Gott sei Dank gibt es Gott!

Einst angebetet und gefürchtet zugleich, fristet Gott heute bei vielen Menschen ein Dasein im Exil: Sie glauben, ohne Ihn genauso gut, wenn nicht sogar besser durchs Leben zu kommen. Zeit also, Gott neu zu entdecken – und gleichzeitig den Schlüssel zu einem Leben mit mehr Liebe, Leichtigkeit und Lebensfreude.

„Lasst Gott jederzeit durch euch wirken.“

Schließen Sie bitte die Augen. Denken Sie an das Wort „Gott“. Welches Bild erscheint dabei vor Ihrem inneren Auge? Ein alter, bärtiger Mann auf einem Thron? Eine Buddha-Statue? Jesus? – Wo lebt dieser Gott in Ihrer Vorstellung? Auf den Wolken, im Paradies, im Himmel oder im Nirwana, unter dem wir uns nicht viel vorstellen können, außer dass es ein göttlich glückseliger Lebensraum sein soll?

Wie sieht „Gott“ aus? Alt und weise? Doch wenn er ja ewig existiert, weshalb sollte er dann wählen, alt auszusehen? Damit wir seine Autorität leichter anerkennen? Oder ist er womöglich ewiglich blühend jung? Was, wenn er wie ein achtzehnjähriger Jüngling aussähe und strahlend schön? Trägt er einen Bart oder ist er glatt rasiert? Wobei – wenn er Gott ist, könnte er ja auch einfach entscheiden, keinen Bartwuchs zu haben, damit er sich nicht ständig rasieren muss, nicht wahr? Oder einen Bart, der immer genau gleich lang bleibt.

Seien wir ehrlich: Auch heute, in aufgeklärten Zeiten, tragen die meisten westlichen Menschen noch immer dieses Bild des alten weißen Gottvaters mit wehendem Haar und Bart mit sich herum. Gott ist also ein alter weißer Mann. Kein Wunder, hat er heutzutage einen schweren Stand! Kennen Sie den Witz, in dem der amerikanische Astronaut John Glenn bei seiner ersten Erdumrundung Gott begegnet? Zurück auf Erden antwortet er auf die Frage, wie Gott denn ausgesehen habe: „Nun … sie ist schwarz!“

Während der christliche Gott heute einen eher schweren Stand hat, sieht es beim Gott der Muslime ganz anders aus: Im Namen Allahs wird ein oft blutiger „heiliger Krieg“ geführt, der zu seiner weltweiten Herrschaft führen soll. Dabei gibt es nichts, was weiter voneinander entfernt ist, als Gott und Krieg. Denn Gott ist reine Liebe, von einer Art, die wir sterblichen Naturen uns kaum vorstellen können.

Oder sind der christliche Gott und der muslimische Allah verschiedene Wesen? Und wenn wir Menschen nach dem Bildnis Gottes erschaffen wurden, wo ist dann neben dem Herrn Gott die Frau Gott? Denn offenkundig gibt es auf Erden zwei Geschlechter (allerdings auch nicht mehr!): das Yin und Yang der Geschlechtlichkeit. Und nicht umsonst heißt eines der Hermetischen Prinzipien: „Wie oben, so unten!“ Hier unten darf eine Frau vielleicht heilig sein, aber nicht göttlich; beziehungsweise erst von Indien an ostwärts: Dort gibt es viele Göttinnen, gute und böse, barmherzige und zornige, und das seit Jahrtausenden.

Früher wurde Gott gefürchtet und deshalb verehrt, mit Gaben und Gebeten, mit Opfern und mit freiwilligem Leiden. Heute haben es sich viele Menschen des Westens in einer lockeren On-off-Beziehung mit dem Göttlichen bequem gemacht: Man erinnert sich an Gott, wenn man etwas braucht – viel Gesundheit, Geld, Glück, schönes Wetter, den passenden Mann oder die richtige Frau, eine Suche, die sich im Zeitalter des Wischens über das Handydisplay immer schwieriger gestaltet. Ansonsten geht es auch ohne göttlichen Beistand; schließlich gibt es Blitzableiter, Airbags, Kletterleinen, GPS und fast überall Mobilfunk-Empfang sowie verlässliche Wetterprognosen; das Leben ist also nicht mehr so lebensgefährlich, wie es in früheren Jahrhunderten war mit seinen Wegelagerern, Feuersbrünsten, Schlachten, Krankheiten und Seuchen, gegen die kein Kraut gewachsen war.

Vielleicht sträubt sich Ihnen jetzt beim Lesen jedes Nackenhaar, weil Sie natürlich wissen, dass Gott nicht auf einer Wolke thront und sein einziges Vergnügen weder süß singende Engel sind noch Petrus, der auf der Nachbarwolke auf der Harfe klimpert, sofern er nicht gerade das Himmelstor für eine neu ankommende Seele öffnen muss und daher gestresst den Schlüssel sucht.

Vielleicht wissen Sie längst, dass Gott alles erschafft, alles durchdringt, alles beseelt, was sich im weiten Weltall manifestiert, sichtbar oder unsichtbar. Doch haben Sie dieses Wissen auch zu einem Teil Ihres Lebensgefühls gemacht? Fürchten Sie sich noch immer vor der Spinne, die sich in die Badewanne verirrt hat, oder sehen Sie sie mit liebenden Augen und befördern sie sacht aus ihrer Falle hinaus – mit einem Glas und einem Papierchen drüber? Danken Sie der aufgehenden Sonne, dem lebenspendenden Regen, den Würmern, die den Boden beleben, dem Unkraut, das so viel Gutes auch für unsere Gesundheit in sich trägt? Sind Sie sich bewusst, dass hinter jedem Grashalm, jedem Blatt ein unsichtbares winziges Naturwesen steht, das dieser materiellen Schöpfung eine (zeitlich begrenzte) Dauerhaftigkeit verleiht, sodass das Blatt einen Sommer lang durchhält und nicht nur ein paar Stunden? Tatsächlich muss alles von einer geistigen Kraft bewusst am Leben erhalten werden, sonst verschwände es: Seit Kurzem beweist dies auch die Quantenphysik. Also ist es der göttliche Geist in Myriaden von Erscheinungsformen, der für den Menschen diesen Dienst erbringt: die wundervolle Permanenz der Natur, die Abfolge der Jahreszeiten, von Tag und Nacht, genau, wie es zu erwarten ist, die Zeiten von Saat, von Wachstum und von Ernte – ja, manchmal unterbrochen von einem Spätfrost, Überschwemmungen oder Dürrezeiten, die dem Menschen wieder nahebringen, wie kostbar der Garten Eden ist, in dem wir leben, und wie fragil, und dass wir besser zu ihm sehen sollten.

Nichts würde manifest werden ohne den ständigen Strom der Elektronen, der von unserer Gottheit, verkörpert als Vater-Mutter-Gott in unserer Sonne, dem solaren Logos, pausenlos zu uns strömt und die feurige Vitalität des Prana in der Luft bildet, wie auch die Lebenskräfte von Erde, Wasser und Feuer, das sich auch als Wärme manifestiert, sowie des Äthers, jener feinstofflichen Substanz, die alle Materie durchdringt.

Und da wir nun in eine Ära eingetreten sind, wo intelligenzreiche, gefühlsarme Menschen die von göttlicher Energie durchdrungene Schöpfung durch eine kalte, mechanische Roboter- und Maschinenwelt ersetzen wollen, tut es gut, sich der Erkenntnis zu erinnern, die einer der Väter der Quantenphysik, der Nobelpreisträger Max Planck (1858– 1947), während eines Vortrags in Florenz 1944 mit dem anwesenden Publikum teilte: „Meine Herren, als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält.

Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt […] so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche – denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht –, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!

Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott!

Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie.“1

Ab sofort nicht mehr atmen!

Es mag provokant klingen, doch es ist wahr: Ein Leben ohne Gott ist nicht nur sinnlos, sondern auch riskant. Es ist, wie wenn man sich eines Tages entschließen würde, niemals mehr etwas zu trinken. Oder unvermittelt mit dem Atmen aufhört (was bis jetzt noch niemandem gelungen ist). Nicht vergleichbar, sagen Sie jetzt: Bei beidem stirbt man innerhalb von Tagen beziehungsweise Minuten. Da haben Sie recht. Allerdings ist es bei der Abwendung von Gott so, dass Sie ein Leben in den Ketten der Materie führen, weil Sie sich vom Geist losgesagt haben, der von Gott unaufhörlich zu uns strömt. Er macht es möglich, dass wir ein erfülltes glückliches Leben führen, bei dem die Ursache dieses Glücks in unserem Herzen wohnt und nicht einem Sieg im Sport, einem neuen Auto oder einer Liebe auf den ersten Blick entspringt.

Letzteres mag einfach das innere Glücksgefühl noch verstärken, doch es ist nicht die Voraussetzung dafür

Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen haben sich von diesem steten Glücksfluss der inneren Erfüllung, die aus dem Herzen Gottes in unsere Herzen strömt, abgeschnitten. Deckel drauf, Ende, aus. Für sie ist es normal, mit einem steten leichten Seelenschmerz zu leben, die Existenz vorwiegend als Plage und Mühsal zu empfinden; fast genauso zerschlagen morgens aufzustehen, wie sie am Abend zuvor zu Bett gegangen sind, und mehr und mehr zu einer kleinen, grauen Maus zu werden, die von einem Versteck zum anderen rennt, weil ein Verweilen im Licht der Freude sich als geradezu bedrohlich anfühlt.

Quellenangaben

  • 1 Quelle: Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft, Abt. Va, Rep. 11 Planck, Nr. 1797