„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment“, sagte vor zweieinhalbtausend Jahren Buddha Gautama. Und Tolstoi fügt an: „Denke immer daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt.“ Denn nur so geben wir auch dem sogenannten „Zufall“ eine Chance, zum konstruktiven Mitschöpfer unseres Lebens zu werden.

Das Leben in der Antike war noch nicht so überfrachtet wie unseres. Man hatte Zeit, sich ganz dem Spielen oder dem Genuss von Musik hinzugeben und damit ungestört im „Jetzt“ zu verweilen.
Was wäre, wenn? Wenn ich an jenem Tag Anfang März 1988 nicht zum Telefon gegriffen hätte, um einen Wissenschaftler zu kontaktieren mit der Bitte, einen jungen Mann namens Benjamin Seiler anzurufen und ihm zu sagen, er müsse unbedingt auf ein bestimmtes Seminar kommen, bei dem es buchstäblich um Gott und die Welt ging, und wo er jenen Wissenschaftler würde kennenlernen können? Ich kannte den jungen Mann nicht persönlich. Damals arbeitete ich beim inzwischen verstorbenen Umweltschützer Franz Weber und machte sein Journal Franz Weber JFF, für dessen Gründung und Herausgabe er mich anfangs 1987 angestellt hatte. Im Winter 1987/88 hatte ich einen Artikel darin veröffentlicht mit dem Titel „Die Antwort auf tausend Umweltfragen“. Hans Ulrich Hertel, so hieß der Wissenschaftler, war bewandert in der Lehre von Viktor Schauberger, und er war der Hauptredner eines Ozon-Kongresses im Gießbach-Hotel am Brienzersee im Herbst 1987 gewesen. Damals war das stetig wachsende Ozonloch über dem Südpol ein großes, Sorgen bereitendes Thema. Benjamin Seiler schrieb nun, dass er diesen Forscher sehr gerne kontaktieren würde. Sein Wissen habe ihn tief beeindruckt und er wolle mehr darüber lernen.
„Der Zufall ist das Pseudonym, das der liebe Gott wählt, wenn Er inkognito bleiben will.„
Théophile Gautier
Und so lernten auch wir einander auf jenem Seminar Ende März 1988 kennen, und ein Jahr später wurden wir ein Paar. Man könnte also sagen, hätte ich damals nicht zum Telefon gegriffen, dann würde es heute keine ZeitenSchrift geben! Denn ganz alleine hätte ich dieses Heft niemals gründen können. Es sollte sich zeigen, dass sich unsere Fähigkeiten perfekt ergänzen und des einen Schwäche des anderen Stärke ist.
Und alles hing von diesem seidenen Faden ab, einem Impuls im Herzen nachzugeben. Gleich, sofort! Nicht warten, denn sein Leserbrief hätte ja unter Stapeln von Post untergehen können, bis das Seminar vorüber gewesen wäre … Und natürlich war das, was wie Zufall aussah – dass er mir nämlich gerade kurz vor diesem Seminar schrieb, wo wir uns auch kennenlernen sollten –, im Grunde nicht Zufall, sondern Vorsehung.
„Oberflächliche glauben an Glück und Zufall. Tatkräftige glauben an Ursache und Wirkung“, schrieb einst Ralph Waldo Emerson, der große US-Philosoph und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Der brasilianische Erzbischof Dom Hélder Câmara (1909–1999), ein prominenter Vertreter der südamerikanischen Befreiungstheologie, ging einen Schritt weiter: „Sage Ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichtemachen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben – ja, vielleicht deinem Leben. Sie sind nicht Zufall. Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, selber den Verlauf deiner Tage zu bestimmen.“
Wir alle kommen mit einem Plan auf die Welt; man könnte es auch ein Drehbuch nennen, wenn auch keines, in dem jede Szene festgelegt ist. Gewisse Freiheiten haben wir, müssen wir haben, um durch Entscheidungen lernen zu können. Die wichtigen Bedingungen haben wir jedoch selbst geschaffen, dadurch, wie wir unsere vergangenen Leben lebten. So ist es niemals Zufall, in welchem Land man geboren wird. Aus den verschiedensten Gründen bietet unser Geburtsland die für unsere jetzige Verkörperung angemessene Umgebung, um lernen zu können, womit wir im Jenseits vor unserer Geburt einverstanden waren. Familie, Geschwister, Kindheitsbedingungen gehören zum Schicksal, obwohl die große Scheidungsbereitschaft heutzutage manch einem „göttlichen Plan“ für ein Kind entgegenwirken mag. Es ist also wichtig, eine Ehe als das zu akzeptieren, was sie ist: die größtmögliche Chance zum Lernen. Und sich deshalb Hilfe zu holen, wenn die Straße zu steil oder holprig wird. Dazu bemerkte der Komiker Peter Sellers einst launig: „Manche Ehemänner halten es für einen unglücklichen Zufall, dass sie und ihre Frau am selben Tag geheiratet haben.“ Nun ja: Jeder hat die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass das Beisammensein nicht vorwiegend ein Jammertal ist. Und zu erkennen, dass Liebe vorwiegend aus Dienst am anderen bestehen sollte (siehe Artikel Die Philosophie des Liebens und Seins) und nicht, wie heute üblich, aus dem bloßen Beglückt-werden-Wollen in jeder Form.
Ich erinnere mich, wie bange ich war als Fünfjährige, wenn meine Mutter darüber sprach, dass ich irgendwann einen Mann auswählen würde, um mit ihm mein Leben zu verbringen. Ich stellte mir dann eine Bar vor, wo die Kandidaten in einer Reihe auf ihren Hockern sitzen, ich vor ihnen stehe und den „Richtigen“ herausfinden muss. Das flößte mir tiefen Schrecken ein. Ich wusste damals noch nicht, dass man es innerlich erkennt, wenn „der/die Richtige“ erscheint – was aber auch bedeutet, dass man, wenn sich dieses Gefühl nicht einstellt, den Freund oder die Freundin auf keinen Fall heiraten sollte. Man würde damit den eigenen Lebensplan und denjenigen des/der richtigen Partners/-in für ihn/sie nachhaltig stören und das Lebens-Skript, zu dem man vor der Geburt Ja gesagt hat, im schlimmsten Fall zum totalen Irrweg machen, der ins multiple Chaos führt. Manchen Menschen fällt dieses innere Spüren leicht; sie tragen die Gabe einer guten Intuition in sich, die sie sich erworben haben, indem sie schon in früheren Leben auf ihre innere Stimme und ihr inneres Gefühl hörten und ihm folgten, um jeden Preis. Diese „innere Stimme“ ist in Wahrheit der Regisseur unseres Lebens, der dafür sorgt, dass sich die richtigen „Zufälle“ zur richtigen Zeit einstellen. Verschließt sich jemand jedoch dieser inneren Stimme, wird sie immer leiser, da sie ja sowieso nicht ernst genommen wird – und der Betreffende treibt ohne Karte, Kompass und Ziel auf einer wilden See, stets irgendwelchen Stürmen und Riffen ausgesetzt, und schlittert nicht selten auf einen Schiffbruch zu.
Der brasilianische Erzbischof und Befreiungstheologe Dom Hélder Câmara sprach, wie erwähnt, davon, dass wir unserem „himmlischen Vater“ die Freiheit zugestehen sollen, selber den Verlauf unserer Tage zu bestimmen. Hélder Câmara war durch und durch Katholik, und diese haben im Verlaufe des christlichen Zeitalters Gott zu einem alten Mann gemacht, der weit entfernt in den himmlischen Reichen wohnt, und vergessen, dass wir ja alle Söhne und Töchter Gottes sind und daher selbst auch über einen Anteil Göttlichkeit verfügen müssen. Was also zweitausend Jahre lang unerreichbar schien und nur in Kirchen und über Pfarrer ansprechbar, lebt in Wirklichkeit im Herzen jedes Menschen: Gott! Und da Gott Licht und Energie ist, manifestiert Er sich als ätherische Flamme, die man mit den Augen nicht sehen kann. Allerdings gab es schon Chirurgen, denen aufgefallen ist, dass der linke Vorhof des Herzens eine höhere Temperatur aufweist als das umgebende Gewebe. Und genau dort befindet sich unser Gottesanteil, der uns von Vater-Mutter-Gott gegeben wurde: die Dreifältige Flamme.
Tatsächlich besteht sie aus drei Flammen: Blau für Vater-Gott, der die Macht und die Kraft verkörpert, Golden für die Mutter-Gott (von der katholischen Kirche zum geschlechtslosen „Heiligen Geist“ umgedeutet), welche die Weisheit und Erleuchtung verkörpert, und Rosa für die Schöpfung, welche die Gotteltern hervorgebracht haben – das Kind, welches die Liebe verkörpert, die auch „Christus“ genannt wird, und welche in jedem von uns schlummert oder, im Idealfall, erwacht ist.
Als wir von Vater-Mutter-Gott als Lichtfunken geschaffen wurden, lange bevor wir das erste Mal entschieden, in Verkörperung zu gehen, waren wir einfach nur Licht, vollkommen und ohne Fehl.
Unsere Herausforderungen begannen, als wir uns kühn entschlossen, uns selbst auf den Weg zur Gottwerdung zu machen. Anfänglich, als die Erde noch frei von jeglichem Übel war (bevor die „Vertreibung aus dem Paradies“ begann, siehe Wie der Mensch sich aus dem Paradies vertrieb), ging es einfach darum zu lernen – in einer Atmosphäre voller Harmonie und Ordnung. Hatte der Mensch diese Schulungsphase erfolgreich hinter sich gebracht, durfte er weitergehen in höhere Ebenen, wo das Licht noch stärker war, und seine Höherentwicklung fortsetzen, bis er eines Tages selbst ein hohes Amt für andere sich entwickelnde Zivilisationen einnehmen könnte.

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