Kinder benötigen in den ersten drei Lebensjahren eine starke Bezugsperson – wenn immer möglich die Mutter. Nur so kann sich das kindliche Gehirn optimal entwickeln. Fehlt diese Bindungsperson, hat dies tiefgreifende psychische und soziale Folgen.

Die Fürsorge einer liebevollen Mutter unterstützt die frühkindliche Gehirnentwicklung sehr.
Im Jahr 2021 erhielt in den USA rund jedes fünfte Kind im Alter von 3 bis 17 Jahren die Diagnose einer psychischen, emotionalen oder verhaltensbezogenen Störung. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind psychische Probleme die häufigste gesundheitliche Belastung bei Kindern und Jugendlichen; ihr Anteil liegt ebenfalls bei fast einem Fünftel. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit etwa 8 Prozent der Kinder und 15 Prozent der Jugendlichen psychische Störungen haben. Daher warnen immer mehr Experten vor einer psychischen Gesundheitskrise unter Kindern und Jugendlichen.
Das ist zwar nicht von der Hand zu weisen, doch die Zahlen sind auch deswegen so dramatisch hoch, weil man heute viel zu leichtfertig eine psychiatrische Diagnose stellt.1 Die Pandemie und besonders die Lockdowns haben die psychische Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher indes schon deutlich verschlechtert – sichtbar in mehr Angst, Depressionen, Stress, Reizbarkeit und Schlafproblemen. Doch das erklärt nicht alles.
Neben sozialer Isolation tragen auch gesellschaftlicher Druck und die digitale Welt, insbesondere Social Media, dazu bei.
Trotzdem sind Social Media nach Einschätzung der klinischen Sozialarbeiterin und Psychoanalytikerin Erica Komisar nicht der Haupttreiber. Die Amerikanerin verfügt über 40 Jahre Praxiserfahrung, und bereits vor 30 Jahren registrierte sie einen Anstieg von Angstzuständen, Depressionen, ADHS und Verhaltensstörungen – also lange vor der Verbreitung von Smartphones und Social Media. Daher hat sie es sich zur Mission gemacht, gesellschaftliche Normen zur Erziehung und frühkindlichen Entwicklung infrage zu stellen. Dabei stützt sie sich auf den Forschungsstand der letzten 30 Jahre in den Bereichen der Bindungstheorie, Epigenetik und Neurowissenschaften – und räumt mit weitverbreiteten Mythen darüber auf, wie man ein gesundes Kind großzieht. Ihre unbequeme Wahrheit: Institutionelle Kinderbetreuung schädigt unseren Nachwuchs hochgradig.
Über weite Teile der Menschheitsgeschichte wuchsen Kinder im Rahmen eines dichten, gemeinschaftlichen Betreuungsnetzwerks auf, in dem zwar die Mutter die Hauptbezugsperson war, Tanten, Großmütter, oder ältere Geschwister jedoch eine verlässliche und konstante Ko-Betreuung leisteten. Dieses innige Verhältnis unterscheidet sich von der heutigen Gruppenbetreuung in Kitas fundamental.
Es ist Teil unseres evolutionären Antriebs, sich um unsere Kinder zu kümmern, ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, so präsent wie möglich zu sein, sie zu trösten und tiefen Halt zu geben. Diesem Urinstinkt steht aber eine veränderte Gesellschaft gegenüber, die von der „modernen“ Frau erwartet, dass sie ihr Kind möglichst schnell fallen lässt und zurück auf den Arbeitsmarkt geht (siehe Kita-Artikel ab Seite 26). Was dabei vollkommen außer Acht gelassen wird, ist, dass sich die neurologischen und emotionalen Bedürfnisse unserer Kinder nicht innerhalb weniger Dekaden ändern, nur weil sich die Gesellschaft wandelt. Babys sind neurologisch und emotional fragil, sie werden nicht resilient geboren. Ihre kleinen Gehirne sind evolutionsbedingt auf eine innige Eins-zu-eins-Betreuung angewiesen; sie benötigen ganz viel Körperkontakt im ersten Lebensjahr. Daher ist es ein Irrglaube zu denken, dass eine Kita die Präsenz der Mutter ersetzen könnte. Denn dort werden die Bedürfnisse des kindlichen Gehirns schlichtweg nicht erfüllt.
Die Neurowissenschaft weiß heute, dass die ersten drei Lebensjahre entscheidend sind für die neuronale und emotionale Entwicklung eines Kindes. In dieser Zeit wächst das Gehirn in atemberaubendem Tempo, mit drei Jahren ist es zu etwa 85 Prozent ausgebildet. Während dieser Zeit entstehen ganz viele neuronale Verbindungen. Jede Erfahrung, jede Beziehung, jeder Stressor hinterlassen Spuren im Gehirn. Positive Interaktionen wie liebevolle Beruhigung, Blickkontakt oder feinfühlige Reaktionen auf Signale des Kindes fördern stabile neuronale Netzwerke. Fehlende Nähe oder chronischer Stress hingegen können die neuronale Architektur negativ beeinflussen, insbesondere in Regionen, die für Stressregulation, Emotionen und soziale Interaktion zuständig sind.
Komisar beschreibt Babys als „emotional unausgeglichen“. Sie vergleicht ihre Emotionen mit einem Segeltörn auf dem Atlantik. Die Emotionen können in drei Sekunden von Null auf Hundert gehen – wie der Wellengang des Atlantiks. Unser Ziel als Eltern solle es daher sein, diese emotionale „Segelfahrt“ nicht auf dem aufgewühlten Atlantik stattfinden zu lassen, sondern in der ruhigen karibischen See. Auch dort gibt es Wellengang – und das darf auch so sein. Nur ist er wesentlich sanfter als auf dem offenen Ozean. Ein Baby muss erst lernen, seine Emotionen zu regulieren, alleine kann es das noch nicht. Und dafür benötigt es seine Mutter. Jedes Mal, wenn eine Mutter ein Baby durch Hautkontakt, Augenkontakt und den sanften Klang ihrer Stimme beruhigt, geht sie auf den Schmerz des Babys ein und reguliert dessen Emotionen. Dadurch wird das kindliche Gehirn trainiert, wie es Stress abbauen kann. Zudem lernt es: „Wenn ich Angst oder Hunger habe, werde ich gehört und beruhigt. Ich bin in Sicherheit.“ Wird ein schreiender Säugling jedoch ignoriert oder in einer überfüllten Kita alleine gelassen, so reagiert das Gehirn mit einer übersteigerten Stressreaktion; es wird viel Cortisol ausgeschüttet und die Amygdala übermäßig aktiviert. Dabei lernt das Gehirn: „Die Welt ist unvorhersehbar und bedrohlich.“

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