Christus verkörpert die göttliche Liebe, und Atomzertrümmerung kann nur das Gegenteil
davon sein.

Und wozu sind große Buben da? Um nette Mädchen zu lieben. Damit die Schöpfung, der Dritte Aspekt Gottes, sprich die Liebe, nicht versiegt und wieder kleine Buben auf die Welt kommen, die arme Lastwagen lieben...

Wobei wir bei der Liebe zwischen Mann und Frau angelangt wären. Ah, Sie merken schon: Jetzt wird die Sache kompliziert. Jetzt kommen wir ins Spiegelkabinett der übersteigerten Erwartungen, unerfüllten Sehnsüchte und undefinierbaren Ängste. Da gibt es diese Ikonen ewiger Liebe, die an der Wand hängen und im Fernsehen in unsere Herzen flimmern und uns einflüstern: So und nicht weniger. Ganz egal wie elend und traurig sie geendet haben mögen, die Heloise und Abaelard, Tristan und Isolde, Lord Nelson und Lady Hamilton: So hoch, so romantisch, so ewigflammend muß sie sein, die Liebe zur Einzigen, Einen, Ewigen

Sehnsucht nach der ‚verlorenen Hälfte'

Seit einigen Jahrzehnten, seit manch ein Schleier sich gelichtet hat, wissen Suchende, daß diese Sehnsucht einen realen Hintergrund hat: Die Dualseelen, die Zwillingsseelen, auch ‚Twin Rays' genannt. Sie sind kein Mythos, wenn auch beinahe so selten wie ein Einhorn auf einer Waldlichtung. Der Mensch ist ein getrenntes Wesen, seit aus der androgynen Ganzheit bei seiner Schöpfung zwei geschlechtliche Geschöpfe gemacht wurden: Hie Mann, da Frau, hervorgegangen aus dem gleichen göttlichen Funken, Zwillinge kosmischer Herkunft, füreinander bestimmt in alle Ewigkeit. Heutzutage hat sich eine Manie breit gemacht unter den spirituell aufgeweckteren Seelen: So viele sind auf der Suche nach ihrer verlorenen Hälfte, ertrinken in dieser Sehnsucht und werden blind für all das andere, was das Leben ihnen bereithält. Tatsächlich ist aber die Wahrscheinlichkeit, seinem wahren Seelengefährten, der verlorenen Hälfte zu begegnen, winzig klein. Die Trennung kann Jahrzehntausende, gar Jahrmillionen zurückliegen, und das Tempo und die Zielstrebigkeit, mit der beide sich entwickelt haben, beträchtlich auseinanderklaffen. Was, wenn der einzig wahre Geliebte gerade in der Fremdenlegion seinen Dienst tut? Wenn er sein Geld als Drogenschieber verdient? Wenn die verlorene Hälfte in einer Kabine im Rotlichtbezirk von Amsterdam sitzt oder gebückt als alte Bäuerin auf einem Feld irgendwo in Südbulgarien Kartoffeln erntet? Vielleicht gehört sie zu den etwa fünf Milliarden Lebensströmen, die augenblicklich nicht physisch auf Erden inkarniert sind.

Zudem: Was versprechen wir uns von der Beziehung zum Einen und Einzigen? Daß die Wäsche sich von selber wäscht, die Kinder Engelchen sind, der Bürostress sich durch den Kamin verflüchtigt und wir nur noch ganz und gar Göttlich Liebende sind? Vielleicht ist die Gefahr einer Weltflucht größer, wenn zwei Dualseelen sich getroffen haben. Dann wird das Leben sie schmerzlich in die Wirklichkeit zurückholen, denn schließlich sind wir dazu da, etwas zu lernen, dem Leben Leben zu geben und nicht, uns auf eine private Insel der Träume zurückzuziehen. Wenn zwei Dualseelen diese Gefahr der Selbstversponnenheit nicht meistern können, mag sich ein gemeinsames Leben, so ideal es auch scheint, zu ihrem Nachteil entwickeln - ­ weil sie nicht tun, was sie tun sollten und was zu tun sie gekommen sind. Und wenn sie es tun, dann mag sich eine Beziehung zwischen Dualseelen nicht mehr so sehr von anderen Beziehungen mit hohem Ideal unterscheiden - ­ außer vielleicht, daß zwei besonders gut im Gleichtakt schwingen, daß sie sich untrennbar verbunden fühlen, wissend, daß sie wirklich ‚zuhause' angekommen sind. Unsere höchst irdischen Gefilde sind ein ungeeigneter Platz, um eine wahrhaft himmlische Liebe angemessen zu leben. Der einzige Trost, den wir bei unserer ‚verlorenen' Dualseele haben: Sie läuft uns ganz, ganz bestimmt nicht davon. Irgend einmal, am fernen Horizont einer zeitlosen Zeit, in einem herrlichen, raumlosen Raum werden wir sie wiedergefunden haben, und niemand wird sie uns jemals wieder wegnehmen!

Die Ehe: eine intensive Lebensschule

Im Klassenzimmer Erde, in das wir uns eingeschrieben haben, um zu lernen, läuft die Sehnsucht nach der Dualseele manchmal darauf hinaus, daß man etwas haben statt etwas geben will. Hat ein Mensch verstanden, daß das Leben kein ruhiger Hafen sein sollte, in dem man für immer vor Anker geht, um unbeweglich in seichten Gewässern zu dümpeln, dann spürt er auch, daß es kein wirkliches ‚Ankommen' gibt ­ - und ganz bestimmt nicht in der äußeren Welt und nicht durch den ‚idealen' Partner. Unsere Aufgabe ist es, in die Vollkommenheit zu wachsen, und die Vollkommenheit kennt kein Ende. Also geht die Reise ewig weiter, müssen wir Leben auf Leben, Stufe auf Stufe weiter danach trachten, ‚ins Volle zu kommen' ­ - um zu entdecken, daß es ein Kreis ist, der sich ewig weitet.

Die Ehe

Was viele Frischverliebte nicht ahnen: Die Partnerschaft, die Ehe ist eine der intensivsten und bisweilen härtesten Lebensschulen. Wir wählen nicht den Partner, der am reibungslosesten zu uns paßt, sondern den, mit dem besonders viel Reibung entsteht, da wir mit ihm am meisten lernen können. Damit wir das nicht merken, wird uns anfänglich viel, viel Glimmer in den Gefühlskörper gestreut. Die ‚Phase der Verliebtheit' nennt man diese Zeit, in der man irgendwo zwischen Kind und Engel schwebt. Das Ego ist ganz verbannt, wir sind ganz hingegeben dem anderen, bereit, alles für ihn oder sie zu tun. Es ist die Phase der Verklärung, in der wir unsere Liebe fest ineinander verankern sollen, damit uns das, was danach kommt, nicht so schnell wieder auseinanderreißt. Denn kaum ist sie verflogen, nach ein paar Monaten oder ein paar Jahren, meldet sich das Ego wieder, grenzt sich ab, bäumt sich auf, pocht auf seine Rechte und sein Territorium. Und das ist auch gut so. Denn schließlich soll es durch jedes Leben hindurch etwas mehr geläutert werden, und das bedeutet, die Ecken und Kanten bewußt abschleifen zu lassen - ­ und wer eignete sich dazu besser als ein liebender Lebenspartner?

Die Krise, in der heute Beziehungen weitherum stecken, hat mit dem übersteigerten, romantischen Liebesideal zu tun und damit, daß die Menschen meinen, jener Partner sei der richtige fürs Leben, der die erdbebenähnlichsten Gefühle bei ihnen auslöst. Die Beziehung soll einen Rauschzustand vermitteln, und gesucht wird im Grunde die ewigwährende Sucht nacheinander. Der Partner soll möglichst den Himmel auf Erden verheißen, die Liebe zu ihm die ganze Erfüllung eines Lebens - ­ eine Erfüllung, die sich paradoxerweise aber niemals erfüllen soll, sondern als leidenschaftliches Begehren ewig weiterzüngeln. Die Anziehung solcher Partner beschränkt sich - ­ esoterisch gesehen -­ auf die zwei niedersten Körper: Den physischen und den Gefühlskörper. Die Gefühle wallen, die Körper drängen zueinander. Kommt der Ätherkörper hinzu, in dem unsere Erinnerungen gespeichert sind, handelt es sich vermutlich um eine karmische Beziehung: Die beiden Partner erkennen einander wieder, ohne es zu wissen. Die ‚Liebe auf den ersten Blick' ist ein klassischer Indikator für eine karmische Beziehung, die Liebe von Zweien, die aneinander leiden, und doch nicht voneinander lassen können, ebenso. ‚Karmische Beziehung' bedeutet, daß die beiden Lebensströme sich in einem oder mehreren früheren Leben kannten, und daß sie bereits gemeinsam Schicksal geschaffen haben, das sie nun weiterspinnen oder auch erlösen sollen. Ehepartner brauchen keineswegs früher immer Ehepartner gewesen zu sein, es kann sich auch um eine(n) unglückliche(n) Geliebte(n) handeln, um eine frühere Eltern-Kind oder Herrschafts-Knecht-Beziehung. Jedenfalls wurde gemeinsam oder einseitig geliebt oder gelitten, und die unvollkommene Gefühlsenergie, die dabei entstand, wartet nun darauf, von denselben Lebensströmen wieder erlöst zu werden. Hin und wieder trägt der eine Partner dem andern gegenüber eine karmische Schuld, die er nun in einer vielleicht schwierigen Ehe liebevoll abtragen sollte. Scheitert er, oder zieht sich aus der Verantwortung, dann wird die gleiche, manchmal verschärfte Erfahrung einfach in einem späteren Leben auf ihn warten.

Partnerschaften schaffen immer karmische Verbindungen. Genaugenommen entstehen sie bereits bei einer körperlichen Vereinigung, auch wenn beide Partner keine darüber hinausgehende Beziehung eingehen wollen. Wer also wahllos viele Partnerschaften eingeht und womöglich dabei noch rücksichtslos viele Herzen bricht, der häuft in nur einem Leben ein beträchtliches Beziehungs-Karma an, das er irgendwann irgendwie wieder gutmachen muß.

Sieben Körper, um zu lieben

Der Mensch hat außer seinem sichtbaren, physischen Körper noch sechs weitere. Vier Körper sind unvollkommen und machen das aus, was man gemeinhin als ‚Seele' bezeichnet, drei sind göttlich vollkommen und unempfänglich für die Unvollkommenheiten, die der Mensch erschafft. Diese sieben Körper sind unterschiedlich polarisiert, und es ist immer der höherliegende, der den tieferen in der Kette stimuliert. Der physische Körper als tiefster in der Kette wird deshalb vom ‚psychischen' Körper, sprich hauptsächlich von den Gefühlen beeinflußt. Haben wir Angst statt Liebe, muß sich dies irgendwann als Krankheit im physischen Körper manifestieren ­ und nur zu oft dort, wo die wahre Liebe ein und ausströmen sollte: Im Herzen. Es ist daher auch sehr schwierig, Herzkrankheiten erfolgreich zu therapieren, solange das Individuum es nicht wagt, seine Ängste loszulassen, die die Ursache für die Krankheit sind.

Betrachten wir kurz die verschiedenen Aufgaben der sieben Körper des Menschen: Der siebte, höchste, befindet sich auf der Ebene des ‚Alles ist Eins und Eins ist Alles'. Hier gibt es nur die absolute Harmonie und die Neigung der Energiepartikel zur Vereinigung.

Die sechste Ebene ist die Ebene des konkreten Geistes, und hier teilt sich die Energie in sieben verschiedene Qualitäten oder Strahlen auf. Jedes Individuum trägt die Prägung eines bestimmten Strahls, den es selbst erwählt hat.

Die fünfte Ebene ist die der konkreteren Individualisation und zugleich die Ebene des hohen, göttlich inspirierten oder auch abstrakten Denkens.

Von der vierten Ebene an begeben wir uns in die unvollkommene Welt menschlicher Schöpfungen und Prägungen. Hier finden wir die Ätherwelt mit den Aufzeichnungen vergangener Gedanken, Gefühle und Taten.

Die dritte Ebene ist jene des konkreten Denkens, die untere Mentalebene.

Die vierte Ebene ist jene der menschlichen Gefühle; auch Astralwelt genannt. Sie ist ebenfalls die Daseinsebene der Naturgeistwesen und der Engel.

Die erste Ebene schließlich ist die manifestierte, physische Welt - ­ das, was wir mit unseren Augen sehen und unseren Händen greifen können.

Eine Liebe zwischen Partnern ­ - und dazu müssen sie nicht Dualseelen sein ­ - kann dann Vollkommenheit erreichen, wenn sie sich in allen sieben Körpern beider Partner manifestiert. Die meisten Partnerschaften werden jedoch nur mittels Gefühlen, Erinnerungen und im Fleische geschlossen - ­ sie schließen also vier von sieben Körpern aus. Verspürt im Verlaufe der gemeinsamen Jahre dann ein Partner den Wunsch, sich geistig weiterzuentwickeln und benutzt er dazu den vordem beinahe inaktiven Mentalkörper, und geht der andere Partner nicht den gleichen Weg, dann verspürt der fortschreitende auf einmal eine quälende Unerfülltheit: Die Energie kann nicht hin- und zurückfließen in jenem Bereich, der ihm gerade am wichtigsten ist. Eine ungestillte Sehnsucht mag dazu führen, daß z.B. die Frau, die geistig sucht, sich einem Manne anschließt, der den gleichen Weg geht ­ vorerst nur rein auf der mentalen Ebene. Meist ist es jedoch so, daß diese Vereinigung mit einer anderen Person als dem eigenen Ehepartner auf einer höheren Ebene zur Folge hat, daß die Energie auf dieser höheren Ebene kurzgeschlossen wird. Anstatt daß die Energie durch die übrigen Körper bis in den physischen weiterflösse, um dann über die Fortpflanzungsorgane wieder zurückzukehren, fließt sie in geistiger Form zum geistigen Gefährten. Die Gefühle dieser Frau gegenüber ihrem Ehepartner werden ohne ihre Schuld auf einmal so leer sein wie ein Flußbett unterhalb der geschlossenen Scheunentore, die das Wasser in eine andere Richtung gelenkt haben.

Nun ist es allein eine Frage der Moral, ob die geistige Freundschaft platonisch bleiben wird oder nicht. Die kosmische Energie fließt durch alle sieben Körper des Menschen abwärts, und nur diese Körper sind es, die ihr eine bestimmte Prägung aufdrücken. Die Energie an sich ist vollkommen neutral. Läßt der Mensch zu, daß dem Druck der Energie nachgegeben wird, ergießt sie sich in den Gefühls- und physischen Körper, und aus den platonisch liebenden Weggefährten wird auf einmal ein Liebespaar.

‚Drum prüfe, wer sich ewig bindet' - ­ das bekannte Sprichwort erhält so einen viel tieferen Sinn. Es ist ein großes Risiko, in jungen Jahren, wenn der Mentalkörper noch nicht richtig erwacht ist, geschweige denn, sich im Normalfall die Spiritualität bemerkbar gemacht hat, nur aufgrund körperlicher oder gefühlsmäßiger Anziehung zu heiraten. Haben beide Partner bereits den Wunsch, einen geistigen Weg miteinander zu beschreiten, dann sieht die Sache anders aus. Sonst aber ist das Risiko unberechenbar groß, daß irgendwann der eine zurückbleibt und nicht gemeinsam mitwachsen will. In einer solchen Partnerschaft noch Erfüllung zu finden ist unmöglich. Es kann sich bestenfalls um ein Durchhalten handeln, weil das einmal gegebene, heilige Versprechen hochgehalten wird.

Herrlich sind jedoch die Verheißungen der vollendeten Ehe - ­ und natürlich ist der Weg zu ihr steinig und schmal. Können zwei Menschen gemeinsam höher steigen und einen Körper nach dem anderen miteinander vereinigen, erfahren sie jedes Mal einen anderen Aspekt der Liebe, der zur innigen Verbindung beiträgt.

Auf der körperlichen Ebene wird ihnen die lustvolle Vereinigung Harmonie und Ruhe im Nervensystem gewähren. Auf der Gefühlsebene wird die Liebe Wünsche und Ziele zu einem verbinden und die Persönlichkeiten miteinander verknüpfen. Erwerben sie einen gemeinsamen Wissensfundus, vergrößert sich ihre Kameradschaft. Glauben sie an dieselben Ideen und Prinzipien, führt dies ihr Leben auf den gleichen Weg. Spirituelle Ziele und Ideale der gleichen Größenordnung vervollständigen ihre Einheit -­ bis schließlich, wenn das Bewußtsein zur siebten Ebene des reinen Geistes emporgestiegen ist, die nunmehr zwischen zwei Seelen entstandene reine Liebe alle Begrenzungen übersteigt und das ganze Universum in den Bund ihrer Einheit einbeziehen wird. Diese zwei sind eins geworden und eins mit allem, was ist. Sie sind durch wahre göttliche Liebe verbunden, und göttliche Liebe trennt nicht, sie verbindet. Sie schließt alle Häßlichkeiten des Egos wie Besitzgier, Eifersucht, Neid, Mißgunst aus: Wer göttlich liebt, liebt alle und alles, und wenn er irgendeinen Teil des Lebens ausschließt, dann liebt er nicht göttlich. Dann liebt er nicht wirklich, denn jede Liebe unterhalb dieser Ebene ist gemessen an der wahren Liebe so unvollkommen wie ein Deltaflieger gegenüber einem Vogel: Er stürzt ab, sobald die Winde ihn nicht mehr tragen. Menschliche Liebe versiegt, sobald sich der Mensch vom ewigen Fluß abschneidet ­ und das tut er im Augenblick, wo er die Persönlichkeit mit ihren Fallstricken die Führung übernehmen läßt.

Man kann nicht aus sich selber lieben

Der Mensch kann nicht aus sich heraus lieben. Dies ist so unmöglich, wie er nur noch ausatmen könnte. Mit der Liebe ist es wie mit dem Atem: Erst wenn er die göttliche Liebe in sich einströmen läßt, sie bewußt und dankbar an- und aufnimmt, sie das Herz weiten und glühen läßt, kann er sie vom Herzen aus auch hinaus zu allem Leben fließen lassen. Ein Mensch, der an nichts Höheres im Leben glaubt, ist meistens zynisch oder depressiv. Er hat sich mutwillig vom Zustrom abgewendet (ganz abschneiden kann er ihn nicht). Das, was er Liebe nennt, wird deshalb auch nicht mehr sein als der verzweifelte Versuch, das, was sich sein Herz natürlicherweise ersehnt, und was er ihm an göttlicher Liebe vorenthält, von einem menschlichen Ego zu bekommen: Dem vergötterten Partner, der aber unweigerlich aus seinem Olymp stürzen muß, versucht er, auch nur mit seiner niederen Persönlichkeit die Bedürfnisse seines Liebsten zu nähren. Solche Liebe muß sich gesetzmäßig erschöpfen, da das niedere Selbst, die Persönlichkeit, vielleicht eine Zeitlang eine gewisse Affektion hervorzubringen vermag (die sich nur zu oft auf der Ebene der Sexualität ausdrückt), aber so wenig in der Lage ist, die Liebe unendlich strömen zu lassen, wie ein Brunnen Wasser geben könnte, dessen Zuleitungsrohr unterbrochen wurde.

Ehen, vereint durch das kosmische Band

Bei einem Menschen, der den Zustrom von oben nicht zuläßt, fließt die Energie falsch: Der physische Körper ist es, der die Gefühle beeinflußt, statt daß die Gefühle den physischen Körper lenken würden. Die Hormone bestimmen nun seine ‚Liebesfähigkeit', und statt feiner Empfindungen kennt er nur grobe Wollust. Desgleichen das Denken: Es wird - ­ statt von den Inspirationen der höheren Ebenen - ­ von den tieferstehenden Gefühlen gelenkt: So ein Mensch will nicht wissen, sondern beweisen, er will nicht lernen, sondern recht haben.

Es gibt noch eine weitere Art der Verbindung, die jenen Seelen vorbehalten ist, die einen wirklichen Dienst auf Erden erfüllen wollen: Das kosmische Band. Gewisse Aufgaben können nur paarweise erfüllt werden, da die fließende Energie genau wie die Elektrizität der Polarität bedarf: Eines positiven (männlichen) und eines negativen (weiblichen) Pols. Die großen kosmischen Spannungen können nur durch ein Paar erhalten werden, das in der Polarität arbeitet. Ein Paar, das in dieser Weise tätig ist, kann ein Kanal für hohe göttliche Kräfte sein, die mit ungeheurer Macht durch das Paar hindurchströmen und nicht nur sie selbst magnetisieren, sondern auch ihre Umgebung. Die Fähigkeiten beider werden gewaltig verstärkt, ihre ganze Natur belebt und zur höchsten Vollendung ihrer Fähigkeiten gebracht. Es ist außerordentlich wichtig, daß beide Partner etwa gleich weit fortgeschritten und gleich stark sind, da sonst das Gefäß des einen buchstäblich im Kurzschluß durchbrennen könnte und die ungezügelt fließende Energie Schaden anrichten. Partner, die durch ein kosmisches Band verbunden sind, haben sich ihre Partner nicht ausgesucht, sondern sich den höheren Reichen auf den inneren Ebenen für bestimmte Aufgaben zur Verfügung gestellt. Durch die Weisheit der höheren Ebene wurden sie dann ihren Qualitäten und Fähigkeiten gemäß und entsprechend ihrer Strahlenzugehörigkeit miteinander verbunden.

In einer solchen Verbindung sind die Partner zuerst ihrer gemeinsamen Aufgabe hingegeben und dann einander. Sie wissen oder spüren zumindest, daß sie zusammen sind, um etwas ganz bestimmtes zu tun, das dem Wohl der Schöpfung dient. Dies muß die Liebe nicht schmälern, im Gegenteil. Dadurch, daß ein gemeinsamer Dienst sie einem Ideal verpflichtet hat, entsteht bereits ein hinaufziehender Sog in ihrer Verbindung, während Partnerschaften, wo die Liebenden alle Erfüllung vom niederen Selbst des Partners erwarten, in einer Art Leerlauf gefangen sind. Sie drehen sich im Kreise, und irgendwann empfinden sie dies als schal und langweilig. Partner, die ein kosmisches Band verpflichtet, sind vielleicht auch lernwilliger als andere.

Und ums Lernen geht es in jeder Partnerschaft - ­ selbst in der von Atomen. Treffen sich zwei Atome, um sich zum Molekül zu verheiraten, was tun sie dabei? Sie tauschen nach und nach ihre Informationen, ihr ‚Wissen' aus. Sie lernen aneinander, und ihre gleichen Informationen sind die Resonanzbrücke, auf der sie sich treffen. Jeder füllt die Unvollkommenheit des anderen solange mit seinem Wissen, bis sie solange miteinander ‚gesprochen', sich sosehr ‚geeinigt' haben, sich so nahe gekommen sind, daß sie nun gemeinsam reagieren. Als Partner haben sie vollkommen das Spiel von Geben und Nehmen gewagt, Impuls und Sog geübt. Nun schwingen sie gemeinsames Wissen, sind zu einer innigen Verbindung geworden - ­ zu einer Gemeinschaft miteinander singender Atome - ­ bereit zur Geburt eines noch komplexeren, höherentwickelteren Systems. Lieben ist Lernen, und alle zwölf Einweihungsschritte können in einer wahren Ehe erfahren werden - ­ einer, die nicht aufs Haben und Bekommen ausgerichtet ist, sondern, wie in den vollkommenen Reichen des Kosmos, einzig aufs Geben und Werden.

Gerade so, wie man in Brasilien zu sagen pflegt: „In der Liebe mußt du dreimal geben, bevor du einmal nehmen darfst."

Leserstimmen zum Artikel

Eure Artikel sind oft von so spirituellem Gehalt, daß ich sie immer wieder gern lese, und es mir jedesmal wieder so vorkommt, als kenne ich sie gar nicht; soviel neue Liebe entdecke ich jedesmal. Deshalb schicke ich Euch hiermit meine vollste Liebe.

T. K., DE-Lichtenberg