Impfzang: Impfen bald obligatorisch?

Warum werden Menschen immer noch krank, selbst bei höchsten Durchimpfungsraten? Sind Impfskeptiker tatsächlich dafür verantwortlich, dass andere Menschen erkranken? Und warum gehen angesichts der Masernhysterie weltweit Ärzte für die freie Impfentscheidung auf die Barrikaden?

Ein Gespenst geht um in der Welt, das, so die Weltgesundheitsorganisation WHO, ebenso gefährlich für uns ist wie Ebola, Antibiotikaresistenzen oder die Luftverschmutzung: gemeint sind die Masern. Wie kommt es, dass eine Kinderkrankheit, die noch vor wenigen Jahrzehnten fast jedes Kind im Vorschulalter durchgemacht hatte und die nur in den wenigsten Fällen zu Komplikationen oder gar zum Tod führt, heute als eine der größten Gefährdungen angesehen wird? So bedrohlich, dass man die Bevölkerung dazu zwingen will, sich gegen die Masern impfen zu lassen? – Geht es nach denen, die derzeit das Sagen haben, ist diese Frage ketzerisch und darf die Diskussion darum, ob Impfen sinnvoll ist oder nicht, gar nicht stattfinden. Wer es wagt, sich zum Thema Impfen eine eigene Meinung zu bilden, gilt als hinterwäldlerischer Verweigerer, desinformierter Dummkopf, Verschwörungstheoretiker oder schlicht verrückt.

Die Einführung einer Impfpflicht verstößt gegen die Menschenrechte.

Die Einführung einer Impfpflicht verstößt gegen die Menschenrechte.

Mit entsprechend harten Bandagen wird denn auch gekämpft. In der Schweiz erklärte die Nationalrätin Ruth Humbel (Christliche Volkspartei): „Wer seine Kinder nicht impft, ist asozial.“ Und Nationalratskollege Lorenz Hess von der Bürgerlich-Demokratischen Partei doppelte nach: „Es gibt kein Recht, jemanden anzustecken.“ Noch härtere Töne schlägt Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn1 an. Er hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, gemäß dem für KITA- und Schulkinder ab März nächsten Jahres trotz einer Durchimpfungsrate von 93 Prozent2 eine Masern-Impfpflicht gelten soll. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sollen Bußen bis zu 2'500 Euro bezahlen und keinen KITA-Platz erhalten. Gleichzeitig soll durchgesetzt werden, dass auch Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrer sowie das Personal in Krankenhäusern und in öffentlichen Gemeinschaftseinrichtungen geimpft werden müssen. Auch Spahn argumentiert damit, dass ungeimpfte Personen andere gefährden würden. Der Entwurf wurde Mitte Juli 2019 vom Kabinett verabschiedet, obwohl sich sowohl die Impfexperten der STIKO (Ständige Impfkommission) wie auch des Robert Koch Instituts (RKI) dem Entwurf gegenüber kritisch oder ablehnend geäußert hatten und der vom Bundestag eingesetzte Deutsche Ethikrat in einer am 27. Juni veröffentlichten Stellungnahme die Masernimpfpflicht ebenfalls klar ablehnte.

Das Hauptargument für einen Impfzwang – ungeimpfte Personen würden andere gefährden – beruht auf der Theorie der sogenannten Herdenimmunität. Diese besagt, dass, wenn die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist (bei Masern spricht man von 95 Prozent), die Krankheit sich nicht mehr weiterverbreiten könne und alle vor einer Erkrankung geschützt seien. Allerdings handelt es sich dabei wirklich bloß um eine Theorie. Zunächst ist Schutz nicht übertragbar. Selbst wenn man hundert Prozent impfen würde (was nicht geht, weil immer ein Anteil der Bevölkerung bleibt, der nicht geimpft werden darf, sehr junge Säuglinge beispielsweise oder Menschen mit Autoimmunkrankheiten), versagt bei zwei bis zehn Prozent der Geimpften die Impfung und es kommt gar nicht zu einer Immunisierung. Im Gegensatz zu Personen, die eine Masernerkrankung durchgemacht haben und dadurch eine lebenslange Immunität erlangen (die übrigens von der Mutter auf den Säugling übertragen wird und diesen in den ersten Lebensmonaten vor einer Erkrankung schützt), ist eine künstliche Immunisierung durch eine Impfung nur temporär. Ursprünglich wurde behauptet – zum Beispiel von Dr. Alexander Langmuir, der als „Vater der Epidemiologie von Infektionskrankheiten“ gilt –, dass eine einmalige Masernimpfung für eine lebenslange Immunisierung reichen würde. Heute sollen sich nach dem Erhalt von zwei Impfdosen im Kindesalter auch Erwachsene nachimpfen lassen, weil man weiß, dass der Impfschutz schon nach wenigen Jahrzehnten nachlässt, sofern er denn überhaupt existiert. Denn wie in der medizinischen Literatur gut dokumentiert ist und auch das in Sachen Impfungen tonangebende amerikanische CDC (Centers for Disease Control) bestätigt, kommt es sowohl bei Schulkindern wie auch bei Erwachsenen trotz hoher Durchimpfungsraten immer wieder zu Masernausbrüchen.

Suche nach dem Sündenbock

Die Verantwortung dafür wird immer wieder denjenigen in die Schuhe geschoben, die sich nicht haben impfen lassen. Zu Unrecht. Ein bekanntes Beispiel sind die Masernerkrankungen im kalifornischen Disneyland von 2015. Wie eine 2017 im Journal of Clinical Microbiology veröffentlichte Studie zeigt, war bei mindestens vierzig Prozent der damals Infizierten eine vormalige Masernimpfung die Ursache der Erkrankung! In China, wo die Masernimpfung obligatorisch ist und eine Durchimpfungsrate von 99 Prozent herrscht, kam es allein in den Jahren 2009 bis 2012 ganze 700 Mal (!) zu Masernausbrüchen (und übrigens auch zu Wellen von Mumps und Röteln, denn auch in China wird die Dreifachimpfung verabreicht). Wie ist das möglich, wenn gemäß geltender Lehrmeinung bei einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent die Krankheit eingedämmt sein sollte? (Zur Erinnerung: ein Hauptargument für die Einführung des Impfzwangs!) Schon vor über zwanzig Jahren berichtete besagtes Journal of Clinical Microbiology, dass Menschen, die gegen Masern geimpft werden, den Masernvirus noch wochenlang verbreiten können, denn der Impfstoff enthält Lebendviren, die von den Geimpften weitergegeben werden können. Dass es keineswegs die Ungeimpften sind, die am Ausbruch einer Krankheit „schuld“ sind, zeigt auch ein Fall von Keuchhusten an der Harvard-Westlake School in Kalifornien Anfang dieses Jahres. Wie die Schulbehörde mitteilte, sei eine ungenügende Impfquote als Ursache der Keuchhusten-Fälle auszuschließen, denn von den 1'600 Schülern waren nur 18 nicht geimpft, und keiner dieser 18 Schüler erkrankte an Keuchhusten. Es gibt viele weitere dokumentierte und oft auch in renommierten wissenschaftlichen Journalen veröffentlichte Vorkommnisse dieser Art bezüglich diverser Kinderkrankheiten. Allerdings soll das die Öffentlichkeit nicht erfahren.

Zensur und Lügen

Auf massiven politischen Druck hin haben dieses Jahr in kurzer Folge YouTube, Facebook, Google, Instagram und auch Pinterest Hashtags und Links, Suchanfragen und Berichte mit impfkritischen Inhalten zensiert, indem sie sie blockieren oder entfernen. Auch Amazon hat impfkritische Dokumentarfilme und Bücher aus seinem Angebot gestrichen. Die Begründung ist immer dieselbe: Man wolle der Verbreitung von Lügen durch Impfgegner entgegenwirken. Allerdings schrecken die Medien ihrerseits nicht davor zurück, Unwahrheiten in die Welt zu setzen. Im April 2019 publizierte der Sender NBC News ein Foto eines „Masern-Babys“, um die Massenhysterie um die Masern anzuheizen und einen Impfzwang einzufordern, eine Krankenschwester kämpfe gegen Impf-Mythen an, hieß es im Untertitel des Bildes. Wie sich herausstellte, hat es das angeblich an Masern erkrankte Baby nie gegeben: Der Sender „malte“ per Photoshop dem Agenturbild eines gesunden Kindes einen üblen Masernausschlag auf!

Quellenangaben

  • 1 Eine Bemerkung am Rande: Beide Schweizer Nationalräte weisen direkte Verbindungen zur Pharmalobby auf. Minister Spahn wiederum hat als Teilhaber der Agentur Politas jahrelang als Pharmalobbyist Geld verdient (vgl. z. B. Focus, Nr. 48, 2012).
  • 2 gemäß Robert-Koch-Institut