Schlaf: Das beste Elixier für Langlebigkeit!

Schlafmangel ist die heimliche Ursache vieler Krankheiten, darunter die am meisten gefürchteten. Lesen Sie hier, was einen gesunden Schlaf ausmacht und wie wir ihn erlangen – ganz ohne pharmazeutische Schlafpillen, die viel mehr schaden als nützen.

Schlaf ist die natürliche Heilzeit des Körpers – wer ihn zu früh stört, reißt Wunden wieder auf, bevor sie heilen können. | © Premium Graphics / stock.adobe.com

Leiden Sie unter Schlafmangel? Und würden Sie es wissen, falls es so wäre? Immerhin bekommt weltweit jeder dritte Mensch nicht ausreichend Schlaf, das heißt: weniger als sieben Stunden pro Nacht. Fast ein Viertel leiden an chronischen Schlafproblemen.

Der griechische Reeder Aristoteles Onassis sagte zwar: „Wenn man jede Nacht drei Stunden weniger schläft, hat man im Jahr eineinhalb Monate mehr Zeit zum Erfolg.“ Für die meisten aber wäre das ein Rezept, um chronisch krank zu werden. Denn obwohl manche Leute Schlafmangel besser wegstecken als andere, ist es ein Trugschluss zu meinen, das würde deren Gesundheit langfristig nicht ebenso untergraben. Davon ausgenommen scheinen nur jene Menschen mit einer bestimmten Genmutation zu sein – schätzungsweise einer unter zehntausend –, die wie Donald Trump, Churchill oder Napoleon auch mit vier bis sechs Stunden Schlaf voll leistungsfähig sind. Übrigens genauso falsch ist der Glaube, mit dem Alter würde man weniger Schlaf benötigen – man schläft häufig bloß schlechter. Sieben bis neun Stunden Schlaf, so viel braucht der Mensch nämlich.

In gestressten Industrienationen wie Amerika oder Europa möchten laut Umfragen deutlich mehr als die Hälfte der Leute mehr schlafen, wenn sie das könnten. Ungefähr ein Drittel weist Symptome von Schlaflosigkeit auf und fast jeder Siebte ist tagsüber ständig müde. Kein Wunder: Die Forschung hat beispielsweise gezeigt, dass bereits zehn Tage mit jeweils nur sechs Stunden in Morpheus’ Armen zum gleichen Schlafmanko führen, als wäre man 24 Stunden lang wach geblieben. Darüber hinaus beurteilen wir unseren Schlaf in der Regel viel zu gut. Dieses Phänomen subjektiver Fehleinschätzung wird offenbar, seit Schlafforscher die Probanden nicht nur Fragebogen ausfüllen lassen, sondern Elektroden am verkabelten Kopf den Schlaf minutiös aufzeichnen.

Würden die eben erwähnten Zahlen für schlimme Krankheiten wie Herzleiden, Krebs oder Demenz stehen, so spräche man längst von einem Gesundheitsnotstand. So aber hat die Gesundheitspolitik den mittlerweile zu einem Gesellschaftsproblem gewordenen chronischen Schlafmangel bislang verschlafen. Obwohl dessen Folgen die globale Volkswirtschaft Unsummen kosten: ungefähr zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für die USA bedeutet das jedes Jahr Gewinneinbußen von über 400 Milliarden Dollar (Großbritannien: >50 Mia. $; Japan: >120 Mia. $).

Übrigens: Die drei oben verwendeten Begriffe Herzleiden, Krebs und Demenz sind bewusst gewählt. Laut einer Studie, die das British Medical Journal im Juli 2025 publizierte, steigert Schlafmangel das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten um 45 %, für Alzheimer um 50 % – und für Depressionen gar um das Doppelte. Ähnliches gilt für insgesamt 172 meist chronische Leiden, wie eine andere groß angelegte Studie unlängst darlegte.

Dazu gehört eben auch eine weitere Geißel der Menschheit: „Die zwei in den Industrienationen am meisten gefürchteten Krankheiten sind Krebs und Alzheimer.“ Das sagt der Neurologe und Berkeley-Professor Matthew Walker, einer der führenden Schlafforscher. „Die Daten sind verblüffend; ich würde sagen, dass Schlafmangel derzeit einer der wichtigsten Lebensstilfaktoren zu sein scheint, welche die Entwicklung von Alzheimer im späteren Leben begünstigen oder sogar bestimmen können.“

Wie ausgeruht bin ich?

Untertags einzunicken, sehr dünnhäutig und reizbar zu sein oder auch ein begriffsstutziges Oberstübchen sind offensichtliche Anzeichen für Übermüdung. Doch wer vermutet schon Schlafmangel, wenn man ständig hungrig ist? Wenn der Körperumfang deutlich zunimmt, obwohl man gar nicht mehr isst als früher? Wenn Infekte uns ständig ausbremsen? Oder die Augen nachlassen?

Weil wir unsere Schlafleistung häufig besser beurteilen, als sie tatsächlich ist, möchten Sie vielleicht wissen, wie es um Ihren eigenen Schlaf bestellt ist. Jetzt gleich. Ohne Termin beim Arzt oder gar einer Schlafklinik. Kein Problem: Alles, was man hierfür braucht, ist ein Löffel aus Metall und etwas, das scheppert. Ein Pfannendeckel oder ein Blechtablett beispielsweise. Der nun folgende Selbsttest ist zwar einfach, aber wissenschaftlich untermauert. Er stammt von Nathaniel Kleitman (1895–1999), dem Vater der modernen Schlafforschung. Mit dessen Schlaf-Latenz-Test können wir selber herausfinden, ob wir übernächtigt sind oder nicht:

✵ Legen Sie sich am frühen Nachmittag in einem abgedunkelten Raum hin, um ein Nickerchen zu machen. Halten Sie dabei einen Löffel über ein Metalltablett o. Ä., das neben Ihrem Bett auf dem Boden steht, und notieren Sie die Uhrzeit.

✵ Wenn Sie aufschrecken, weil Ihnen der Löffel beim Einschlafen aus der Hand gleitet und scheppernd aufs Tablett fällt, überprüfen Sie sofort die Uhrzeit.

✵ Sind Sie innerhalb von fünf Minuten eingeschlafen, bedeutet dies, dass Sie unter starkem Schlafmangel leiden. Bei 10 Minuten könnten Sie mehr Schlaf gebrauchen. Haben Sie es geschafft, 15 Minuten oder länger wach zu bleiben, sind Sie wahrscheinlich gut ausgeruht.

Eckstein der Langlebigkeit

„Der Schlaf ist das Wirksamste, was Sie tun können, um Ihr Gehirn und Ihren Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen“, betont Schlafforscher Matthew Walker. Er nennt den Schlaf „die Flut, die alle anderen Gesundheitsboote anhebt“. Durch die Unterstützung verschiedener Körperfunktionen, vom Stoffwechsel bis zur Harmonisierung der Emotionen, sorgt Schlaf dafür, dass alle Aspekte unseres Wohlergehens optimal erhalten bleiben. Das macht ihn zu einem Pfeiler der allgemeinen Gesundheit und Langlebigkeit. Darüber hinaus wirkt Schlaf für das Gehirn wie eine Detox-Wellnesskur und Psychotherapie gleichzeitig.