Britannien: Die verkannte Macht

Elizabeth II., seit siebzig Jahren Souverän Großbritanniens und des Commonwealth, befindet sich genau dort, wo die globalen Fäden der Macht zusammenlaufen. Denn das „British Empire“ bestimmt weltweit immer noch sehr viel mehr, als von außen ersichtlich ist.

Stets ohne Bares unterwegs, jedoch sehr reich an Geld und Gütern: Das Gesamtvermögen der Queen ist ein Geheimnis. – frizio/Depositphotos.com

Anfang Juni fanden die Feierlichkeiten zur 70-jährigen Herrschaft Königin Elisabeths II. in London und im ganzen Vereinigten Königreich statt. Ob die Königin noch am Leben ist, wenn Sie diese Zeilen lesen, wissen wir nicht; auffällig ist, dass sie seit dem Hinscheiden ihres Gatten, Prinz Philip, am 9. April 2021 zunehmend hinfällig wirkt und mittlerweile tatsächlich wie eine fragile 96-Jährige aussieht. Je älter sie wurde, desto mehr sah das Volk in ihr die süße Uroma, die gebrechliche und doch unermüdliche Pflichterfüllerin, wie sie es an ihrem 21. Geburtstag geschworen hatte, nämlich dass sie ihrem Volk bis zu ihrem Tode dienen würde, ob ihr Leben nun lang oder kurz sein werde.

England verlöre einen großen Teil seiner Magie, würde die Monarchie abgeschafft. Der Prunk und Pomp der regelmäßig wiederkehrenden Feierlichkeiten im Jahreskalender lässt die Menschen immer wieder geblendet auf das blicken, was sich präsentiert als das Zentrum der Macht in der Welt, während andere Machtzentren wie das Kapitol in Washington oder der Kreml in Moskau höchstens mit einer Militärparade oder alle vier Jahre mit der Einsetzungszeremonie eines Präsidenten ihren Glanz und ihre Macht demonstrieren. Tatsächlich ist dieser Eindruck näher an der Wahrheit, als wir ahnen. So gehen wir hier einigen Fakten nach, die zeigen, dass die Königin keineswegs, wie die Welt meint, nur eine Repräsentationsfunktion besitzt, die sich im Eröffnen von Ausstellungen oder des Parlaments, im Empfang und Besuch fremder Staatschefs und im Abnehmen von Paraden erschöpft, und schon gar nicht ist sie die Hauptdarstellerin in einer Seifenoper à la „Denver Clan“, wie das die Yellow Press ihre Leserinnen glauben lässt.

Die Krönung

Die Krönung Elizabeths II. am 2. Juni 1953 war ein Anlass, der vor Symbolik strotzte. So wurden ihre gesamten königlichen Insignien aus dem Tower in London geholt und für eine Nacht in der Jerusalem Chamber in der Westminster Abbey aufbewahrt, wo sich im 16. Jahrhundert die Gelehrten unter der Aufsicht von Sir Francis Bacon und Robert Fludd, des Großmeisters des Priorats von Sion, trafen, um die „autorisierte Übersetzung“ der King-James-Bibel zu verfassen. Bis heute besitzt die Königliche Familie das Urheberrecht dafür. Der Erzbischof von Canterbury sprach dieselben Sätze, die im Alten Testament bei der Krönung von Saul zum König von Israel verwendet wurden. Mit der Salbung wurde Elizabeth II. auch in den Rang einer Hohepriesterin der Kirche von England erhoben: „Wie Könige, Priester und Propheten gesalbt wurden, und wie Salomon von Zadok dem Priester und Nathan dem Propheten gesalbt wurde, so werdet auch Ihr gesalbt, gesegnet und geheiligt, Königin der Völker, die der Herr, Euer Gott, Euch übergeben hat, um über sie zu herrschen ….“. Der Erzbischof legte dann seine Hände in die der Königin, um dem neuen Oberhaupt seiner Kirche zu huldigen, und küsste ihre rechte Hand. Dann sagte er: „Der allmächtige Gott (…) schuf Euren Thron in Rechtschaffenheit; er soll bestehen wie die Sonne, die als treue Zeugin am Himmel steht.“ Dies ist eine fast wörtliche Wiederholung der Worte, die beim Bund Gottes mit König David im Alten Testament verwendet wurden. Elizabeth II. ist zu ihren Lebzeiten die mächtigste und reichste Frau der Welt. So reich, dass das englische Volk kein Anrecht darauf hat zu erfahren, wie reich sie tatsächlich ist.

Die mächtigste Frau der Welt

Sie ist jedoch nicht nur reich an Gütern, sondern auch an Macht. Parlamentarier, Richter, das Militär, Geheimdienstangestellte und selbst christliche Kleriker leisten allesamt einen Treue-Eid auf die Queen, wenn sie ihr Amt antreten, und nicht etwa auf das Volk. Es ist ihr Parlament, ihre Armee, ihr MI5, ihr MI6 (die Inlands- und Auslands-Geheimdienste) und ihre Kirche, und auch die englische Nationalhymne besingt einzig sie mit ihrem „God Save the Queen!“ (Gott schütze die Königin).

Sie ist die einzige Person im United Kingdom, die einen Krieg ausrufen und ihn auch für beendet erklären kann – nicht das Parlament oder der Premierminister, und wie sie dieses Recht zu verteidigen wusste, lesen Sie gleich noch. Jeder Gesetzesvorschlag des Parlaments benötigt die Einwilligung des Monarchen; das Parlament kann also nicht selbstständig Gesetze verfassen. Auch die Strafverfolgung geschieht im Auftrag des Monarchen, und Recht gesprochen wird an den „Gerichten Ihrer Majestät“.

„Ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht“: Dieser viel zitierte Satz verdeutlicht den weltumspannenden Einfluss des Commonwealth, der keineswegs erloschen ist.

Der Begriff „Majestät“ geht zurück auf „die Souveränität und Macht Gottes“, oder auch die „höchste Autorität oder Macht: die Erhabenheit des Gesetzes“. Die Queen bezeichnet das Volk als „meine Untertanen“, welche per Definition dem Herrscher unterstellt und zur Treue verpflichtet sind. Auch in der Nationalhymne werden die Worte „… auf dass Sie lang über uns herrsche“ gesungen, und Herrschaft bedeutet Kontrolle. So dienen auch die Botschafter des Vereinigten Königreichs ihrem jeweiligen Monarchen. Der Monarch ist der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, wie es in den USA der Präsident ist. So viel zu „nur repräsentative“ Aufgaben!

Wer glaubt, dass die Queen unbesehen alle parlamentarisch verfassten Gesetze abzeichne, wird in mindestens einem bekannt gewordenen Fall eines Besseren belehrt: Als die britische Regierung im Frühjahr 2013 äußerst widerwillig und unter Zwang offenlegen musste, wie oft die Queen und Prinz Charles bei der Gesetzgebung um ihr Plazet gebeten wurden – ein Kampf, der 15 Monate in Anspruch nahm –, zeigte sich, dass die Queen ihre Einwilligung zu einem parlamentarischen Gesetzesvorschlag verweigerte, in dem es darum ging, die historische Vollmacht, einen Krieg zu erklären, vom Monarchen auf das Parlament zu übertragen.1

Sehr viel Macht übt das Königshaus jedoch hinter den Kulissen aus. Ist es nicht sprechend, dass sich selbst die PremierministerInnen vor dem Monarchen verbeugen, bzw. knicksen müssen? Weitere Regeln des Hofprotokolls gebieten, dass man der Queen niemals den Rücken zuwenden und einen Raum niemals vor ihr verlassen darf. Briefe an die Queen müssen die Wendung „Ihre Majestät möge geruhen“, enthalten und mit den Worten enden: „Ich verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung, gnädige Frau, der untertänigste und gehorsame Diener Ihrer Majestät“.

Trifft man sie persönlich, muss man sie das erste Mal mit „Ihre Majestät“ ansprechen und daraufhin „Ma’am“ nennen. Die Gesprächsführung der Königin darf nicht verändert und das Thema nicht gewechselt werden. Und so weiter … wie es sich eben für Untertanen im Kontakt mit ihrem Souverän gehört. So viel zur protokollarischen Macht der englischen Monarchin.

Die reichste Frau der Welt

Prinz Philip traf ins Schwarze, als er die Königliche Familie als „die Firma“ bezeichnete. Der Reichtum der Königin ist immens und befindet sich teilweise offiziell im Besitz des Staates, da er so ohne Steuern von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden kann. Hier eine Auswahl der Besitztümer der Windsors: Die Königin verfügt über mehr als 300 Residenzen, einschließlich Schlössern und Palästen wie Buckingham Palace, Windsor Castle, Kensington Palace (wo ein Teil der Verwandtschaft wohnt), St. James Palace (Wohnsitz von Charles), Holyrood House in Edinburgh, Balmoral Castle in Schottland und Sandringham in Norfolk, wo Diana zum ersten Mal Charles traf. Sie besitzt das Herzogtum Lancaster mit etwa 40'000 Morgen (entspricht hundert Quadratkilometern) Land, meist Landwirtschaft, aber auch Bauland von enormem Wert. Auch das Herzogtum Cornwall gehört der Königin, wird jedoch vom Herzog von Cornwall, Prinz Charles, verwaltet und umfasst eine Fläche von 541 Quadratkilometern, sowie Grundstücke in den teuersten Gegenden von London. Charles’ Einkommen setzt sich aus den Erträgen der Immobilien und Ländereien der Duchy of Cornwall zusammen. Im Geschäftsjahr 2021 nahm Prinz Charles immerhin rund 20,4 Millionen Britische Pfund (gut 24 Mio. Euro/Schweizer Franken) damit ein; anfänglich hatte es nur 800'000 Pfund pro Jahr abgeworfen.

Man zeigt sich dem Volk und stärkt sich an dessen Enthusiasmus: Dabei ist das Leben der königlichen Familie viel mehr Pflicht als Märchen. – cheekylorns2/Depositphotos.com

Die Queen besitzt die weltweit größte Sammlung von Juwelen, mehr als 7'000 Gemälde und 20'000 Zeichnungen alter Meister. Niemand weiß, wie schon erwähnt, wie groß das Vermögen der Queen ist, da es dem Parlament untersagt ist, auch nur die Tatsache zu erwähnen, dass die Königin aus ihrem Privatvermögen ein Geheimnis macht. „Diese Geheimnistuerei ist wichtig, denn wenn die Untertanen wüssten, wie viel sie besitzt, dann gäbe es einen Aufstand. Außerdem kann sie ihr Vermögen so für Insider-Geschäfte nutzen“, behauptet beispielsweise Autor David Icke. Er glaubt, man komme an geheime Informationen heran, die dann zum eigenen finanziellen Vorteil verwendet werden. „Mit ihren weitverzweigten Institutionen in aller Welt ist die Königin in der Lage, praktisch unbegrenzte Gewinne zu machen. Durch ihre Gespräche mit Premierministern, Ministern, Beamten, dem britischen Geheimdienst und anderen Insidern ist sie stets über die geheimen Geschehnisse in der Welt informiert. Durch diese Kanäle weiß sie immer über die besten Investitionsmöglichkeiten Bescheid, und durch ihr geheimes Netzwerk kann sie stets dafür sorgen, dass diese Informationen am effektivsten genutzt werden. Im Jahre 1977 fand man heraus, dass die Bank von England, eine Institution des Schwarzen Adels, eine Firma unter dem Namen Bank of England Nominees Ltd. gegründet hatte, die zur Geldwäsche der Investitionen der Königin benutzt wurde“, schreibt Icke und fährt fort: „Seit der Herrschaft von Edward VII., dem Sohn von Königin Victoria, unterhalten die Windsors besonders profitable Beziehungen zur City of London [dem Londoner Finanzbezirk]. Edwards wichtigster Finanzberater war Ernest Cassel, ein Banker des Schwarzen Adels. Cassels Tochter und Erbin, Edwina, heiratete Lord Louis Mountbatten, der einen starken Einfluss sowohl auf Prinz Philip als auch auf Prinz Charles ausübte. Edward VII., ein führender Freimaurer, stand auch den Rothschilds sehr nahe und unterhielt enge Beziehungen zu den Sassoons (einer Nebenlinie der Rothschilds) sowie der amerikanischen Familie der Payseur-Rothschilds, den Morgans und Harrimans. Weitere Finanzgrößen mit Verbindungen zur königlichen Familie sind die Barings und Morgan Grenfell. Queen Elizabeths Vater, George VI., machte Lord Cromer zu seinem Lord Chamberlain [königlicher Kammerherr]. Das ist der höchste Rang im königlichen Haushalt. Cromer war zu jener Zeit geschäftsführender Direktor der Barings Bank. 1995 schaffte es der Derivatehändler Nick Leeson in Singapur, die Bank in einen weltweit aufsehenerregenden Bankrott zu treiben.“

Laut Philip Beresford, dem Autor von The Book of the British Rich, investiert die Königin gerne in multinationale Konzerne, welche Mitgliedern der Schwarzen Adelsfamilien gehören: Rio Tinto, Royal Dutch Shell, ICI und General Electric. Der Bergwerksgigant Rio Tinto war in den frühen 70er Jahren in einen Skandal verwickelt, da sich die Firma 1971 an einem Kartell beteiligte, welches den Preis für Uran festlegen wollte. Ein Untersuchungsausschuss der US-Regierung deckte diesen Plan auf, an dem auch das Unternehmen Mary Kathleen Uranium in Australien beteiligt war. Es hatte australische Ureinwohner dazu überredet, Gebiete zu besetzen, in denen zuvor Uran abgebaut wurde, um so auf dem Weltmarkt eine künstliche Knappheit zu erzeugen, welche den Uranpreis in die Höhe treiben würde. American Westinghouse, eine durch den Uranmangel in Bedrängnis geratene Firma, strengte daraufhin gegen Rio Tinto einen Prozess wegen Preismanipulation an, und ein US-Gericht verfügte, dass Mitarbeiter von Rio Tinto zur Vernehmung geladen werden sollten. Die britische Justiz lehnte dies ab, und auch die australische Regierung verabschiedete entsprechende Gesetze.

Quellenangaben

  • 1 Icke: The Perception Deception/Die Wahrnehmungsfalle Teil 1, S. 427/8