Volksgesundheit statt Pharmaprofit!

Gerade findet in den USA eine gesundheitspolitische Wende statt – das sollte sich auch Europa zum Vorbild nehmen.

USA: Bald ein Gesundheitswesen statt eines Krankenversorgungssystems? | © improvee design / stock.adobe.com

Rückblickend wird man den 15. Oktober 2025 jenen Tag nennen, als in Europa der Grundstein für eine Gesundheitspolitik gelegt wurde, die sich nicht länger am Profit des medizinisch-finanziellen Komplexes orientiert, sondern an dem Wohlergehen der Menschen. Und genau aus diesem Grund wurde kaum darüber berichtet. An jenem Tag hatte man im Europäischen Parlament in Brüssel die Initiative Make Europe Healthy Again (MEHA) gegründet, mitten „im Zentrum des Von-der-Leyen-Pfizer-Imperiums“ (Weltwoche). „Europa wieder gesund zu machen“ ist ein hehres Ziel, dem eigentlich alle beipflichten müssten. Trotzdem steht MEHA von Anfang an massiv in der Kritik, gerade auch in den Leitmedien. Die vorgebrachte Begründung: Make Europe Healthy Again wird nur von den Parlamentariern der Patrioten für Europa getragen, also jener Fraktion im EU-Parlament, der auch die österreichische FPÖ und die deutsche AfD angehören. Und ihr gehören Impfkritiker an.

Darüber hinaus ist es eine „Suppe“, die in Amerika gekocht wurde und den Europäern in den politischen und wirtschaftlichen Chefetagen überhaupt nicht schmeckt. Man mag von Donald Trump halten, was man will. Immerhin packt er heiße Eisen an, vor denen die stromlinienförmig abgeschliffenen Berufspolitiker, welche die Geschicke unserer Völker lenken, tunlichst die Finger lassen.

Dazu gehört die von der Pharmalobby korrumpierte Gesundheitspolitik.1

Hierzulande kennt man das Schlagwort Make America Great Again zur Genüge – Trumps Wahlkampfslogan, welcher meistens bloß als Kampfansage an den Rest der Welt verstanden wird. Dieser MAGA-Bewegung steht neuerdings eine weitere politische Bestrebung zur Seite, die ganz ähnlich klingt: MAHA, Make America Healthy Again – das Vorbild für MEHA (Make Europe Healthy Again).

Präsident Trump hat die MAHA-Kommission im Februar 2025 per Dekret ins Leben gerufen. Damit will er Amerikas Gesundheit zur Priorität seiner politischen Agenda machen. Denn es gibt kein zivilisiertes Volk auf Erden, das dicker und kränker ist: Heute sind drei von vier Amerikanern mit einer chronischen Krankheit diagnostiziert! Folglich gibt es auch kein Gesundheitssystem auf der Welt, das höhere Kosten verursacht. Was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass pharmazeutische Medikamente nirgendwo so teuer sind wie in den USA.

Profit Center „Krankheit“

Laut einer RAND-Studie knöpft die Pharmalobby den Amerikanern für Medikamente im Schnitt fast dreimal mehr ab, als es in anderen Industrienationen üblich ist, etwa Deutschland oder Japan. Ein Paradebeispiel sind Abnehmspritzen, momentan die Goldesel der Branche: Pro Monat bezahlen Patienten bei uns für Ozempic 80 bis 220 Euro und für Wegovy 170 bis 300 Euro – je nachdem, wie man versichert ist. In den USA kosten beide Medikamente trotz Krankenversicherung mindestens 350 bis 500 Dollar. Wer hingegen nicht versichert ist, muss für Ozempic monatlich 1'000 Dollar hinblättern, für Wegovy sogar 1'350 Dollar. Das sind Fixkosten für den Rest des Lebens: Sobald man die Medikamente absetzt, nimmt man wieder zu. Wer sie aber dauerhaft anwendet, läuft Gefahr, deswegen schwer zu erkranken – oder das Augenlicht zu verlieren, wie das der Sänger Robbie Williams nun fürchtet.2

Um diesem geldgierigen Raubrittertum einen Riegel vorzuschieben, hat Donald Trump im Mai 2025 ein weiteres Dekret unterzeichnet, das die Pharmakonzerne zwingen soll, ihre Medikamentenpreise für den US-Markt dem kostengünstigsten Niveau vergleichbarer Industrieländer anzupassen. Deswegen versucht die Pharmalobby nun, in Europa die Preise deutlich zu erhöhen – damit sie in Amerika nicht so stark gesenkt werden müssen.

Weil die Krankenversicherung in den USA nicht obligatorisch ist, können Medikamentenkosten eine Familie sehr schnell in den Ruin treiben. Die Pfizer-Tablette Xeljanz gegen entzündliche Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis kostet beispielsweise 6'000 Dollar pro Monat. Deswegen will die Trump-Administration 2026 mit TrumpRX eine staatliche Website aufschalten, worüber Amerikaner die meisten Arzneimittel bestellen können – mit einem Rabatt von mindestens 50 Prozent. Dank dieser Internetseite sollen die Hersteller ihre Medikamente zu deutlich tieferen Preisen direkt an die Patienten liefern. Auf diese Weise werden die in den USA üblichen Pharmacy Benefit Managers umgangen, welche eine „Vermittlungsgebühr“ kassieren, wenn Hersteller ihre Produkte an Endkunden oder Apotheken/Ärzte verkaufen.

2024 haben Staat und Bürger in den USA allein für verschreibungspflichtige Medikamente über eine halbe Billion Dollar ausgegeben – fast eineinhalbmal so viel wie die gesamten Gesundheitskosten Deutschlands in jenem Jahr.

Kennedys MAHA-Kommission

Der Gesundheitszustand des amerikanischen Volkes sei zu einer „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ geworden, sagte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. am 4. September 2025 bei einer Anhörung im US-Senat: Acht von zehn jungen Amerikanern sind zu krank, um Militärdienst zu leisten. „Während der Präsidentschaft meines Onkels John F. Kennedy litten elf Prozent der Menschen an einer chronischen Krankheit, 1950 waren es sogar nur drei Prozent. Heute hingegen sind es 76,4 Prozent!“

Kennedy, dem ehemaligen Umweltanwalt, liegt die Gesundheit der Kinder besonders am Herzen. Sie sind vom Anstieg chronischer Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Asthma, Angststörungen oder Depressionen auffallend stark betroffen: Heute ist jedes fünfte amerikanische Kind stark übergewichtig, jedes siebte mit einer psychischen Störung und mehr als jedes zehnte mit ADHS diagnostiziert. Die vom Gesundheitsminister geleitete MAHA-Kommission macht dafür vier Hauptfaktoren verantwortlich (welche Erwachsene selbstverständlich ebenso krank machen).

Quellenangaben