Von der Wüste zum Wald

Tony Rinaudo hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als dem Hunger in Afrika den Garaus zu machen. Seine Entdeckung ist für den Kontinent womöglich bedeutender als Milliarden von US-Dollars an Entwicklungshilfe. Und sie wirkt sich außerdem noch positiv auf das Weltklima aus!

Als Kind betete Tony Rinaudo oft zu Gott: „Bitte nutze mich auf irgendeine Weise, damit ich etwas Sinnvolles bewirken möge.“ Er konnte damals nicht verstehen, dass es Menschen auf der Welt gab, die nichts zu essen hatten und hungrig zu Bett gehen mussten.

Was ein Mann tun kann: Der Italo-Australier Tony Rinaudo hat schon Millionen von Hektar unterirdischem Wald wieder zu überirdischem Leben verholfen.

Was ein Mann tun kann: Der Italo-Australier Tony Rinaudo hat schon Millionen von Hektar unterirdischem Wald wieder zu überirdischem Leben verholfen.

Nach einem Studium der Agrarwissenschaften trat der Australier in die Dienste einer interkonfessionellen christlichen Hilfsorganisation ein und wurde im Jahr 1980 mit einem Wiederaufforstungsprojekt in der Republik Niger in Westafrika betraut. Als er dort ankam, war er schockiert: Das Ausmaß der Umweltzerstörung in der Region Maradi im Süden des Landes war enorm. Nach mehreren Dürren in Folge hatten die Menschen aus purer Verzweiflung auch noch die letzten Bäume gefällt, um das Holz zu verkaufen und so wenigstens die wesentlichsten Grundbedürfnisse abdecken zu können. Statistisch betrachtet gab es in der Gegend durchschnittlich noch vier Bäume pro Hektar Land – ein Großteil der Gehölzvegetation, die es hier nur zwanzig oder gar zehn Jahre zuvor noch gegeben hatte, war verschwunden. Doch das Abholzen der Wälder verschlimmerte die Auswirkungen der regelmäßig wiederkehrenden Dürren, der starken Winde, hohen Temperaturen, der ausgelaugten Böden sowie den von Schädlingen und Krankheiten befallenen Nutzpflanzen und Nutztieren. Die Folge: Armut breitete sich aus, Tausende von Menschen waren chronisch unterernährt und litten unter den regelmäßig wiederkehrenden schweren Hungersnöten.

Für den Agrarwissenschaftler war klar, was hier getan werden musste: Die Gegend brauchte dringend wieder Bäume! Rinaudo übernahm ein von der Regierung und von Hilfsorganisationen unterstütztes Projekt, das die Aufzucht von Baumsetzlingen umfasste. Doch dabei stieß er bald auf schier unüberwindliche Probleme: Die frisch gepflanzten Bäume gingen in der Regel schnell wieder ein – aufgrund von Wassermangel, Tierverbiss, mangelnder Pflege, Sandstürmen oder Termitenbefall. Der eigentliche Grund für den Misserfolg lag jedoch tiefer, wie Rinaudo bald herausfand: Die Bevölkerung zeigte sich gegenüber der Idee der Wiederaufforstung gleichgültig und lehnte eine solche gar offen ab. Die Gründe dafür waren für den Australier kaum verständlich. Doch viele Bauern betrachteten Bäume auf ihren Feldern als „Unkraut“, das es zu beseitigen galt. Und sie waren der Ansicht, dass ihnen Bäume auf dem Acker auch sonst nichts als Ärger einbringen würden – vor allem mit den Leuten, die ihnen die Setzlinge stehlen würden. Darüber hinaus war die Bevölkerung der Meinung, dass frisch gepflanzte Bäume ihren Eigentümern zumindest zu deren Lebzeiten keine angemessene Rendite bieten würden. Sie wüchsen zu langsam, schmälerten auf den Ackerflächen die Erträge und beeinträchtigten das Wachstum der Feldfrüchte noch zusätzlich durch Verschattung. Einige sagten sogar: „Es ist Gottes Werk. Und wenn Gott Bäume will, dann wird er sie schon selbst pflanzen!“ Das Problem mit solchen Ansichten ist – so musste Rinaudo feststellen –, dass sie sich hartnäckig halten, selbst wenn sie sich als falsch erweisen.

Trotz aller Widerstände führte Tony Rinaudo auf der Suche nach Lösungen intensive Literaturrecherchen durch und experimentierte mit verschiedenen Baumpflanzmethoden. „Ich suchte den Ehrgeiz der Dorfbewohner mit allen Mitteln zu wecken, krempelte die Ärmel hoch und packte auf den Feldern selbst mit an. In meiner Verzweiflung versuchte ich es manchmal sogar mit dem plumpen Mittel der ‚Bestechung‘, um die Leute dazu zu bringen, die Bäume lange genug wachsen zu lassen, bis sie den Nutzen für sich selbst erkannten und auch ohne mein Zutun die aufgezeigten Methoden fortführten“, schreibt Rinaudo in seinem Buch.1

Doch trotz aller Bemühungen funktionierte keiner seiner Versuche auf kosteneffiziente und nachhaltige Weise. „Für viele Menschen war ich lediglich der ‚verrückte weiße Farmer‘, und meine Ideen waren einfach nur Unsinn.“

Obwohl im Niger Millionen von US-Dollar für Baumschulen, Pflanzprojekte, Pflege der Pflanzungen, Einzäunungen und den Schutz von Setzlingen ausgegeben wurden, erzielten nur wenige Projekte bleibende Erfolge. Schätzungen zufolge wurden in diesem afrikanischen Land in einem Zeitraum von zwölf Jahren rund sechzig Millionen Bäume gepflanzt, von denen weniger als zwanzig Prozent überlebten. Wenngleich Wiederaufforstungsmaßnahmen mittels konventioneller Baumpflanzungen unwirksam und unwirtschaftlich waren, schien diese Methode zum Aufhalten der Wüstenausbreitung damals alternativlos zu sein.

Die Entdeckung

Nach zweieinhalb Jahren wachsender Frustration war Rinaudo kurz davor aufzugeben, als er eines Tages wieder einmal mit einer Ladung Baumsetzlingen von Dorf zu Dorf fuhr. „Meine Moral hatte einen Tiefpunkt erreicht. Die Hoffnungslosigkeit der gesamten Situation lastete schwer auf mir. Ich hielt den Wagen an, um Luft aus den Reifen zu lassen, weil das Fahrzeug so leichter durch den Sand zu manövrieren ist. Mein Blick streifte über die karge Landschaft: Nord, Süd, Ost, West, so weit ich sehen konnte nur leeres, windgepeitschtes Land, auf dem so gut wie kein Baum mehr wuchs. Mir wurde bewusst, dass mir weder ein millionenschweres Budget noch viele Jahre oder Hunderte von Projektmitarbeitern etwas nützen würden. Wenn ich an denselben alten Methoden festhielte, würde ich nie auf einen ‚grünen Zweig‘ kommen“, schreibt Rinaudo rückblickend. Dessen ungeachtet hatte er aber immer noch das Gefühl, dass ihn die Vorsehung im Niger festhielt. „Glaube spielte bei meinen Entschlüssen immer schon eine große Rolle, weswegen ich auch in diesem Tiefpunkt um höhere Hilfe bat. Um es kurz zu machen: Ich bat Gott um Vergebung dafür, dass der Mensch die unschätzbare Gabe seiner wunderschönen Schöpfung zerstört – dies in der Erkenntnis, dass ein Großteil des Leids und des Hungers, die den Menschen hier widerfahren, unmittelbar mit der Zerstörung der natürlichen Umwelt zusammenhängt. Also bat ich Gott, mir die Augen zu öffnen und mir einen Wink zu geben, was ich noch tun könnte.“

An jenem Tag betrachtete Tony Rinaudo zum ersten Mal bewusst einen der überall auf den verheerten Böden wachsenden kleinen Büsche. „Ich hatte diese Büsche zwar schon unzählige Male gesehen, hatte mir aber nie Gedanken über deren Herkunft und Bedeutung gemacht. An diesem Tag ging ich jedoch zu einem der Büsche hin, um ihn mir etwas genauer anzusehen. Als ich seine Blätter betrachtete, wurde mir klar, dass dies kein kleines, banales Gewächs war, sondern eine Baumart. Der Baum war vor Längerem gefällt worden, und aus seinem Stumpf wuchsen jetzt neue Triebe heran. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass hier die Lösung lag, nach der ich so lange gesucht hatte – und sie hatte sich die ganze Zeit direkt vor meiner Nase befunden!“, erzählt Rinaudo über seine Entdeckung. Das Land war tatsächlich übersät mit Millionen ähnlicher „Büsche“. Demzufolge, so erkannte Rinaudo plötzlich, existierte in dieser scheinbar kargen Landschaft direkt unter der Erdoberfläche ein großflächiges Wurzelwerk, ein „unterirdischer Wald“!

Leserstimmen zum Artikel

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Über die Bemühungen des Tony Rinaudo habe ich mit Interesse gelesen. Er hätte es jedoch in seiner Arbeit leichter gehabt, wenn er die Effektiven Mikroorganismen (EM) gekannt hätte, mit denen in aller Welt erfolgreich gearbeitet wird. Das wird jedoch von der Chemie- und Pharmaindustrie nicht gern gesehen und unterdrückt. EM ist eine Mikrobenmischung, die von dem japanischen Prof. Dr. Higo zusammensgestellt wurde. EM kann in allen Bereichen unseres Lebens eingesetzt werden, da sie regenerativ wirken.

 

Gute Dinge brauchen Zeit, um sie durchzusetzen. Daher treffen die Aussagen im Editoral zu: "Es braucht Mut, Vision und Zuversicht". Hoffentlich haben Sie noch lange das Glück, frei schreiben und verkünden zu dürfen, was Sie für richtig und wichtig halten.

 

Leider lassen sich viele nur von Greta Thunberg beeinflussen und von Medien den Klimaschutz einreden. Nicht jeder wird daher bereit sein, die letzte Ausgabe lesen. Kaum jemand will sich eingestehen, dass er sich irrt. So werden die Grünen auch mit Heft 93 nicht einverstanden sein: "Wind ernten, Sturm säen!

 

Ich hoffe, dass auch in Zukunft Worte und Gedanken Flügel haben. 

Alfred T.